Die Ursachen der Fibromyalgie sind bis heute nicht vollständig geklärt. Betroffene leiden unter lang anhaltenden Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, Schlafstörungen, ständiger Erschöpfung und weiteren Beschwerden, die den Alltag erheblich beeinträchtigen können. Eine neue groß angelegte Untersuchung deutet darauf hin, dass das Syndrom eine biologische und teilweise genetische Grundlage besitzt. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf t-online.
Wissenschaftler werteten Daten von mehr als 2,5 Millionen Menschen aus. Bei 54.629 Teilnehmern war Fibromyalgie diagnostiziert worden. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Erkrankung vor allem mit Störungen im zentralen Nervensystem zusammenhängen könnte.
Warum Fibromyalgie schwer zu diagnostizieren ist
Fibromyalgie äußert sich durch weit verbreitete Schmerzen, die Muskeln, Gelenke und die Ansatzstellen von Sehnen betreffen können. Viele Patienten berichten außerdem über Erschöpfung, schlechten Schlaf, Konzentrationsprobleme und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen.
Gleichzeitig zeigen gewöhnliche Untersuchungen häufig keine eindeutigen strukturellen Schäden oder entzündlichen Prozesse, die die Beschwerden vollständig erklären könnten. Deshalb wurden die Symptome in der Vergangenheit teilweise vor allem mit psychischen Ursachen in Verbindung gebracht oder nicht ausreichend ernst genommen.
Die neue Studie liefert weitere Hinweise darauf, dass Fibromyalgie auf klaren biologischen Mechanismen beruht und nicht ausschließlich als Folge emotionaler Belastungen betrachtet werden kann.
Forscher identifizieren 26 genetische Risikoregionen
Ein zentrales Ziel der Wissenschaftler bestand darin, genetische Unterschiede zwischen Menschen mit Fibromyalgie und Personen ohne diese Diagnose zu untersuchen. Dafür verglichen sie große Mengen genetischer Daten und suchten nach Varianten, die bei Betroffenen häufiger vorkamen.
Das Team identifizierte insgesamt 26 genetische Loci, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden waren. Als Locus wird ein bestimmter Abschnitt auf einem Chromosom bezeichnet, in dem sich ein Gen oder eine Gruppe genetischer Varianten befindet.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Veranlagung für Fibromyalgie teilweise erblich bedingt sein könnte. Das Vorhandensein entsprechender Varianten bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Person tatsächlich erkrankt.
Was genetische Varianten bedeuten
Alle Menschen verfügen weitgehend über dieselben Gene. Einzelne Abschnitte der DNA können sich jedoch geringfügig unterscheiden. Diese natürlichen Abweichungen werden als genetische Varianten bezeichnet.
Die meisten von ihnen haben keine Auswirkungen auf die Gesundheit. Einige Varianten können jedoch die Wahrscheinlichkeit bestimmter Erkrankungen erhöhen oder verringern sowie die Funktion des Nervensystems, den Stoffwechsel oder die Reaktion des Körpers auf äußere Einflüsse verändern.
Einer der leitenden Studienautoren, Michael Weinberg, erklärte, dass die Ergebnisse das grundlegende Verständnis von Fibromyalgie verändern könnten. Die Untersuchung bestätige eine klare biologische Grundlage des Syndroms, während viele Patienten jahrzehntelang mit der Behauptung konfrontiert worden seien, ihre Schmerzen seien ausschließlich psychisch bedingt.
Genvarianten stehen mit Gehirn und Nerven in Verbindung
Nach der Identifizierung der Risikoregionen untersuchten die Forscher, welche biologischen Prozesse mit diesen Genen verbunden sein könnten. Dabei zeigte sich, dass ein erheblicher Teil der gefundenen Varianten an der Funktion des Gehirns, der Nervenzellen und der Verarbeitung von Schmerzsignalen beteiligt ist.
Dies stützt die Annahme, dass Fibromyalgie keine örtlich begrenzte Erkrankung der Muskeln oder Gelenke ist, sondern vielmehr eine Störung der Schmerzregulation im zentralen Nervensystem.
Bei einem solchen Mechanismus könnten Gehirn und Nervensystem verstärkt auf Signale reagieren, die unter normalen Umständen keine starken Schmerzen auslösen würden. Das könnte erklären, warum die Beschwerden im gesamten Körper auftreten und sich kein einzelner Krankheitsherd nachweisen lässt.
Genetische Verbindung zur Huntington-Krankheit entdeckt
Besondere Aufmerksamkeit galt einer häufigen Variante des HTT-Gens. Dieses Gen ist auch wegen seiner Verbindung zur Huntington-Krankheit bekannt, einer schweren erblichen Erkrankung des Nervensystems.
Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass es sich bei der im Zusammenhang mit Fibromyalgie gefundenen Variante nicht um jene Mutation handelt, die Huntington verursacht. Festgestellt wurde lediglich eine genetische Ähnlichkeit und eine mögliche Beteiligung bestimmter biologischer Mechanismen an der Funktion des Nervensystems.
Das Ergebnis bedeutet daher nicht, dass Menschen mit Fibromyalgie ein erhöhtes Risiko für die Huntington-Krankheit haben. Es liefert vielmehr einen Ansatzpunkt für weitere Untersuchungen zur Weiterleitung von Nervensignalen und zur Verarbeitung von Schmerzen.
Fibromyalgie teilt Mechanismen mit anderen Erkrankungen
Die Forscher fanden außerdem genetische Überschneidungen zwischen Fibromyalgie und mehreren anderen Erkrankungen. Dazu gehörten Schmerzen im unteren Rücken, das Reizdarmsyndrom und die posttraumatische Belastungsstörung.
Nach Einschätzung der Wissenschaftler könnten diesen Beschwerden teilweise gemeinsame biologische Mechanismen zugrunde liegen, die mit der Funktion des Nervensystems sowie der Verarbeitung von Schmerz- und Stresssignalen zusammenhängen.
Das könnte erklären, weshalb mehrere dieser Erkrankungen bei denselben Patienten auftreten. Menschen mit Fibromyalgie leiden beispielsweise häufig zusätzlich unter Darmbeschwerden, chronischen Rückenschmerzen, Angstsymptomen oder Schlafstörungen.
Genetische Risiken bei Frauen und Männern ähnlich
Fibromyalgie wird bei Frauen etwa dreimal häufiger diagnostiziert als bei Männern. Die Forscher fanden jedoch keine wesentlichen Unterschiede bei den genetischen Risikofaktoren beider Geschlechter.
Die Varianten, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Fibromyalgie verbunden waren, zeigten sich bei Frauen und Männern in sehr ähnlicher Form. Die unterschiedliche Zahl der Diagnosen lässt sich daher offenbar nicht allein durch genetische Faktoren erklären.
Möglicherweise spielen hormonelle Besonderheiten, Unterschiede in der Reaktion des Nervensystems, soziale Faktoren, das Verhalten bei der Suche nach medizinischer Hilfe oder unterschiedliche Diagnosemuster eine Rolle.
Forscher verweisen auf Grenzen der Studie
Die Autoren weisen darauf hin, dass die Analyse statistische Zusammenhänge zeigt, aber keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung beweist. Es lässt sich bislang nicht zweifelsfrei sagen, ob die identifizierten Genvarianten tatsächlich an der Entstehung von Fibromyalgie beteiligt sind.
Unklar ist außerdem, wie stark jede einzelne Variante das Erkrankungsrisiko beeinflusst und wie genetische Veranlagung mit Stress, früheren Infektionen, Verletzungen, Schlafproblemen oder weiteren Faktoren zusammenwirkt.
Eine weitere Einschränkung betrifft die Zusammensetzung der untersuchten Gruppe. Die Mehrheit der Teilnehmer war europäischer Herkunft. Deshalb müssen die Ergebnisse noch in anderen ethnischen und demografischen Gruppen überprüft werden.
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