Die Aktie des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk ist nach der Veröffentlichung neuer Studiendaten zum Wirkstoff Ziltivekimab deutlich gefallen. Das experimentelle Medikament verfehlte in der Phase-III-Studie Zeus den wichtigsten Studienendpunkt und konnte das Risiko schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse nicht senken. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf handelsblatt.
Die Papiere des Unternehmens verloren am Freitag 7,7 Prozent und fielen auf 305,40 dänische Kronen. Die heftige Reaktion der Anleger hängt auch damit zusammen, dass Ziltivekimab als möglicher künftiger Milliardenbringer galt.
Nach Angaben des Konzerns zeigte der Wirkstoff zwar den erwarteten biologischen Effekt auf Entzündungsmarker. Dieser führte jedoch nicht zu einer statistisch signifikanten Verbesserung bei schweren kardiovaskulären Ereignissen, die in klinischen Studien unter dem Begriff MACE zusammengefasst werden.
Martin Holst, Leiter der Arzneimittelentwicklung bei Novo Nordisk, erklärte, die Ergebnisse reichten nicht aus, um die klinische Wirksamkeit des Präparats beim primären Studienziel zu bestätigen.
Mehr als 6300 Patienten nahmen an der Studie teil
An der Zeus-Studie beteiligten sich mehr als 6300 Patienten. Die Studienteilnehmer litten an atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischer Nierenerkrankung und wiesen zugleich erhöhte Entzündungswerte auf.
Die Entwickler wollten nachweisen, dass eine gezielte Eindämmung von Entzündungsprozessen mit Ziltivekimab die Wahrscheinlichkeit von Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen schweren kardiovaskulären Komplikationen verringert. Diesen Nachweis konnte die Studie nicht erbringen.
Trotz des Rückschlags will Novo Nordisk die klinische Entwicklung des Wirkstoffs nicht vollständig beenden. Zwei weitere große Studien mit anderen Patientengruppen sollen fortgesetzt werden.
In der Hermes-Studie wird Ziltivekimab bei Menschen mit Herzinsuffizienz untersucht. Die Artemis-Studie konzentriert sich auf Patienten nach einem akuten Herzinfarkt.
Die Ergebnisse beider Untersuchungen werden in der ersten Hälfte des Jahres 2027 erwartet.
Konzern muss Wertminderung verbuchen
Novo Nordisk bestätigte nach der Veröffentlichung der Studiendaten seine Prognose für das bereinigte operative Ergebnis im Jahr 2026. Die wichtigsten finanziellen Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr bleiben damit zunächst unverändert.
Im dritten Quartal muss das Unternehmen allerdings einen nicht zahlungswirksamen Wertminderungsaufwand verbuchen. Hintergrund sind die deutlich verschlechterten wirtschaftlichen Aussichten für Ziltivekimab nach dem negativen Ausgang der Studie.
Zur Höhe der Abschreibung machte der Konzern zunächst keine Angaben. Da es sich um eine bilanzielle Wertminderung handelt, entsteht kein unmittelbarer Mittelabfluss. Dennoch belastet sie den ausgewiesenen Wert der Vermögenspositionen und das Ergebnis des betreffenden Quartals.
Der Fehlschlag verringert zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass Ziltivekimab zu einem wichtigen neuen Produkt im Bereich der Herz-Kreislauf-Medizin wird.
Mögliche Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe
JPMorgan-Analyst Richard Vosser erklärte, Novo Nordisk könnten durch das Scheitern des Programms potenzielle Erlöse in Milliardenhöhe entgehen.
Anleger hatten darauf gesetzt, dass Ziltivekimab dem Unternehmen helfen würde, sein Geschäft über Diabetes- und Adipositasmedikamente hinaus auszubauen. Das negative Studienergebnis verstärkte die Zweifel daran, ob der Pharmakonzern sein Produktportfolio kurzfristig stärker diversifizieren kann.
Nach Bekanntgabe der Daten fiel die Novo-Nordisk-Aktie um 7,7 Prozent auf 305,40 dänische Kronen. Damit geriet die Erholung, die nach dem Kurstief im April eingesetzt hatte, erneut unter Druck.
Im Frühjahr waren die Papiere auf knapp über 224 Kronen und damit auf den niedrigsten Stand seit mehreren Jahren gefallen. Mitte 2024 hatte der Kurs dank des starken Geschäfts mit Abnehmpräparaten noch bei mehr als 1000 Kronen gelegen.
Der Erfolg der Abnehmspritze Wegovy hatte Novo Nordisk zwischenzeitlich zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen Europas gemacht. Später sorgten der zunehmende Wettbewerb, wachsender Preisdruck und Zweifel am weiteren Absatzwachstum für einen anhaltenden Kursrückgang.
Abnehmmedikamente bleiben wichtigster Wachstumstreiber
Das bekannteste Produkt von Novo Nordisk ist weiterhin Wegovy zur Gewichtsreduktion. Zusammen mit weiteren Medikamenten auf Basis von Semaglutid sorgte das Präparat über Jahre für stark steigende Umsätze und Gewinne.
Der Markt für Adipositasmedikamente wird jedoch zunehmend umkämpft. Mehrere Hersteller entwickeln neue Wirkstoffe, während Versicherer und staatliche Gesundheitssysteme auf niedrigere Behandlungskosten drängen.
In den vergangenen Monaten hatte sich die Lage für Novo Nordisk etwas stabilisiert. Die Anfang Mai veröffentlichten Zahlen für das erste Quartal 2026 zeigten eine hohe Nachfrage nach einer neuen Abnehmtablette auf dem US-Markt.
Konzernchef Maziar Mike Doustdar erklärte nach Vorlage der Ergebnisse, dass der Rückgang bei Umsatz und operativem Gewinn im Gesamtjahr möglicherweise weniger stark ausfallen könnte als zuvor erwartet.
Der Rückschlag bei Ziltivekimab erhöhte dennoch erneut den Druck auf die Aktie und verdeutlichte die weiterhin starke Abhängigkeit des Unternehmens vom Geschäft mit Diabetes- und Adipositasmedikamenten.
Novo Nordisk legt Quartalszahlen am 5. August vor
Am 5. August will Novo Nordisk seine Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 veröffentlichen. Dann dürften Anleger weitere Hinweise zur finanziellen Entwicklung des Konzerns erhalten.
Im Mittelpunkt stehen voraussichtlich die Verkaufszahlen von Wegovy und anderen Abnehmpräparaten, die Entwicklung auf dem US-Markt, der zunehmende Konkurrenzdruck und mögliche Anpassungen der Unternehmensprognose.
Beobachtet werden zudem die Ausgaben für klinische Entwicklungsprogramme, die Auswirkungen der Wertminderung bei Ziltivekimab und die Perspektiven weiterer Wirkstoffe in späten Studienphasen.
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