Wenn am 27. Februar 2026 die Scheinwerfer im Kölner TV-Studio angehen und die berühmte Fanfare von „Let’s Dance“ erklingt, steht eine Kandidatin besonders im Fokus. Vanessa „Nessi“ Borck, bekannt geworden als eine Hälfte des Influencer-Duos „Couple on Tour“ und spätere „Princess Charming“, wagt sich auf das glatte Parkett. Doch hinter dem strahlenden Lächeln der 29-Jährigen liegt ein Jahr der extremen Umbrüche – und eine medizinische Erkenntnis, die ihr Leben rückwirkend in ein völlig neues Licht gerückt hat.
Das Leben im Rampenlicht fordert seinen Tribut, und oft ist der Druck, der auf jungen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens lastet, für Außenstehende kaum greifbar. In Zeiten persönlicher Neuorientierung suchen viele Menschen nach festem Boden unter den Füßen – sei es durch therapeutische Hilfe oder, auf einer pragmatischeren Ebene, durch die Klärung fundamentaler Strukturen, wie sie ein fundierter Ratgeber für Rechts- und Lebensfragen bieten kann. Für Vanessa Borck kam diese Klärung im Herbst 2025 jedoch nicht durch einen Vertrag, sondern durch eine ärztliche Diagnose: ADHS.
Diese drei Buchstaben – Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – sind oft stigmatisiert oder als bloßes „Zappelphilipp-Syndrom“ missverstanden. Doch für Borck war die Diagnose im Erwachsenenalter kein Stempel, sondern ein Schlüssel. Ein Schlüssel zu ihrem eigenen Verhalten, ihrer überbordenden Kreativität und den inneren Kämpfen, die sie jahrelang begleitert hatten.
Der „Aha-Moment“: ADHS als Superkraft und Herausforderung
Wie Gala berichtet, bezeichnet Borck die Diagnose aus dem Herbst 2025 als einen absoluten „Wendepunkt“. Viele Erwachsene, insbesondere Frauen, leben jahrelang mit einer unerkannten Neurodivergenz. Sie entwickeln Kompensationsstrategien, maskieren ihre Symptome und fühlen sich oft innerlich getrieben, ohne den Motor abstellen zu können.
Für die Influencerin war die Bestätigung durch Fachärzte eine Befreiung. „Ich verstehe mich jetzt besser“, ließ sie im Vorfeld der Show verlauten. Die Diagnose erlaubte ihr, ihre vermeintlichen Schwächen neu zu rahmen. Die Sprunghaftigkeit wurde zur Vielseitigkeit, die Impulsivität zur emotionalen Tiefe. Borck spricht heute offen über Neurodiversität und sieht in ihrem ADHS vor allem ihre Kreativität und emotionale Verbundenheit als besondere Stärke – Eigenschaften, die auf dem Tanzparkett von unschätzbarem Wert sein können.
Das Tanzparkett als Therapie
Interessanterweise beschreibt Borck das Tanzen als eine Form der meditativen Zustandsänderung. Für Menschen mit ADHS ist das Gehirn oft wie ein Internetbrowser mit 50 offenen Tabs, aus denen gleichzeitig Musik plärrt. Das Erlernen komplexer Choreografien zwingt den Geist jedoch zur absoluten Fokussierung auf den Moment.
„Beim Tanzen wird mein Kopf still. Diese vielen offenen Tabs sind plötzlich weg“, beschreibt Borck diesen Zustand. Es ist der sogenannte Hyperfokus – ein Zustand völliger Vertiefung, den viele ADHS-Betroffene als wohltuend empfinden. Während andere Kandidaten den harten Trainingsplan von „Let’s Dance“ als Belastung empfinden mögen, könnte die rigide Struktur und die körperliche Auslastung für Borck genau das Ventil sein, das ihr Gehirn benötigt, um zur Ruhe zu kommen. Es ist eine physische Therapie, die Dopamin ausschüttet und den mentalen Lärm dimmt.
Eine bewusste Entscheidung: Warum Nessi mit einer Frau tanzt
Neben ihrer Diagnose sorgt vor allem eine Entscheidung für Gesprächsstoff im Vorfeld der 19. Staffel: Vanessa Borck wird mit einer Frau tanzen. Dies ist in der Geschichte von „Let’s Dance“ zwar kein Novum mehr – Kerstin Ott machte 2019 den Anfang, gefolgt von Nicolas Puschmann 2021 –, doch Borcks Begründung ist von einer entwaffnenden Ehrlichkeit geprägt.
Nach ihrer Zeit als „Princess Charming“ im Jahr 2025, in der sie vor laufenden Kameras nach der großen Liebe suchte (und die Staffel vorzeitig ohne Gewinnerin beendete), ist ihre sexuelle Identität kein Geheimnis mehr. Doch die Entscheidung für eine Tanzpartnerin ist weniger ein politisches Statement als eine Frage des persönlichen Wohlbefindens.
„Ich fühle mich Frauen einfach näher“
Borck argumentiert, dass Tanzen extrem viel mit Gefühl, Vertrauen und auch einer spielerischen Form des Flirtens zu tun hat. Diese Ebene der Intimität könne sie, so ihre Aussage, mit einem Mann schlichtweg nicht authentisch abbilden. „Das könnte ich mit einem Mann so gar nicht ausleben“, gestand sie.
Hier zeigt sich eine Professionalität, die oft unterschätzt wird: Um als „Dancing Star“ erfolgreich zu sein, muss die Chemie stimmen. Ein Tanzpaar muss als Einheit fungieren. Wenn Borck von vornherein spürt, dass sie sich bei Hebefiguren oder sinnlichen Rumbas in den Armen einer Frau sicherer und „echter“ fühlt, ist die Wahl einer gleichgeschlechtlichen Partnerin die einzig logische Konsequenz für den künstlerischen Erfolg. Sie möchte nicht ihre Sexualität in den Vordergrund stellen, sondern die besten Voraussetzungen für eine gute Performance schaffen. Da sie selbst 1,79 Meter groß ist, hofft sie zudem auf eine ebenfalls große Partnerin, um die Harmonie der Linien auf dem Parkett zu wahren.
Der lange Schatten der Vergangenheit: Von „Couple on Tour“ zur Solistin
Um die Bedeutung dieser Teilnahme im Jahr 2026 zu verstehen, muss man einen Blick auf die Biografie der Berlinerin werfen. Vanessa Borck ist keine typische Reality-TV-Teilnehmerin, die nur durch Krawall auffällt. Ihre Geschichte ist geprägt von tiefen Schicksalsschlägen.
Bekannt wurde sie gemeinsam mit ihrer damaligen Ehefrau Ina durch den Account „Couple on Tour“. Sie waren das Vorzeigepaar der LGBTQ+-Community, bis im Juli 2022 das Schicksal zuschlug: Ina erlitt kurz vor der Geburt der gemeinsamen Tochter (die Vanessa austrug) einen schweren Schlaganfall. Was folgte, war ein öffentlicher Kampf zurück ins Leben, dokumentiert auf Social Media. Die Belastungsprobe war immens, und 2024 gab das Paar schließlich die Trennung bekannt.
Die Emanzipation der Vanessa Borck
Die Teilnahme an „Princess Charming“ 2025 war ihr erster großer Schritt als eigenständige TV-Persönlichkeit, losgelöst vom „Paar-Brand“. Dass sie die Show abbrach, weil der Funke nicht übersprang, zeugt von einer Integrität, die im Reality-TV selten ist. Sie entschied sich gegen das gefakte Happy End und für die eigene Wahrheit.
Nun, im Jahr 2026, scheint „Let’s Dance“ der nächste Schritt in dieser Emanzipation zu sein. Es ist eine Show, in der man sich nicht hinter Filtern oder Schnitt verstecken kann. Leistung, Schweiß und Emotionen sind unmittelbar. Mit der ADHS-Diagnose im Rücken tritt Borck nicht mehr als die „Frau von…“ oder die „Ex-Princess“ an, sondern als Frau, die ihre eigene Neurobiologie akzeptiert und nutzt.
ADHS bei Frauen: Ein wichtiges Signal
Borcks Offenheit hat auch eine gesellschaftliche Relevanz. ADHS wird bei Frauen oft erst spät diagnostiziert, da sich die Symptome häufig anders äußern als bei Männern. Statt physischer Hyperaktivität dominieren oft innerer Unruhe, Tagträumerei und emotionale Dysregulation. Viele Frauen erhalten zunächst Fehldiagnosen wie Depressionen oder Angststörungen, bevor die wahre Ursache erkannt wird.
Indem eine prominente Teilnehmerin einer Primetime-Show (mit Millionenpublikum am Freitagabend) diesen Prozess thematisiert, leistet sie wichtige Aufklärungsarbeit. Sie zeigt, dass eine Diagnose keine Sackgasse ist, sondern ein Werkzeugkasten für das Leben. Wenn sie am Freitagabend über das Parkett wirbelt, sehen Zuschauer nicht nur einen Walzer oder Jive, sondern das Ergebnis eines Kampfes um Selbstakzeptanz.
Der Blick auf die Konkurrenz 2026
Vanessa Borck tritt nicht im Vakuum an. Die Konkurrenz in der 19. Staffel ist hart. Neben ihr kämpfen 13 weitere Prominente um den Titel „Dancing Star 2026“. Die Dynamik der Show hängt oft davon ab, wer die größte Entwicklung durchmacht. Hier könnte Borck einen Vorteil haben: Ihre Geschichte der Resilienz – vom Schlaganfall-Drama der Ex-Partnerin über das Alleinerziehend-Dasein bis hin zur ADHS-Diagnose – hat sie gelehrt, wieder aufzustehen.
Tanzsport ist Hochleistungssport. Kritiker könnten einwenden, dass ihre Konzentrationsprobleme beim Merken langer Schrittfolgen ein Hindernis sein könnten. Doch ADHS-Gehirne blühen oft gerade unter Druck und bei hohem Stimulus auf. Das Live-Publikum, die Musik, das Adrenalin – das ist genau der Cocktail, der den Hyperfokus auslösen kann.
Ein Tanz in ein neues Leben
Für Vanessa Borck ist „Let’s Dance“ mehr als nur ein weiterer Job im Portfolio einer Influencerin. Es ist der physische Beweis, dass sie die Kontrolle über ihren Körper und ihren Geist zurückgewonnen hat. Die Entscheidung, mit einer Frau zu tanzen, und der offene Umgang mit ihrer mentalen Gesundheit machen sie zu einer der spannendsten Personalien der Staffel.
Ob sie die strenge Jury um Joachim Llambi überzeugen kann, bleibt abzuwarten. Doch eines hat sie schon vor dem ersten Tanzschritt gewonnen: Die Erkenntnis, dass ihre vermeintlichen Schwächen auf der richtigen Bühne zu ihren größten Stärken werden können. Wenn die Musik beginnt und die „offenen Tabs“ im Kopf sich schließen, zählt nur noch der Moment. Und genau dafür ist sie bereit.

