Porsche SE, der größte Anteilseigner von Volkswagen, fordert das Management, die Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen dazu auf, sich rasch auf weitere Sparmaßnahmen zu verständigen. Nach Ansicht der Holding könnte eine Verzögerung notwendiger Entscheidungen die Reformen erschweren, die der deutsche Autokonzern zur Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit benötigt. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf ndr.
Hans Dieter Pötsch, Vorstandsvorsitzender der Porsche SE und zugleich Vorsitzender des Volkswagen-Aufsichtsrats, erklärte, alle Beteiligten müssten vor allem die langfristigen Interessen des Unternehmens berücksichtigen. Volkswagen befinde sich derzeit an einem „historischen Wendepunkt“.
Die Forderung richtet sich damit insbesondere an zwei einflussreiche Gruppen im VW-Aufsichtsrat: die Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen, das als Anteilseigner ebenfalls Sitze in dem Kontrollgremium besitzt.
Entscheidung über weitere Sparmaßnahmen steht noch aus
Bei der Sitzung des Volkswagen-Aufsichtsrats Anfang Juli hatten Arbeitnehmervertreter und Vertreter des Landes Niedersachsen die vom Management vorgeschlagenen zusätzlichen Kostensenkungen nicht unterstützt.
Volkswagen-Chef Oliver Blume hatte zuvor erklärt, dass zur Herstellung der notwendigen Kostenwettbewerbsfähigkeit ein weiterer deutlicher Personalabbau erforderlich sein könnte. Im Raum stehen rund 50.000 zusätzliche Stellen, nachdem bereits eine ähnlich große Zahl von Arbeitsplätzen abgebaut worden ist.
Auch die Zukunft des Produktionsnetzes von Volkswagen wird diskutiert. Nach früheren Berichten könnten vier Werke des Konzerns gefährdet sein. Endgültige Entscheidungen über mögliche Werksschließungen, den Umfang des Stellenabbaus oder konkret betroffene Standorte wurden bislang jedoch nicht bekannt gegeben.
Die Ausgestaltung der nächsten Sparrunde bleibt damit Gegenstand von Verhandlungen zwischen dem Management, den Gewerkschaften, den Arbeitnehmervertretern und den Anteilseignern.
Arbeitnehmervertreter lehnen Werksschließungen ab
Nach Angaben aus Unternehmenskreisen wird die Wortmeldung der Porsche SE bei Volkswagen als Unterstützung für den Kurs von Oliver Blume und dessen Zukunftsprogramm gewertet.
Die Position der IG Metall bleibt dagegen unverändert. Vertreter der Gewerkschaft in Niedersachsen erklärten, dass sie Werksschließungen bei Volkswagen nicht akzeptieren würden.
Die Gewerkschaft betonte, dass bei der Restrukturierung die Beschäftigten des Konzerns und ihre Familien im Mittelpunkt stehen müssten. Damit wies die IG Metall den Druck des Großaktionärs zurück und bekräftigte erneut ihr Ziel, Arbeitsplätze und Standorte zu sichern.
Blume will nach der Sommerpause vor die Belegschaft treten
Nach dem Ende der Sommerferien wird mit einer neuen Phase der Gespräche über die Sparmaßnahmen gerechnet. Oliver Blume will an mehreren Betriebsversammlungen teilnehmen und sich dort den Fragen der Beschäftigten stellen.
Im Mittelpunkt dürfte dabei die weitere Kostensenkungsstrategie stehen. Das Management muss klären, welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, wie umfangreich mögliche Personalmaßnahmen ausfallen und ob einzelne Werke von der Restrukturierung betroffen sein werden.
Ein Kompromiss zwischen Unternehmensführung, Arbeitnehmervertretern und dem Land Niedersachsen über die zentralen Punkte des Sparprogramms ist bislang nicht erreicht worden.
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