Nach drei Todesfällen im Zusammenhang mit einem Legionellose-Ausbruch im österreichischen Linz suchen die Gesundheitsbehörden weiter nach der Quelle der Bakterien. Einen ersten wichtigen Hinweis erhielten die Ermittler bei der Untersuchung einer Kühlanlage der Linz AG. Experten gehen jedoch davon aus, dass es in der Stadt noch mindestens eine weitere Infektionsquelle geben könnte. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf ooe.
Im Zuge der Untersuchungen wurden bislang rund 150 Proben entnommen. Mehr als die Hälfte davon ist bereits ausgewertet worden. Mindestens eine Probe fiel positiv aus.
Legionellen in Kühlanlage der Linz AG nachgewiesen
Die Bakterien wurden in einer Kühl- beziehungsweise Klimaanlage auf dem Dach eines Gebäudes des Stromnetzdepots an der Wiener Straße gefunden.
Nach Bekanntwerden des Befundes leitete die Linz AG gemeinsam mit den zuständigen Behörden der Stadt umgehend Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen ein. Nach Angaben des Unternehmens wurden sämtliche verfügbaren technischen und chemischen Verfahren eingesetzt.
Die Anlage ist laut Linz AG Teil eines geschlossenen Kühlkreislaufs. Dieser führt vom Dach zu einer Wärmepumpe und anschließend wieder zurück zur Anlage. Mit dem internen Trinkwasser- beziehungsweise Leitungssystem des Gebäudes sei dieser Kreislauf nicht verbunden.
Baustellenstaub könnte das Wachstum der Bakterien begünstigt haben
Nach Einschätzung der Linz AG könnte Beton- und Zementstaub von größeren Baustellen in unmittelbarer Nähe dazu beigetragen haben, dass sich Legionellen in der Anlage stärker vermehren konnten.
Dem Unternehmen zufolge gelangte der Staub in den Bereich der Kühlanlage und könnte dort die Wirksamkeit der regelmäßig durchgeführten chemischen Desinfektion beeinträchtigt haben.
Zur Kühlung der Anlage und der Leitungen wurde Wasser aus einem Behälter auf die Außenseiten der Rohre gesprüht. In diesem Wasserreservoir wurden später Legionellen festgestellt.
Die Linz AG betont, dass der Fund das Sprühwasser betrifft und nicht das Wasser, das innerhalb der Rohrleitungen zirkuliert.
In Kühlturm wurde passender Legionella-Subtyp gefunden
Der oberösterreichische Landessanitätsdirektor Georg Palmisano erklärte, dass in dem untersuchten Kühlturm ein Subtyp der Legionellen entdeckt worden sei, der auch bei den erkrankten Personen nachgewiesen wurde.
Damit gebe es einen ersten Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Anlage und den Erkrankungsfällen. Für eine endgültige Bestätigung seien jedoch weitere mikrobiologische Untersuchungen erforderlich.
Die Ergebnisse dieser Analysen werden in den kommenden Tagen erwartet.
Infektion setzt Kontakt mit belastetem Aerosol voraus
Der Linzer Infektiologe Helmut Salzer erklärte, dass ein kurzes Vorbeigehen an dem betroffenen Gebäude allein nicht zwangsläufig zu einer Infektion führt.
Legionellen werden hauptsächlich durch das Einatmen feinster Wassertröpfchen übertragen, die mit den Bakterien belastet sind. Für eine Infektion müsse eine bestimmte Menge dieses Aerosols aufgenommen werden.
Nach Angaben des Experten können solche Tröpfchen eine gewisse Zeit in der Luft schweben. Deshalb muss der Kontakt mit dem belasteten Aerosol nicht unmittelbar an der Stelle erfolgen, an der das Wasser versprüht wird.
Die bislang identifizierte Kühlanlage erklärt allerdings offenbar nicht sämtliche Erkrankungsfälle in Linz. Experten gehen deshalb davon aus, dass mindestens eine weitere Quelle für die Ausbreitung der Legionellen existieren könnte.
Suche nach weiteren Infektionsquellen dauert an
Der Nachweis von Legionellen in Wasserproben nimmt vergleichsweise viel Zeit in Anspruch. Nach Angaben der Fachleute können entsprechende Laboruntersuchungen zehn bis 14 Tage dauern.
Dadurch verzögert sich die Suche nach möglichen weiteren Infektionsquellen.
Legionellose kann eine schwere Form der Lungenentzündung verursachen. Salzer zufolge kann die Erkrankung bei etwa jedem zehnten Infizierten tödlich verlaufen – auch bei Menschen ohne schwere Vorerkrankungen.
Linzer ÖVP fordert vollständige Aufklärung
Nach den Todesfällen fordert auch die Linzer Stadtpolitik eine umfassende Aufklärung des Ausbruchs.
Der Linzer Vizebürgermeister Martin Hajart von der ÖVP verlangt vollständige Transparenz und eine lückenlose Untersuchung durch die Stadtverwaltung.
Dabei müsse seiner Ansicht nach auch geklärt werden, welche Rolle die für Gesundheitsfragen und die sanitäre Überwachung zuständigen Stellen gespielt haben. Die Bevölkerung erwarte Antworten darauf, wo sich die Infektionsquellen befinden und wie lange von ihnen möglicherweise eine Gefahr ausgegangen ist.
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