Wer einen größeren Kredit aufnimmt, muss der Bank meist Sicherheiten stellen. Diese geben der Bank das Recht, sich bei Zahlungsausfall aus einem bestimmten Vermögenswert zu befriedigen. Welche Sicherheit verlangt wird, hängt von Kreditart und Höhe ab — und jede Form hat eigene rechtliche Folgen. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Kreditsicherheiten 2026 und ihre Risiken. Einzelfragen vertieft die Kategorie Kreditsicherheiten.
Personal- und Realsicherheiten: der grundlegende Unterschied
Kreditsicherheiten lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Bei Personalsicherheiten haftet eine weitere Person mit ihrem gesamten Vermögen — typisches Beispiel ist die Bürgschaft. Bei Realsicherheiten dient ein konkreter Vermögensgegenstand als Sicherheit, etwa eine Immobilie (Grundschuld) oder ein Fahrzeug (Sicherungsübereignung). Realsicherheiten sind für die Bank oft attraktiver, weil sie unabhängig von der Zahlungsfähigkeit eines Dritten sind.
| Sicherheit | Gruppe | Gegenstand | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|
| Bürgschaft | Personal | Vermögen des Bürgen | § 765 BGB |
| Grundschuld | Real | Immobilie | § 1191 BGB |
| Hypothek | Real | Immobilie | § 1113 BGB |
| Sicherungsübereignung | Real | bewegliche Sache | §§ 929, 930 BGB |
| Lohnabtretung | Real | künftiger Lohn | § 398 BGB |
| Pfandrecht | Real | Konto, Depot | AGB der Banken |
Die Bürgschaft: volle Haftung für fremde Schuld
Mit einer Bürgschaft verpflichtet sich der Bürge, für die Schuld eines anderen einzustehen (§ 765 BGB). Zahlt der Hauptschuldner nicht, kann die Bank den Bürgen in Anspruch nehmen. Die Bürgschaft bedarf der Schriftform. Üblich ist bei Banken die selbstschuldnerische Bürgschaft: Hier kann die Bank den Bürgen sofort in Anspruch nehmen, ohne zuvor erfolglos gegen den Hauptschuldner vollstreckt zu haben.
Wichtig ist die Höchstbetragsbürgschaft, die die Haftung auf eine bestimmte Summe begrenzt. Ohne eine solche Begrenzung kann die Haftung erheblich sein. Wer eine Bürgschaft unterschreibt, sollte daher stets auf eine betragsmäßige Obergrenze achten. Vertiefungen bietet der Beitrag Bürgschaft: Wer haftet, wenn der Schuldner nicht zahlt.
Wann eine Bürgschaft sittenwidrig ist
Bürgschaften naher Angehöriger können nach § 138 BGB sittenwidrig und damit unwirksam sein. Die Rechtsprechung nimmt dies an, wenn der Bürge finanziell krass überfordert ist und die Bürgschaft allein aus emotionaler Verbundenheit übernommen wurde — etwa wenn ein einkommensloser erwachsener Sohn für hohe Schulden der Eltern bürgt. Maßgeblich ist, ob der Bürge voraussichtlich nicht einmal die laufenden Zinsen aus eigenem Einkommen tragen könnte.
Grundschuld und Hypothek
Bei Immobilienkrediten ist die Grundschuld die wichtigste Sicherheit. Sie ist ein Grundpfandrecht und wird ins Grundbuch eingetragen. Zahlt der Kreditnehmer nicht, kann die Bank die Zwangsvollstreckung in die Immobilie betreiben. Die Grundschuld ist abstrakt: Sie besteht unabhängig von der konkreten Forderung. Die Verbindung zum Kredit stellt die Sicherungsabrede (Zweckerklärung) her.
Die seltener gewordene Hypothek ist demgegenüber akzessorisch — sie ist an eine bestimmte Forderung gebunden und sinkt mit deren Tilgung. Worin sich beide unterscheiden und welche Kosten anfallen, erklärt der Beitrag Grundschuld und Hypothek 2026: Unterschied und Kosten.
Die Zweckerklärung: die wichtigste Klausel
Die Zweckerklärung legt fest, welche Forderungen die Grundschuld sichert. Eine enge Zweckerklärung sichert nur den konkreten Kredit. Eine weite Zweckerklärung kann auch andere und künftige Forderungen erfassen — das birgt Risiken, etwa wenn die Immobilie für Schulden Dritter haftet. Achten Sie auf eine möglichst enge Fassung.
Sicherungsübereignung: Eigentum trotz Besitz
Bei beweglichen Sachen — typischerweise dem finanzierten Auto — wird häufig die Sicherungsübereignung gewählt. Der Kreditnehmer bleibt im Besitz der Sache und nutzt sie, das Eigentum geht jedoch zur Sicherheit an die Bank über (§§ 929, 930 BGB). Beim Autokredit behält die Bank meist die Zulassungsbescheinigung Teil II. Ein Verkauf des Fahrzeugs während der Kreditlaufzeit ist ohne Zustimmung der Bank rechtlich problematisch, da der Kreditnehmer nicht mehr Eigentümer ist.
Weitere Sicherheiten
- Lohnabtretung: Der Kreditnehmer tritt künftige Lohnansprüche an die Bank ab (§ 398 BGB). Der unpfändbare Teil des Lohns kann jedoch nicht wirksam abgetreten werden.
- AGB-Pfandrecht: Nach den Banken-AGB hat die Bank ein Pfandrecht an Werten, die in ihren Besitz gelangen, etwa Guthaben oder Depots. Daraus kann sich ein Recht zur Verrechnung ergeben.
- Mietkaution: Zwar keine Kreditsicherheit im engeren Sinn, aber rechtlich verwandt. Die Mietkaution ist auf höchstens drei Nettokaltmieten begrenzt (§ 551 BGB) und vom Vermieter getrennt vom eigenen Vermögen anzulegen. Details im Beitrag Mietkaution 2026: Rechte, Anlage, Rückgabe.
Was passiert bei Zahlungsausfall?
Kann der Kredit nicht bedient werden, verwertet die Bank die Sicherheit. Bei einer Immobilie geschieht das über die Zwangsversteigerung. Reicht der Erlös nicht aus, bleibt der Kreditnehmer für die Restschuld haftbar — die Verwertung der Sicherheit befreit nicht automatisch von der gesamten Schuld. Wie sich eine Zwangsversteigerung abwenden lässt, behandelt der Beitrag Zwangsversteigerung: Ablauf und verhindern 2026. Die Sicherheiten beim Immobilienkredit hängen eng mit der Finanzierung selbst zusammen — Grundlagen dazu in der Kategorie Alles rund um den Kredit.
Worauf Sie vor der Unterschrift achten sollten
- Bürgschaften immer auf einen Höchstbetrag begrenzen.
- Bei der Grundschuld auf eine enge Zweckerklärung bestehen.
- Prüfen, ob die geforderte Sicherheit zur Kredithöhe verhältnismäßig ist.
- Bei Mithaftung Angehöriger die mögliche Sittenwidrigkeit bedenken.
- Nach vollständiger Tilgung die Löschung bzw. Rückgewähr der Sicherheit verlangen.
Löschung und Rückgewähr nach Tilgung
Ist der Kredit vollständig zurückgezahlt, behält die Bank die Sicherheit nicht automatisch zu Ihren Gunsten frei. Bei der Grundschuld haben Sie einen Anspruch auf Rückgewähr — entweder auf Löschung im Grundbuch oder auf Abtretung der Grundschuld an sich selbst. Eine Löschung verursacht Notar- und Grundbuchkosten, kann aber sinnvoll sein, wenn die Immobilie verkauft werden soll. Wer eine erneute Finanzierung plant, lässt die Grundschuld häufig bestehen, um sie später wiederzuverwenden. Bei der Sicherungsübereignung ist nach Tilgung die Rückübereignung zu verlangen, etwa die Herausgabe der Zulassungsbescheinigung Teil II. Achten Sie darauf, die Freigabe der Sicherheit nach der letzten Rate ausdrücklich zu veranlassen.
Globalbürgschaft und Geschäftsführerhaftung
Im unternehmerischen Bereich verlangen Banken von Gesellschaftern oder Geschäftsführern häufig eine persönliche Bürgschaft für Kredite der Gesellschaft. Eine Globalbürgschaft kann dabei sämtliche gegenwärtigen und künftigen Verbindlichkeiten erfassen — mit weitreichender persönlicher Haftung des Bürgen mit dem Privatvermögen. Wer als Geschäftsführer bürgt, sollte die Haftung der Höhe nach begrenzen und sich nicht auf unbegrenzte Globalbürgschaften einlassen. Beim Ausscheiden aus der Gesellschaft ist zu klären, ob und wann die Bürgschaft endet; ohne ausdrückliche Entlassung durch die Bank besteht sie oft fort. Auch hier kann der Grundsatz der Sittenwidrigkeit greifen, wenn ein Gesellschafter ohne maßgeblichen Einfluss krass überfordert wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Kreditsicherheiten gibt es? Man unterscheidet Personalsicherheiten (z. B. Bürgschaft) und Realsicherheiten (z. B. Grundschuld, Hypothek, Sicherungsübereignung). Welche verlangt wird, hängt von Kreditart und Höhe ab.
Wann ist eine Bürgschaft sittenwidrig? Wenn der Bürge finanziell krass überfordert ist und die Bürgschaft allein aus emotionaler Verbundenheit übernommen wurde. Dann kann sie nach § 138 BGB unwirksam sein.
Darf ich mein finanziertes Auto verkaufen? In der Regel nicht ohne Zustimmung der Bank, da das Fahrzeug zur Sicherheit übereignet wurde und die Bank Eigentümerin ist.
Was ist der Unterschied zwischen Grundschuld und Hypothek? Die Grundschuld ist abstrakt und unabhängig von der Forderung; die Hypothek ist akzessorisch und an eine bestimmte Forderung gebunden, sinkt also mit der Tilgung.
Wie hoch darf eine Mietkaution sein? Höchstens drei Nettokaltmieten (§ 551 BGB). Der Vermieter muss sie getrennt von seinem Vermögen anlegen.
Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung im Einzelfall dar.
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