Neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Demenzerkrankungen durch veränderbare Risikofaktoren beeinflusst werden kann. Gleichzeitig gewinnt die möglichst frühe Erkennung kognitiver Veränderungen an Bedeutung. In Deutschland werden deshalb neue Wege erprobt, um ältere Menschen leichter mit Vorsorgeangeboten zu erreichen. Ein Pilotprojekt setzt dabei auf Gedächtnistests direkt in Apotheken. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf apotheke-adhoc.
Nach Einschätzung einer internationalen Lancet-Kommission könnten weltweit rund 45 Prozent der Demenzfälle verhindert oder zumindest hinausgezögert werden. Dabei spielen unter anderem Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Hörverlust, Depressionen und weitere beeinflussbare Faktoren eine Rolle.
Auch neuere biologische Untersuchungen liefern Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Bewegung und Veränderungen im Gehirn. Bereits vergleichsweise geringe körperliche Aktivität kann demnach mit günstigeren Werten bestimmter Proteine verbunden sein, die bei neurodegenerativen Erkrankungen eine Rolle spielen.
Studie untersucht Demenzrisiken speziell für Deutschland
Eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Rostock und Greifswald sowie der Harvard Medical School hat den möglichen Präventionseffekt erstmals detaillierter auf Deutschland übertragen.
Grundlage waren Daten der Deutschen Alterssurvey-Studie aus dem Jahr 2023 mit rund 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ab 40 Jahren. Nach den Berechnungen der Forschenden könnten in Deutschland etwa 36 Prozent der Demenzerkrankungen durch beeinflussbare Faktoren positiv verändert werden.
Würden 14 bekannte Risikofaktoren jeweils um durchschnittlich 15 Prozent reduziert, könnten den Berechnungen zufolge bis zum Jahr 2050 etwa 170.000 Demenzfälle vermieden werden. Bei einer Reduktion der entsprechenden Risiken um 30 Prozent läge das rechnerische Potenzial bei mehr als 330.000 Fällen.
Die Wissenschaftler weisen allerdings darauf hin, dass die Risikofaktoren innerhalb der Bevölkerung sehr unterschiedlich verteilt sind. Präventionsangebote müssten deshalb stärker auf verschiedene Bevölkerungsgruppen zugeschnitten werden.
Forschende unterscheiden vier Risikoprofile
Mithilfe statistischer Analysen identifizierte das Forschungsteam vier typische Gruppen mit unterschiedlichen Risikomustern.
Zum sogenannten Niedrigrisikoprofil gehören etwa 36 Prozent der untersuchten Personen. Bei ihnen treten insgesamt nur wenige der bekannten beeinflussbaren Faktoren auf.
Rund 24 Prozent wurden einem Alkoholprofil zugeordnet. Hier fällt insbesondere ein erhöhtes Risiko im Zusammenhang mit Alkoholkonsum auf.
Das sensorische Profil betrifft ungefähr 23 Prozent der untersuchten Personen. Charakteristisch sind vor allem Einschränkungen beim Hören und Sehen.
Etwa 18 Prozent gehören zum metabolischen Profil. In dieser Gruppe treten häufiger Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte auf.
Nach Angaben der Forschenden bestehen zudem Zusammenhänge mit Alter, Geschlecht, Bildungsniveau und Wohnregion. Höhere Belastungen zeigen sich unter anderem bei älteren Männern, Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau sowie in Teilen Ostdeutschlands und in ländlichen Regionen.
Gedächtnistests werden direkt in Apotheken angeboten
Wie eine niedrigschwellige Früherkennung im Alltag aussehen könnte, wird derzeit unter anderem im Projekt „Dare“ getestet. Dabei beteiligen sich mehrere Apotheken an einem digitalen Verfahren zur Überprüfung der Gedächtnisleistung.
Insgesamt 14 Apotheken im Raum München bieten Menschen ab 60 Jahren über einen Zeitraum von rund elf Monaten einen tabletgestützten Gedächtnis-Check an.
Die Tests sollen verschiedene Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit erfassen. Dazu gehören unter anderem visuelle Wahrnehmung, Suchgeschwindigkeit und Gedächtnisleistung.
Die Initiatoren wollen damit insbesondere Personen erreichen, die bislang keine spezielle Gedächtnissprechstunde aufsuchen würden, eine Apotheke aber regelmäßig für Medikamente oder Beratung besuchen.
Neun digitale Aufgaben dauern rund 15 Minuten
Die eigentliche Untersuchung nimmt ungefähr eine Viertelstunde in Anspruch. Sie besteht aus neun digitalen Tests sowie ergänzenden Fragebögen.
Bei einer Aufgabe müssen die Teilnehmer beispielsweise Symbole bestimmten Zahlen möglichst schnell und korrekt zuordnen. In anderen Tests sollen sie sich Abbildungen merken oder eine Uhrzeit auf einem digitalen Zifferblatt eintragen.
Ergänzend werden Angaben zur allgemeinen Lebensqualität, zu möglichen Herz-Kreislauf-Risiken und zu depressiven Beschwerden erhoben.
Die Ergebnisse stehen nicht unmittelbar nach dem Test fest. Die Auswertung erfolgt anschließend und kann etwa ein bis zwei Wochen dauern.
Der Test in der Apotheke dient dabei nicht als endgültige Demenzdiagnose. Werden Auffälligkeiten festgestellt, können Betroffene zur weiteren Abklärung an spezialisierte Gedächtnisambulanzen oder andere medizinische Einrichtungen verwiesen werden.
LMU-Forschende setzen auf wohnortnahe Früherkennung
An dem Projekt sind unter anderem Dr. Carolin Kurz und Professor Robert Perneczky vom Alzheimer Therapie- und Forschungszentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt.
Ziel ist es, Prävention und Früherkennung altersbedingter kognitiver Veränderungen stärker in den Alltag älterer Menschen zu integrieren. Apotheken gelten dabei als geeignete Anlaufstellen, weil viele Menschen über 60 dort regelmäßig persönlich Kontakt zu pharmazeutischem Fachpersonal haben.
Besonders wichtig ist nach Einschätzung der beteiligten Fachleute, mögliche Veränderungen möglichst früh zu erkennen. Dadurch kann anschließend gezielter geprüft werden, ob tatsächlich eine Erkrankung vorliegt und welche medizinischen oder präventiven Maßnahmen erforderlich sind.
Diese Anzeichen können auf eine Demenz hindeuten
Bestimmte Veränderungen der Gedächtnisleistung oder des Alltagsverhaltens können Anlass für eine ärztliche Abklärung sein. Einzelne Vergesslichkeiten bedeuten dabei nicht automatisch, dass eine Demenzerkrankung vorliegt.
Zu den möglichen Warnzeichen gehört, dass kürzlich erhaltene Informationen, Termine oder Namen regelmäßig vergessen werden und dieselben Fragen wiederholt gestellt werden.
Auch Schwierigkeiten bei der Orientierung können auffallen. Betroffene finden sich möglicherweise in vertrauter Umgebung schlechter zurecht oder sind häufiger über Datum und Uhrzeit im Unklaren.
Ein weiteres mögliches Zeichen ist, wenn bislang selbstverständliche Alltagstätigkeiten zunehmend Probleme bereiten. Dazu können das Kochen nach einem bekannten Rezept, Einkaufen oder die Bedienung vertrauter Haushaltsgeräte gehören.
Sprachliche Veränderungen sind ebenfalls möglich. Manche Betroffene suchen häufiger nach einfachen Begriffen, verwenden unpassende Wörter oder verlieren mitten im Satz den Zusammenhang.
Auffällig kann zudem sein, wenn Gegenstände an völlig untypischen Orten abgelegt werden und sich die Person später nicht mehr daran erinnert. Als Beispiel gilt etwa ein Schlüssel, der im Kühlschrank landet.
Auch Veränderungen bei Stimmung und sozialem Verhalten können auftreten. Dazu zählen verstärkte Reizbarkeit, Misstrauen, ungewöhnliche Stimmungsschwankungen oder der zunehmende Rückzug aus Hobbys und sozialen Kontakten.
Die derzeit getesteten Angebote in Apotheken sollen solche Veränderungen nicht eigenständig diagnostizieren. Sie sollen vielmehr dabei helfen, mögliche Auffälligkeiten früher zu erkennen und bei Bedarf eine weiterführende medizinische Untersuchung anzustoßen.
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