Der Gesundheitszustand des norwegischen Königs Harald V. ist weiterhin sehr ernst. Nachdem das Königshaus eine erneute Verschlechterung mitgeteilt hatte, kamen Hunderte Menschen zum Königlichen Schloss in Oslo. Sie legten Blumen nieder und beteten für den Monarchen. Für viele Norweger ist der 89-Jährige, der seit 1991 auf dem Thron sitzt, zu einem Symbol für Stabilität und Zusammenhalt geworden. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf rp-online.
Königin Sonja und Kronprinz Haakon sagten alle für Donnerstag geplanten öffentlichen Termine ab. Norwegischen Medienberichten zufolge halten sich die engsten Familienmitglieder bei Harald V. im Krankenhaus auf.
Hunderte Norweger versammeln sich vor dem Königlichen Schloss
Der Platz vor dem Königlichen Schloss im Zentrum von Oslo füllte sich im Laufe des Tages mit Blumensträußen, Karten und Kerzen. Immer mehr Menschen kamen dorthin, nachdem die Nachricht über die weitere Verschlechterung des Gesundheitszustands von Harald V. bekannt geworden war.
Unter ihnen war David Hansen, der vor dem Schloss einen Blumenstrauß niederlegte. Als er über den König sprach, konnte er seine Gefühle kaum zurückhalten. Harald sei für viele Bürger nicht nur das formelle Staatsoberhaupt, sondern eine Art Vaterfigur des Landes.
In der Nähe kniete Thomas Ertzeid Gylseth vor dem Blumenmeer nieder und begann zu beten. Der Norweger erklärte, er habe in seinem gesamten Leben keinen anderen König gekannt.
„Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ohne ihn sein wird. Wir brauchen ihn“, sagte Gylseth mit Tränen in den Augen.
Neben ihm standen ältere Menschen schweigend und mit gesenkten Köpfen. Andere Besucher legten Blumen am Zaun ab oder blieben auf dem Schlossplatz, um auf neue Nachrichten aus dem Krankenhaus zu warten.
Zustand von König Harald V. als sehr ernst eingestuft
Das norwegische Königshaus teilte am 27. August mit, dass sich der Gesundheitszustand des Monarchen erneut verschlechtert habe. In einer kurzen offiziellen Erklärung wurde die Situation als „sehr ernst“ bezeichnet. Der König wird weiterhin im Rikshospitalet in Oslo behandelt.
Harald V. war am 17. August in das Krankenhaus eingeliefert worden. Anlass waren Komplikationen im Zusammenhang mit der Behandlung einer hämolytischen Anämie. Die Therapie mit Kortison hatte zu Flüssigkeitseinlagerungen im Körper geführt. Später stellten die Ärzte zudem eine bakterielle Infektion im Blutkreislauf fest.
Der König erhielt Antibiotika. Zunächst hatte das Königshaus mitgeteilt, dass er auf die Behandlung anspreche und sein Zustand stabil sei. Am 27. August verschlechterte sich die Lage jedoch erneut. Weitere medizinische Einzelheiten wurden nicht veröffentlicht.
Wegen des Krankenhausaufenthalts seines Vaters übernimmt Kronprinz Haakon vorübergehend die Aufgaben des Staatsoberhauptes. Gemeinsam mit Königin Sonja sagte er alle geplanten öffentlichen Auftritte ab.
Was über die Erkrankung des Monarchen bekannt ist
Bei Harald V. wurde eine hämolytische Anämie diagnostiziert. Bei dieser Form der Blutarmut werden die roten Blutkörperchen schneller abgebaut, als der Körper sie ersetzen kann. Mögliche Symptome sind Schwäche, Atemnot, Blässe, Schwindel und eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Gewebes.
Als weitere Komplikation trat eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs auf. Aus diesem Grund wird der König im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt.
Harald V. musste in den vergangenen Jahren mehrfach medizinisch versorgt werden. Während seiner krankheitsbedingten Auszeiten übertrug er die Wahrnehmung seiner verfassungsmäßigen Aufgaben vorübergehend auf seinen Sohn. Nach den jeweiligen Behandlungen kehrte er jedoch immer wieder in sein Amt zurück.
Eine Abdankung lehnte der Monarch bislang ab. Er verwies dabei auf den Eid, den er vor dem norwegischen Parlament abgelegt hatte. Harald betonte mehrfach, dass er sein Amt auf Lebenszeit ausüben wolle.
Harald V. gilt als Symbol des modernen Norwegens
Harald V. steht seit mehr als 35 Jahren an der Spitze Norwegens. Er bestieg am 17. Januar 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. den Thron. Heute ist Harald der älteste amtierende König Europas.
Obwohl der norwegische Monarch überwiegend repräsentative Aufgaben wahrnimmt, spielt die königliche Familie im gesellschaftlichen Leben des Landes eine bedeutende Rolle. Harald vertrat Norwegen bei staatlichen Veranstaltungen, empfing ausländische Staats- und Regierungschefs und wandte sich nach nationalen Tragödien an die Bevölkerung.
David Hansen, der Blumen zum Schloss gebracht hatte, sagte, der König habe einen Weg gefunden, unterschiedliche Generationen der norwegischen Gesellschaft anzusprechen. Harald habe seine Aufgabe gewissenhaft erfüllt und sein Leben in den Dienst des Landes gestellt.
Besonders im Gedächtnis geblieben sind seine Ansprachen nach den Terroranschlägen vom 22. Juli 2011. Damals rief der König die Bevölkerung dazu auf, geschlossen zu bleiben und nicht zuzulassen, dass Gewalt die demokratischen Werte Norwegens zerstört.
Mit diesem Bild eines besonnenen und beständigen Staatsoberhauptes verbinden sich die Emotionen der Menschen vor dem Schloss. Für viele von ihnen war Harald während des größten Teils ihres Lebens der König des Landes.
Wer nach Harald V. den norwegischen Thron übernimmt
Die Thronfolge ist in Norwegen verfassungsrechtlich geregelt. An erster Stelle steht der 53-jährige Sohn des Monarchen, Kronprinz Haakon. Nach dem Tod von Harald V. würde er unmittelbar neuer König von Norwegen werden.
Haakon hat bereits mehrfach die Aufgaben des Regenten übernommen, wenn sein Vater behandelt wurde oder nicht an staatlichen Terminen teilnehmen konnte. Er leitete Sitzungen des Staatsrates, empfing offizielle Gäste und vertrat Norwegen auf internationaler Ebene.
David Hansen erklärte, der Kronprinz ähnele seinem Vater in vieler Hinsicht und habe bereits gezeigt, dass er auf die Aufgaben eines Monarchen vorbereitet sei. Ein Thronwechsel würde für das Land dennoch das Ende einer langen Ära bedeuten, die Anfang der 1990er-Jahre begann.
Das Königshaus hat seit der Mitteilung vom 27. August keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands von Harald V. bekannt gegeben. Der Monarch steht weiterhin unter ärztlicher Beobachtung im Rikshospitalet. Seine Familie befindet sich bei ihm.
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