Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt in Deutschland vor gesundheitlichen Risiken durch hoch dosierte jodhaltige Präparate, die vor allem über das Internet verkauft werden. Im Mittelpunkt stehen die sogenannte Lugolsche Lösung, bestimmte Produkte auf Algenbasis sowie Nahrungsergänzungsmittel, die als Unterstützung für die Schilddrüse beworben werden. Nach Angaben der Fachleute kann eine übermäßige Jodzufuhr die Funktion der Schilddrüse erheblich beeinträchtigen. Besonders gefährdet sind Menschen, die bereits an einer Schilddrüsenerkrankung leiden. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf ms-aktuell.
BfR warnt vor der Einnahme der Lugolschen Lösung
Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass die Lugolsche Lösung nicht zur täglichen Versorgung mit Jod geeignet ist. Dennoch wird sie im Internet teilweise genau für diesen Zweck angeboten. Die Lösung besteht aus Jod, Kaliumjodid und Wasser und enthält häufig deutlich höhere Jodmengen, als für eine regelmäßige Einnahme empfohlen werden.
Nach Einschätzung des BfR kann bereits ein einziger Tropfen einer handelsüblichen Lugolschen Lösung etwa zehnmal mehr Jod enthalten als die empfohlene maximale Tagesmenge für Erwachsene. Eine derart hohe Zufuhr kann den Hormonhaushalt stören, eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen und weitere Funktionsstörungen verursachen.
Ein besonders hohes Risiko besteht für Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis, Überfunktion, Unterfunktion oder anderen Erkrankungen der Schilddrüse. Fachleute raten deshalb davon ab, solche Präparate ohne medizinische Empfehlung einzunehmen.
Auch Nahrungsergänzungsmittel mit Meeresalgen bergen Risiken
Die Warnung betrifft ebenfalls Produkte mit Meeresalgen, Kelp und anderen natürlichen Jodquellen. Der tatsächliche Jodgehalt kann je nach Algenart, Herkunft und Verarbeitung stark schwanken.
Problematisch ist zudem, dass die genaue Jodmenge auf der Verpackung nicht immer klar angegeben wird. Fehlen konkrete Angaben zur Tagesdosis oder wird mit besonders hohen Konzentrationen geworben, sollten Verbraucher vom Kauf absehen.
Viele dieser Produkte werden als Mittel zur Unterstützung der Schilddrüse, zur Steigerung des Energielevels oder zur Anregung des Stoffwechsels angeboten. Solche Werbeaussagen sagen jedoch nichts über die Sicherheit einer unkontrollierten Einnahme aus.
Welche Jodmengen Fachleute empfehlen
Nach den Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung sollten Nahrungsergänzungsmittel für Personen ab 15 Jahren höchstens 100 Mikrogramm Jod pro Tagesdosis enthalten. Für Schwangere und Stillende wird eine Menge von bis zu 150 Mikrogramm genannt.
Diese Werte beziehen sich auf die Zusammensetzung der Produkte. Sie bedeuten nicht, dass grundsätzlich jeder Mensch zusätzlich Jod einnehmen sollte. Personen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten jodhaltige Präparate nur nach Rücksprache mit einem Arzt verwenden.
Vorsicht bei Selen und L-Thyroxin
Viele Präparate für die Schilddrüse enthalten neben Jod auch Selen. Das Spurenelement ist zwar an der Bildung und Verarbeitung von Schilddrüsenhormonen beteiligt, ein ausgeprägter Selenmangel kommt bei gesunden Menschen in Deutschland jedoch nur selten vor.
Eine übermäßige Selenzufuhr kann unter anderem Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit, Gelenkschmerzen und neurologische Beschwerden verursachen.
Besondere Vorsicht ist auch bei Patienten geboten, die Levothyroxin beziehungsweise L-Thyroxin einnehmen. Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium, Eisen, Magnesium oder Zink können die Aufnahme des Medikaments beeinträchtigen, wenn sie gleichzeitig eingenommen werden. Hoch dosiertes Biotin kann zudem die Ergebnisse von Blutuntersuchungen der Schilddrüsenwerte verfälschen und dadurch die Beurteilung der Behandlung erschweren.
Kein allgemeiner Rückruf aller Produkte
Die Behörden stellen klar, dass es derzeit keinen bundesweiten Rückruf sämtlicher Nahrungsergänzungsmittel für die Schilddrüse gibt. Die Warnung betrifft vor allem die Lugolsche Lösung und Produkte mit übermäßig hohen Jodmengen.
Beim Kauf solcher Mittel im Internet sollten Verbraucher die Dosierung, die vollständige Zutatenliste und die Angaben des Herstellers sorgfältig prüfen. Begriffe wie „Detox“, „Schilddrüsen-Support“ oder „Stoffwechsel-Booster“ sind kein Beleg für einen gesundheitlichen Nutzen. Menschen mit einer Schilddrüsenerkrankung oder Patienten, die L-Thyroxin einnehmen, sollten neue Präparate zuvor mit einem Arzt oder Apotheker abklären.
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