Vitamin D ist für einen normalen Kalzium- und Phosphatstoffwechsel, die Mineralisierung der Knochen und die Funktion der Muskulatur unverzichtbar. Der Körper kann es unter dem Einfluss von Sonnenlicht selbst in der Haut bilden. Dieser Prozess hängt jedoch von der Jahreszeit, dem Alter, der Hautpigmentierung, dem Lebensstil und der Zeit im Freien ab. Ein länger anhaltender Mangel kann bei Kindern zu Rachitis, bei Erwachsenen zu Osteomalazie sowie bei älteren Menschen zu Muskelschwäche und einem erhöhten Risiko für Stürze und Knochenbrüche führen. Ein leicht erniedrigter Wert verursacht dagegen häufig keine eindeutigen Beschwerden und wird erst bei einer Blutuntersuchung festgestellt. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf Аugsburger-Аllgemeine.
Warum der Körper Vitamin D benötigt
Die bekannteste Funktion von Vitamin D ist seine Bedeutung für die Knochengesundheit. Es unterstützt den Darm bei der Aufnahme von Kalzium und Phosphat – zwei Mineralstoffen, ohne die Knochen ihre notwendige Dichte und Stabilität nicht erhalten können. Bei einem ausgeprägten Mangel wird das Knochengewebe nicht ausreichend mineralisiert und kann weich und anfällig werden.
Vitamin D ist außerdem an der Muskelfunktion, der Regulation des Kalziumhaushalts und der Arbeit des Immunsystems beteiligt. Zahlreiche weitere vermutete Wirkungen – etwa auf das Risiko für Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychische Störungen – werden weiterhin erforscht. Ein statistischer Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel und einer bestimmten Erkrankung beweist noch nicht, dass der Mangel tatsächlich deren Ursache ist.
Im Körper durchläuft Vitamin D mehrere Umwandlungsstufen. Zur Beurteilung der Versorgung wird in der Regel nicht das aktive Calcitriol, sondern die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D, kurz 25(OH)D, gemessen. Dieser Wert spiegelt die Gesamtversorgung durch Nahrung, Präparate und die körpereigene Bildung in der Haut am zuverlässigsten wider.
Ab wann von einem Vitamin-D-Mangel gesprochen wird
Einen international einheitlichen Grenzwert, den alle medizinischen Fachgesellschaften verwenden, gibt es nicht. Die Werte werden entweder in Nanogramm pro Milliliter oder in Nanomol pro Liter angegeben:
- 1 ng/ml entspricht 2,5 nmol/l;
- ein Wert unter 12 ng/ml beziehungsweise 30 nmol/l gilt meist als ausgeprägter Mangel;
- Werte zwischen 12 und 20 ng/ml können auf eine unzureichende Versorgung hinweisen;
- ab etwa 20 ng/ml beziehungsweise 50 nmol/l gilt die Versorgung bei den meisten Menschen als ausreichend für die Knochengesundheit.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung orientiert sich an einer Konzentration von mindestens 50 nmol/l, also etwa 20 ng/ml. Ohne medizinische Indikation müssen jedoch keine Werte von 50 bis 70 ng/ml angestrebt werden. Ein höherer Messwert bedeutet nicht automatisch einen größeren gesundheitlichen Nutzen.
Das Ergebnis sollte immer unter Berücksichtigung der Jahreszeit, des Alters, bestehender Erkrankungen und eingenommener Medikamente bewertet werden. Am Ende des Winters liegt der 25(OH)D-Spiegel bei Menschen in Ländern mit gemäßigtem Klima meist niedriger als im Sommer. Ein einzelner erniedrigter Wert reicht außerdem nicht aus, um die Ursache festzustellen oder eigenständig eine Dosierung für ein Präparat festzulegen.
Vitamin-D-Mangel bei Kindern: typische Symptome
Für Kinder ist Vitamin D insbesondere während des schnellen Wachstums des Skeletts wichtig. Ein schwerer und länger anhaltender Mangel stört die Mineralisierung der Knochen und kann zu Rachitis führen. Dabei wird das Knochengewebe weich und kann sich verformen.
Mögliche Anzeichen eines schweren Mangels bei Kindern sind:
- verzögertes Knochenwachstum;
- Muskelschwäche;
- verminderte körperliche Aktivität;
- Knochenschmerzen oder erhöhte Druckempfindlichkeit;
- verspätetes Erlernen des Laufens;
- Verkrümmungen der Beine;
- verdickte Hand- und Fußgelenke;
- Verformungen des Brustkorbs;
- verspäteter Zahndurchbruch;
- erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche.
Bei Säuglingen kann ein Mangel mit einem Abfall des Kalziumspiegels verbunden sein. In diesem Fall können Muskelkrämpfe, Zuckungen, Krampfanfälle oder eine auffällige Reizbarkeit auftreten. Solche Beschwerden müssen rasch ärztlich untersucht werden, da sie auch bei anderen gefährlichen Erkrankungen vorkommen können.
Bei älteren Kindern kann sich eine Rachitis durch O- oder X-Beine, Veränderungen des Gangbildes, Schmerzen beim Gehen und Verformungen der Wirbelsäule bemerkbar machen. Jugendliche mit schwerem Vitamin-D-Mangel können Schmerzen in den Beinen, im Becken oder im Rücken sowie eine ausgeprägte Muskelschwäche entwickeln.
Säuglinge können ihren Bedarf nur schwer allein über Sonnenlicht und Muttermilch decken. Die deutschen Empfehlungen sehen deshalb im ersten Lebensjahr in der Regel eine vorbeugende Vitamin-D-Gabe vor. Die konkrete Dosierung legt der Kinderarzt fest.
Welche Symptome bei Erwachsenen auftreten können
Bei vielen Erwachsenen verursacht ein mäßig erniedrigter Vitamin-D-Spiegel keine spezifischen Beschwerden. Müdigkeit, depressive Verstimmungen, Haarausfall oder häufige Infekte reichen allein nicht aus, um einen Mangel zu bestätigen, da sie zahlreiche andere Ursachen haben können.
Bei einem ausgeprägten und länger anhaltenden Defizit kann sich eine Osteomalazie entwickeln. Dabei wird bereits ausgebildetes Knochengewebe nicht ausreichend mineralisiert. Dies unterscheidet sich von Osteoporose, bei der die Menge der Knochenmasse abnimmt.
Zu den charakteristischen Beschwerden gehören:
- dumpfe oder ziehende Knochenschmerzen;
- Schmerzen im unteren Rücken, im Becken, an den Rippen oder in den Beinen;
- Schwäche der Oberschenkel- und Schultermuskulatur;
- Schwierigkeiten beim Treppensteigen;
- Probleme beim Aufstehen von einem Stuhl;
- schnelle Ermüdung beim Gehen;
- Veränderungen des Gangbildes;
- erhöhtes Sturzrisiko;
- Knochenbrüche bei vergleichsweise geringer Belastung.
Die Schmerzen können diffus auftreten und sich bei Druck auf die Knochen oder bei körperlicher Belastung verstärken. Die Muskelschwäche betrifft häufig körpernahe Muskelgruppen. Dadurch fällt es Betroffenen schwer, aufzustehen, Gegenstände anzuheben oder längere Strecken zu gehen.
Hängen Haarausfall und Müdigkeit mit Vitamin D zusammen?
Im Internet wird ein Vitamin-D-Mangel häufig mit zahlreichen unspezifischen Beschwerden in Verbindung gebracht. Dazu gehören Haarausfall, Akne, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Depressionen oder eine erhöhte Infektanfälligkeit. Einige Studien zeigen tatsächlich statistische Zusammenhänge zwischen niedrigen 25(OH)D-Werten und bestimmten Erkrankungen.
Diese Beobachtungen reichen jedoch nicht aus, um die Beschwerden eindeutig als direkte Folge eines Vitamin-D-Mangels einzuordnen. Haarausfall kann beispielsweise durch Schilddrüsenerkrankungen, Eisenmangel, Stress, Infektionen, hormonelle Veränderungen oder genetische Faktoren ausgelöst werden. Müdigkeit tritt unter anderem bei Anämie, Schlafstörungen, Depressionen, chronischen Entzündungen und hormonellen Erkrankungen auf.
Eine Vitamin-D-Bestimmung kann Teil einer ärztlichen Abklärung sein, ersetzt aber keine umfassende Diagnostik. Es ist nicht ratsam, sämtliche Beschwerden auf einen einzigen Nährstoffmangel zurückzuführen und ohne Untersuchung hoch dosierte Präparate einzunehmen.
Vitamin-D-Mangel bei älteren Menschen
Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit der Haut ab, unter Sonnenlicht Vitamin D zu bilden. Ältere Menschen halten sich zudem häufig weniger im Freien auf, bewegen sich eingeschränkt, ernähren sich nicht ausreichend oder nehmen Medikamente ein, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen.
Ein Mangel kann sich bei älteren Menschen durch folgende Beschwerden zeigen:
- Schwäche der Beinmuskulatur;
- unsicheres Gangbild;
- Schwierigkeiten beim Aufstehen;
- abnehmende körperliche Aktivität;
- Knochen- und Muskelschmerzen;
- häufige Stürze;
- erhöhtes Risiko für Knochenbrüche.
Besonders gefährdet sind pflegebedürftige, wenig mobile Menschen sowie Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Patienten, die ihr Zuhause oder das Krankenhaus nur selten verlassen. Eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung kann zusammen mit Osteoporose das Risiko für Hüft-, Wirbel- oder Unterarmfrakturen zusätzlich erhöhen.
Vitamin D ist allerdings nicht die einzige Maßnahme zur Vorbeugung von Knochenbrüchen. Wichtig sind auch eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Eiweiß, regelmäßige Bewegung, Gleichgewichtstraining, eine Korrektur von Sehproblemen, die Behandlung einer Osteoporose und die Beseitigung von Stolperfallen im Alltag.
Wer ein erhöhtes Risiko hat
Eine Kontrolle des Vitamin-D-Spiegels kann sinnvoll sein, wenn Beschwerden, Erkrankungen oder Lebensumstände vorliegen, die einen Mangel begünstigen. Ein flächendeckendes Screening aller gesunden Menschen ohne Risikofaktoren wird in der Regel nicht empfohlen.
Zur Risikogruppe gehören:
- Säuglinge;
- ältere und wenig mobile Menschen;
- Bewohner von Pflegeeinrichtungen;
- Personen, die sich nur selten im Freien aufhalten;
- Menschen, die den größten Teil ihrer Haut dauerhaft mit Kleidung bedecken;
- Menschen mit dunkler Haut;
- Patienten mit Darmerkrankungen, die die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen;
- Menschen nach bestimmten Magen- oder Darmoperationen;
- Patienten mit chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen;
- Menschen mit Adipositas;
- Patienten, die bestimmte Antiepileptika, Glukokortikoide oder andere Medikamente einnehmen;
- Menschen mit ungeklärter Muskelschwäche, Knochenschmerzen oder wiederholten Knochenbrüchen.
Darmerkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn und schwere Formen einer gestörten Nährstoffaufnahme können die Versorgung mit fettlöslichen Vitaminen beeinträchtigen. Bei Leber- und Nierenerkrankungen kann zudem die Umwandlung von Vitamin D in die vom Körper benötigten Formen gestört sein.
Kann Vitamin D über Lebensmittel aufgenommen werden?
Der größte Teil des Vitamin-D-Bedarfs wird durch die Bildung in der Haut gedeckt. Die Ernährung trägt meist nur einen kleineren Anteil bei, da nur wenige Lebensmittel natürlicherweise größere Mengen enthalten.
Zu den wichtigsten Nahrungsquellen gehören:
- fettreicher Seefisch;
- Leber bestimmter Fischarten;
- Eigelb;
- einige Pilzarten;
- mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel.
Bei vollständig fehlender körpereigener Bildung nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für Kinder ab einem Jahr, Jugendliche und Erwachsene einen Schätzwert von 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 Internationalen Einheiten pro Tag. Dieser Wert gilt für Situationen ohne Vitamin-D-Bildung durch Sonnenlicht und ist keine pauschale Empfehlung, eigenständig täglich ein Präparat in dieser Dosis einzunehmen.
Allein über gewöhnliche Lebensmittel lässt sich diese Menge nur schwer erreichen. Ob ein Präparat erforderlich ist und welche Dosis geeignet ist, hängt vom Alter, den Untersuchungsergebnissen, der Ernährung, dem Lebensstil und möglichen Begleiterkrankungen ab.
Wie ein Vitamin-D-Mangel diagnostiziert wird
Der wichtigste Laborwert ist die Konzentration von 25(OH)D im Blutserum. Bei Verdacht auf einen schweren Mangel kann der Arzt zusätzlich Kalzium, Phosphat, alkalische Phosphatase, Parathormon sowie Leber- und Nierenwerte bestimmen.
Bei Knochenschmerzen, Verformungen oder Brüchen können weitere Untersuchungen erforderlich sein:
- Röntgenaufnahmen;
- Messung der Knochendichte;
- Untersuchung auf Osteoporose;
- Tests auf Erkrankungen des Darms, der Nieren oder des Hormonsystems.
Ein einzelner Laborwert sollte nicht isoliert bewertet werden. Entscheidend sind auch die verwendete Maßeinheit, der Referenzbereich des Labors, die Beschwerden und die mögliche Ursache des erniedrigten Wertes.
Warum zu viel Vitamin D gefährlich sein kann
Der Körper reguliert die Vitamin-D-Bildung durch Sonnenlicht selbst. Ein normaler Aufenthalt im Freien führt daher nicht zu einer Vergiftung. Die häufigste Ursache einer Überdosierung ist die längerfristige Einnahme zu hoher Mengen über Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel.
Ein Überschuss an Vitamin D steigert die Kalziumaufnahme und kann eine Hyperkalzämie auslösen. Mögliche Symptome sind:
- Appetitlosigkeit;
- Übelkeit und Erbrechen;
- Verstopfung;
- starker Durst;
- häufiges Wasserlassen;
- Muskelschwäche;
- Erschöpfung;
- Verwirrtheit;
- Herzrhythmusstörungen;
- Nierensteine und Nierenschäden.
Bei einer länger anhaltenden Vergiftung kann sich Kalzium in den Nieren, den Blutgefäßen und anderen Weichteilen ablagern. Schwere Fälle können zu einem Nierenversagen führen. Das Risiko steigt, wenn gleichzeitig hohe Mengen an Vitamin D und Kalzium eingenommen werden.
Erwachsene sollten eine längerfristige, unkontrollierte Zufuhr von mehr als 100 Mikrogramm beziehungsweise 4000 Internationalen Einheiten täglich vermeiden. Bei einem nachgewiesenen Mangel kann ein Arzt vorübergehend eine andere therapeutische Dosierung verschreiben. Eine solche Behandlung sollte jedoch kontrolliert werden.
Wann ärztliche Hilfe notwendig ist
Eine ärztliche Untersuchung ist ratsam, wenn über längere Zeit Muskelschwäche, ungeklärte Knochenschmerzen, wiederholte Stürze oder Knochenbrüche nach geringfügigen Verletzungen auftreten. Auch Erkrankungen, die die Aufnahme oder Verarbeitung von Vitamin D beeinträchtigen, können eine Kontrolle erforderlich machen.
Kinder sollten einem Kinderarzt vorgestellt werden, wenn Wachstumsverzögerungen, Verformungen der Beine, Veränderungen des Gangbildes, Muskelschwäche oder andere Hinweise auf eine gestörte Knochenentwicklung auftreten. Krampfanfälle, starke Muskelkrämpfe, Bewusstlosigkeit oder Atemprobleme erfordern sofortige medizinische Hilfe.
Bei Verdacht auf eine Überdosierung sollte die eigenständige Einnahme des Präparats beendet und ärztlicher Rat eingeholt werden. Das gilt insbesondere bei einer Kombination aus Übelkeit, starkem Durst, häufigem Wasserlassen und ausgeprägter Schwäche.

