Die deutschen Behörden wollen die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen im Gesundheitswesen beschleunigen. Neue Vorschriften sollen den bürokratischen Aufwand für Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Hebammen reduzieren, die ihre Ausbildung außerhalb Deutschlands absolviert haben. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug zeit.
Dokumente sollen auf Englisch eingereicht werden können
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann erklärte, das bisherige Anerkennungsverfahren stelle eine unnötige Hürde für Fachkräfte dar, die in deutschen Kliniken, Apotheken und anderen medizinischen Einrichtungen dringend benötigt werden.
Die vom Ministerium vorbereitete Verordnung sieht bundesweit einheitliche Vorgaben vor. Zuständige Behörden sollen künftig auch englischsprachige Dokumente akzeptieren. Dadurch könnten zahlreiche Antragsteller darauf verzichten, bestimmte Bescheinigungen, Abschlusszeugnisse und Ausbildungsnachweise ins Deutsche übersetzen zu lassen.
Zudem soll das Anerkennungsverfahren digitalisiert werden. Ausländische Fachkräfte könnten ihre Unterlagen online einreichen, während die Behörden die Anträge nach einheitlichen Regeln bearbeiten sollen.
Medizinstudium kann in Deutschland abgeschlossen werden
Die geplanten Änderungen betreffen nicht nur bereits ausgebildete Fachkräfte. Wer im Ausland ein Medizin- oder Pharmaziestudium begonnen hat, soll dieses in bestimmten Ausnahmefällen an einer deutschen Hochschule fortsetzen und abschließen können.
Diese Regelung könnte insbesondere für Menschen aus der Ukraine relevant sein, die ihre Ausbildung wegen des Krieges nicht beenden konnten. Nach Abschluss der erforderlichen Studienabschnitte und Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen könnten sie eine Berufszulassung in Deutschland beantragen.
Die Verordnung ergänzt ein bereits verabschiedetes Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen im Gesundheitswesen. Der Bundesrat soll sich am 16. Oktober 2026 mit der Vorlage befassen. Das Inkrafttreten der neuen Regelungen ist für November vorgesehen.
In Deutschland fehlen Zehntausende Ärzte
Die Reform erfolgt vor dem Hintergrund eines zunehmenden Fachkräftemangels. Prognosen zufolge könnten dem deutschen Gesundheitssystem bis 2040 rund 50.000 Ärzte fehlen. Besonders angespannt dürfte die Lage in ländlichen Regionen werden, wo bereits heute Arztpraxen schließen und Patienten länger auf Termine warten müssen.
Mehr als ein Drittel der Bevölkerung nimmt in der eigenen Region einen Ärztemangel wahr. Fachkräfte aus dem Ausland spielen deshalb eine immer wichtigere Rolle bei der Sicherung der medizinischen Versorgung.
In Sachsen-Anhalt kam im Sommer 2026 etwa jeder fünfte berufstätige Arzt aus dem Ausland. Im Raum Dessau lag der Anteil bei mehr als einem Drittel. Medizinische Organisationen in der Region weisen darauf hin, dass eine flächendeckende Versorgung insbesondere außerhalb größerer Städte ohne ausländische Kollegen kaum noch gewährleistet werden könne.
Einheitliche Regeln sollen die Arbeitsaufnahme beschleunigen
Bislang kann die Dauer der Anerkennung eines medizinischen Abschlusses je nach Bundesland und zuständiger Behörde variieren. Antragsteller werden mit unterschiedlichen Anforderungen an Dokumente, Übersetzungen und Nachweise über die Inhalte ihrer Ausbildung konfrontiert.
Bundeseinheitliche Vorgaben sollen die wichtigsten Verfahrensschritte vereinheitlichen. Ausländische Mediziner müssen jedoch weiterhin nachweisen, dass ihre Ausbildung den deutschen Standards entspricht. Auch ausreichende Sprachkenntnisse und die fachliche Eignung bleiben Voraussetzungen für eine Berufszulassung.
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