Nur wenige Stunden vor seiner Vereidigung als 47. Präsident der Vereinigten Staaten hat Donald Trump mit einer äußerst ungewöhnlichen Aktion für internationales Aufsehen gesorgt. Er veröffentlichte eine offenbar private Kommunikation des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Dieser Schritt markiert einen bemerkenswerten Bruch mit etablierten diplomatischen Gepflogenheiten und lässt erahnen, welcher Stil künftig im Weißen Haus herrschen wird. Themen der internationalen Politik und deren Auswirkungen auf globale Märkte, die auch auf unserem Portal regelmäßig beleuchtet werden, dürften unter der neuen Administration vor komplexen Herausforderungen stehen.
Die Veröffentlichung der privaten Korrespondenz zwischen zwei Staatschefs gilt in der traditionellen Diplomatie als absolutes Tabu. Sie untergräbt das notwendige Vertrauen für vertrauliche Gespräche in Krisenzeiten. Dass der designierte US-Präsident diesen Schritt bewusst wählt, noch bevor er offiziell im Amt ist, wird in diplomatischen Kreisen weltweit mit Sorge registriert.
Der Inhalt der brisanten Nachricht
Die Nachricht, die Trump auf seiner eigenen Plattform Truth Social teilte, bezieht sich auf ein Thema, das bereits während seiner ersten Amtszeit für Irritationen gesorgt hatte: der potenzielle Kauf von Grönland durch die USA. Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf den Post berichtet, teilte Trump einen Screenshot der offenbar direkt von Macron stammenden Nachricht.
Der französische Präsident schrieb demnach in seiner Muttersprache: „Mon ami, je ne comprends pas ce que tu fais au Groenland.“ Übersetzt bedeutet dies: „Mein Freund, ich verstehe nicht, was du in Grönland tust.“ Die Anrede „Mein Freund“ deutet auf einen Versuch Macrons hin, trotz inhaltlicher Differenzen eine persönliche Ebene zu wahren – ein Versuch, der durch die öffentliche Zurschaustellung nun konterkariert wurde. Es ist unklar, wann genau diese Nachricht gesendet wurde, aber ihre Veröffentlichung zu diesem Zeitpunkt ist ein klares politisches Signal.
Rückblick: Die Obsession mit dem Grönland-Kauf
Die Nachricht Macrons ist vor dem Hintergrund von Trumps anhaltendem Interesse an der zu Dänemark gehörenden autonomen Insel zu sehen. Bereits 2019 hatte Trump die Idee geäußert, Grönland kaufen zu wollen, was die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen damals als „absurd“ zurückwies. Die diplomatische Verstimmung führte seinerzeit dazu, dass Trump einen geplanten Staatsbesuch in Dänemark absagte.
Kürzlich hatte Trump dieses Vorhaben erneut ins Gespräch gebracht und betont, die Idee sei nach wie vor aktuell. Grönland ist aufgrund seiner geografischen Lage in der Arktis und seiner vermuteten Rohstoffvorkommen von immenser strategischer Bedeutung, sowohl militärisch als auch wirtschaftlich. Macrons Nachricht verdeutlicht, dass auch enge Verbündete der USA diesem Vorhaben mit Unverständnis und Sorge gegenüberstehen.
Ein neuer Stil der „Diplomatie“?
Die Veröffentlichung der Macron-SMS ist mehr als nur eine Indiskretion; sie ist eine Demonstration von Macht und eine Abkehr von multilateralen Abstimmungsprozessen. Sie signalisiert, dass persönliche Beziehungen und vertrauliche Kanäle unter der neuen Trump-Administration möglicherweise keinen Bestandsschutz genießen, wenn es der eigenen politischen Agenda dient.
Für internationale Partner, einschließlich der Europäischen Union, wirft dieses Vorgehen die Frage auf, wie eine verlässliche Kommunikation mit Washington in Zukunft aussehen kann. Wenn private Bedenken eines G7-Partners öffentlich zur Schau gestellt werden, könnte dies die Bereitschaft anderer Staatschefs dämpfen, offen mit dem US-Präsidenten zu kommunizieren. Mit dieser Veröffentlichung sendet Trump ein klares Signal an seine internationalen Partner – und Gegner – über den Ton, der fortan aus Washington zu erwarten ist, noch bevor die offizielle Amtszeit begonnen hat.

