Die Gouverneurin des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco und Kandidatin für eine weitere Amtszeit, Raquel Lyra, steht nach der Veröffentlichung einer älteren Videoaufnahme in der Kritik. Die Aufnahmen stammen aus dem Mai 2025. Darauf ist zu hören, wie die Politikerin über den Fall einer Frau mit mehreren Kindern spricht und eine Tubenligatur erwähnt, die offenbar ohne Wissen der Betroffenen erfolgen sollte. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf g1.globo.
Das Video verbreitete sich am 20. September 2026. Anschließend räumte Lyra öffentlich ein, dass ihre Äußerung falsch gewesen sei, und entschuldigte sich. Die betreffende Szene entstand bei einer Veranstaltung im Regionalkrankenhaus Dom Moura in Garanhuns im Bundesstaat Pernambuco.
Was Raquel Lyra in dem veröffentlichten Video sagte
Die Aufnahme entstand während eines Besuchs im Krankenhaus im Mai 2025. Lyra spricht darin mit mehreren anwesenden Personen. Im Verlauf des Gesprächs berichtet eine Frau von einer Patientin mit mehreren Kindern, die erneut schwanger geworden sei.
Daraufhin spricht die Gouverneurin davon, die Frau auf eine Warteliste für eine Tubenligatur setzen zu lassen. Nachdem ihre Gesprächspartnerin etwas erwidert – dieser Teil der Aufnahme ist kaum verständlich –, sagt Lyra sinngemäß, man solle es so machen, dass die Betroffene nichts davon erfahre.
Die in dem Gespräch erwähnte Patientin selbst ist auf dem Video nicht zu sehen. Es gibt bislang keine öffentlich bestätigten Informationen darüber, dass bei ihr tatsächlich ohne ihre Einwilligung ein entsprechender Eingriff vorgenommen wurde. Gegenstand der Berichterstattung sind vor allem die aufgezeichnete Äußerung und die anschließende Reaktion der Gouverneurin.
Gouverneurin von Pernambuco entschuldigt sich öffentlich
Nach der Verbreitung des Videos veröffentlichte Raquel Lyra eine Stellungnahme und ein Video, in dem sie sich für ihre Worte entschuldigte. Sie bezeichnete die Äußerung als falsch und erklärte, sie entspreche nicht ihrem Respekt gegenüber Frauen.
Lyra betonte, Entscheidungen zur Familienplanung seien persönlich und müssten von den betroffenen Frauen selbst getroffen werden. Nach ihren Angaben habe sie sich während ihrer politischen Laufbahn dafür eingesetzt, dass Frauen über das öffentliche Gesundheitssystem Zugang zu Informationen und Angeboten zur Familienplanung erhalten.
Auch ihr Wahlkampfteam reagierte auf die Veröffentlichung. In einer Stellungnahme wurde die Äußerung in Garanhuns als unglücklich bezeichnet. Gleichzeitig erklärte das Team, Lyra unterstütze einen Zugang zur Familienplanung, bei dem Information und freie Entscheidung der Frauen im Mittelpunkt stehen.
Warum eine Tubenligatur die Einwilligung der Frau erfordert
Eine Tubenligatur ist eine chirurgische Methode zur dauerhaften Empfängnisverhütung bei Frauen. Dabei werden die Eileiter durchtrennt, verschlossen oder auf andere Weise blockiert. Dadurch soll verhindert werden, dass Eizelle und Spermien zusammentreffen.
In Brasilien ist die Durchführung einer solchen Sterilisation gesetzlich geregelt. Der Eingriff muss freiwillig erfolgen. Vor einer Operation muss die betroffene Person ihre Entscheidung ausdrücklich erklären und über Risiken, mögliche Folgen sowie alternative Verhütungsmethoden informiert werden.
Die brasilianischen Vorschriften sehen eine freiwillige Sterilisation unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen vor. Das Einverständnis eines Ehepartners ist für den Eingriff nicht erforderlich.
Zwischen der Erklärung des Sterilisationswunsches und der Durchführung des Eingriffs ist zudem eine gesetzlich festgelegte Frist vorgesehen. Diese soll gewährleisten, dass die betroffene Person ausreichend Zeit erhält, Informationen einzuholen und ihre Entscheidung zu überdenken.
Was über die im Gespräch erwähnte Patientin bekannt ist
Aus dem veröffentlichten Video lassen sich die vollständigen Umstände des Falls nicht rekonstruieren. Die betreffende Frau ist nicht auf den Aufnahmen zu sehen. Außerdem ist ein Teil des Gesprächs zwischen Lyra und ihrer Gesprächspartnerin akustisch nicht eindeutig verständlich.
Aus dem Video geht ebenfalls nicht hervor, ob die Patientin tatsächlich auf eine Warteliste für eine Sterilisation gesetzt wurde oder ob später überhaupt eine Tubenligatur durchgeführt wurde.
Daher ist zwischen der dokumentierten Äußerung der Gouverneurin und einem tatsächlich vorgenommenen medizinischen Eingriff zu unterscheiden. Öffentlich bestätigt ist die Aussage Lyras. Eine ohne Einwilligung durchgeführte Operation bei der erwähnten Frau ist dagegen bislang nicht belegt.
Video wird während des Wahlkampfs veröffentlicht
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Aufnahmen befindet sich Raquel Lyra im Wahlkampf um das Gouverneursamt von Pernambuco. Sie kandidiert für eine weitere Amtszeit und gehört der Partido Social Democrático (PSD) an.
Lyra ist seit 2023 Gouverneurin des Bundesstaates. Bei der Wahl 2022 wurde sie als erste Frau zur Gouverneurin von Pernambuco gewählt.
Mit der Veröffentlichung des Videos wurde der Vorfall auch zu einem Thema des laufenden Wahlkampfs. Lyras Wahlkampfteam erklärte nach der Kontroverse, die politische Auseinandersetzung solle sich auf die Vorschläge der Kandidaten und die für die Bevölkerung von Pernambuco wichtigen Themen konzentrieren.
Welche Regeln für freiwillige Sterilisationen in Brasilien gelten
Das brasilianische Recht behandelt eine Sterilisation als persönliche Entscheidung, die nach einer entsprechenden medizinischen Aufklärung freiwillig getroffen werden muss.
Vor dem Eingriff müssen medizinische Fachkräfte über die Art der Operation, mögliche Risiken und Folgen sowie verfügbare alternative Verhütungsmethoden informieren. Die Entscheidung der Patientin beziehungsweise des Patienten wird dokumentiert.
Ärzte und andere medizinische Fachkräfte können über Familienplanung beraten, unterschiedliche Verhütungsmethoden erklären und medizinische Empfehlungen geben. Die endgültige Entscheidung über eine Sterilisation liegt jedoch bei der betroffenen Person.
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