Langes Sitzen gilt seit Jahren als möglicher Risikofaktor für die Gesundheit. Eine neue Untersuchung zeigt jedoch, dass nicht nur die Dauer der Bewegungslosigkeit eine Rolle spielen könnte, sondern auch die Tätigkeit, die Menschen währenddessen ausüben. Forschende stellten fest, dass passives Fernsehen im mittleren Lebensalter mit strukturellen Veränderungen im Gehirn verbunden sein kann, die als mögliche Marker für ein erhöhtes Risiko kognitiver Einschränkungen und Demenz gelten. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf welt.
Die Ergebnisse der Studie der University of Southern California wurden in der Fachzeitschrift Alzheimer’s & Dementia veröffentlicht. Das Forschungsteam wertete die Daten von mehr als 1.700 Erwachsenen aus und verglich unterschiedliche sitzende Aktivitäten, darunter Fernsehen in der Freizeit und überwiegend sitzende berufliche Tätigkeiten.
Warum die Art der sitzenden Tätigkeit entscheidend sein kann
Serien, Filme oder Nachrichtensendungen gelten für viele Menschen als einfache Möglichkeit, sich zu entspannen. Die Forschenden vermuten jedoch, dass regelmäßiger passiver Medienkonsum das Gehirn möglicherweise weniger fordert als andere Tätigkeiten im Sitzen.
Studienautor David Raichlen erklärte, dass sich frühere Untersuchungen vor allem darauf konzentriert hätten, wie lange Menschen sitzen. Die neuen Ergebnisse deuteten darauf hin, dass zusätzlich berücksichtigt werden müsse, womit sie sich während dieser Zeit beschäftigen.
Nach Einschätzung der Wissenschaftler können sich verschiedene Formen sitzender Aktivität unterschiedlich auf das Gehirn auswirken. Büroarbeit umfasst häufig Konzentration, Informationsverarbeitung, Planung, Lesen oder Kommunikation. Fernsehen verlangt dagegen meist weniger aktive geistige Beteiligung.
So wurde die Studie durchgeführt
An der Untersuchung nahmen 1.712 Erwachsene teil, bei denen zu Beginn keine Demenz diagnostiziert worden war. Die ersten Daten wurden zwischen 1987 und 1989 erhoben. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag damals bei etwa 53 Jahren.
Die Versuchspersonen wurden gefragt, wie häufig sie in ihrer Freizeit fernsahen und wie viel Zeit sie bei der Arbeit im Sitzen verbrachten. Die Häufigkeit des Fernsehkonsums wurde auf einer Skala von „nie oder selten“ bis „sehr häufig“ erfasst.
Rund 22 Jahre später untersuchten die Forschenden die Gehirne der Teilnehmenden mithilfe der Magnetresonanztomografie. Dadurch konnten sie das Volumen verschiedener Hirnregionen sowie Veränderungen in der weißen Substanz beurteilen.
Häufiges Fernsehen war mit geringerem Gehirnvolumen verbunden
Die MRT-Auswertung zeigte, dass Personen, die im mittleren Lebensalter sehr häufig fernsahen, mehr als zwei Jahrzehnte später in mehreren wichtigen Hirnregionen ein geringeres Volumen aufwiesen.
Veränderungen wurden unter anderem im Stirn- und Hinterhauptslappen festgestellt. Auch der Hippocampus und der entorhinale Kortex waren betroffen. Diese Strukturen spielen eine zentrale Rolle für Gedächtnis, räumliche Orientierung und die Verarbeitung neuer Informationen.
Gerade in diesen Bereichen treten häufig frühe Veränderungen auf, die mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung gebracht werden. Die Autoren betonen jedoch, dass die Ergebnisse keinen direkten Nachweis dafür liefern, dass Fernsehen eine Erkrankung auslöst.
MRT-Aufnahmen zeigten mehr Veränderungen in der weißen Substanz
Bei Personen mit häufigem Fernsehkonsum entdeckten die Forschenden außerdem ein größeres Volumen sogenannter Hyperintensitäten in der weißen Substanz des Gehirns.
Diese Veränderungen erscheinen auf MRT-Bildern als helle Bereiche. Sie können auf Schäden an kleinen Blutgefäßen und auf Störungen der Durchblutung des Gehirngewebes hinweisen.
Eine größere Zahl solcher Auffälligkeiten wird mit einem erhöhten Risiko für Gedächtnisprobleme, verlangsamtes Denken und Demenz in Verbindung gebracht. Allein ihr Vorhandensein bestätigt jedoch keine konkrete Diagnose.
Sitzende Büroarbeit zeigte teilweise andere Ergebnisse
Der Vergleich mit Personen, die während ihrer Arbeit häufig saßen, ergab ein anderes Bild. Bei einigen Teilnehmenden mit überwiegend sitzender Berufstätigkeit stellten die Wissenschaftler ein größeres Volumen bestimmter Hirnregionen und weniger Auffälligkeiten in der weißen Substanz fest.
Die Autoren vermuten, dass berufliche Tätigkeiten auch im Sitzen regelmäßig geistige Anforderungen stellen können. Dazu gehören das Lösen von Problemen, die Arbeit mit Dokumenten, Entscheidungen, Kommunikation und andere Formen kognitiver Aktivität.
Das tatsächliche Ausmaß der geistigen Belastung am Arbeitsplatz wurde in der Studie jedoch nicht direkt gemessen. Daher lässt sich nicht feststellen, welche beruflichen Aufgaben genau mit günstigeren Hirnwerten verbunden waren.
Zusammenhang blieb nach Berücksichtigung weiterer Faktoren bestehen
Bei der statistischen Auswertung berücksichtigten die Forschenden unter anderem die körperliche Aktivität, Diabetes, Körpergewicht, Rauchen und Alkoholkonsum. Auch nach dieser Anpassung blieb der Zusammenhang zwischen häufigem Fernsehen und Veränderungen im Gehirn bestehen.
Einige Unterschiede waren bei Männern besonders deutlich. Warum sich die Ergebnisse zwischen den Geschlechtern unterschieden, ist bislang unklar.
Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass weitere Einflussfaktoren eine Rolle gespielt haben könnten, die in der Untersuchung nicht vollständig erfasst wurden.
Die Studie beweist nicht, dass Fernsehen Demenz verursacht
Die Untersuchung zeigt einen statistischen Zusammenhang, aber keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung. Die Forschenden können daher nicht belegen, dass Fernsehen direkt zu einem geringeren Gehirnvolumen oder zu Demenz führt.
Die Teilnehmenden machten selbst Angaben dazu, wie häufig sie fernsahen. Diese Einschätzungen waren relativ allgemein und enthielten keine genauen Informationen über die tägliche Dauer, einzelne Fernsehsitzungen oder die Art der konsumierten Inhalte.
Auch die Nutzung von Smartphones, Computern und Streamingdiensten wurde nicht untersucht. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf alle heutigen Formen der Bildschirmnutzung übertragen.
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