Die Staatsanwaltschaft München II untersucht die Umstände von rund zehn Todesfällen in einer geriatrischen Rehaklinik in Lenggries. Die Einrichtung steht in Verbindung mit einer Klinik in Bruckmühl, in der Patienten, Angehörige und ehemalige Beschäftigte ebenfalls von erheblichen Mängeln bei der medizinischen und pflegerischen Versorgung berichten. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf web.de.
Die Vorwürfe gegen die beiden Einrichtungen in Oberbayern wurden durch Recherchen des BR und der Tagesschau bekannt. Dabei geht es unter anderem um die Versorgung postoperativer Wunden, die Ausgabe von Medikamenten, die Verpflegung der Patienten und ausgefallene Therapien. Die Klinikleitung weist zurück, dass eine Gefahr für Patienten bestanden habe.
Patientin verließ Rehaklinik mit nur 36 Kilogramm Gewicht
Zu den Betroffenen gehört eine 68-jährige Darmkrebspatientin, die in den Berichten unter dem Pseudonym Agatha Petersen geführt wird. Im Juli 2026 absolvierte sie nach einer Operation eine Behandlung im Rehazentrum Bruckmühl.
Die Patientin hatte einen künstlichen Darmausgang, der nach ihren Angaben nicht angemessen versorgt wurde. Erst nach drei Tagen habe das Personal ihre Operationswunden kontrolliert. Eine an ihren Gesundheitszustand angepasste Schonkost habe sie ebenfalls nicht erhalten.
Nach vier Tagen brach die Frau die Rehamaßnahme vorzeitig ab. Bei ihrer anschließenden Aufnahme in das Krankenhaus Wolfratshausen soll sie nur noch etwa 36 Kilogramm gewogen haben.
Von einem ähnlichen Fall berichtet ein Mann namens Stefan L. Seine Mutter wurde im Oktober 2024 mit einem Stoma in die Klinik in Bruckmühl aufgenommen. Nach Angaben ihres Sohnes erfolgte die notwendige regelmäßige Versorgung nicht. Die Frau musste die Rehabilitation abbrechen und wegen einer schweren Infektion in einem Krankenhaus behandelt werden.
Beschwerden über Medikamente, Verpflegung und Personalmangel
Nach den Recherchen gingen mindestens seit 2023 Beschwerden über die Klinik in Bruckmühl ein. Die Berichte von Patienten, Angehörigen und ehemaligen Beschäftigten reichen bis Juli 2026.
Genannt wurden insbesondere:
- fehlende oder fehlerhafte Medikamentengaben;
- verschwundene, von Patienten mitgebrachte Arzneimittel;
- akuter Mangel an Pflege- und Betreuungspersonal;
- lange Wartezeiten nach dem Betätigen der Rufanlage;
- regelmäßig ausgefallene Behandlungen;
- unzureichende und qualitativ mangelhafte Verpflegung.
Das Landratsamt Rosenheim bestätigte nach einer Kontrolle im Jahr 2023 eine reduzierte Personalbesetzung sowie Mängel bei der medizinischen und pflegerischen Versorgung. Daraufhin wurde ein vorübergehender Aufnahmestopp verhängt.
Bei einer regulären Kontrolle im Frühjahr 2026 stellten die Behörden hingegen keine Beanstandungen fest. Die Klinik erklärte über eine Agentur für Krisenkommunikation, die eingeleiteten Maßnahmen hätten zu einem dauerhaft funktionierenden geriatrischen Rehabilitationsbetrieb geführt.
Staatsanwaltschaft prüft Todesfälle in Lenggries
Schwerwiegende Vorwürfe richten sich auch gegen eine rund 50 Kilometer entfernte Partnerklinik in Lenggries, die derselben Betreiberstruktur zugeordnet wird.
Im Juni 2023 durchsuchte die Polizei die Einrichtung wegen des Verdachts auf unzureichende Patientenversorgung und vorsätzliche Körperverletzung. Anschließend entzog das Landratsamt der Klinik die Betriebserlaubnis.
Später nahm die Einrichtung unter einer neuen Leitung ihren Betrieb wieder auf. Nach Behördenangaben traten jedoch erneut Probleme auf. Beanstandet wurden hygienische Mängel, mutmaßlich fehlerhafte Insulingaben und wiederholte Verstöße gegen die vorgeschriebene Personalstärke.
Im Mai 2026 wurde der Klinik erneut die Betriebserlaubnis entzogen. Danach meldete die Einrichtung Insolvenz an.
Julia Trempetich, Leiterin des zuständigen Gesundheitsamtes, führte die unzureichende Versorgung und Fehler bei der Medikamentengabe auf den Personalmangel zurück.
Die Staatsanwaltschaft München II untersucht derzeit rund zehn Todesfälle in der Klinik in Lenggries. Die Leitung bestreitet eine Gefährdung der Patienten und erklärt, die Schließung sei aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt.
Investor weist Vorwürfe über Einsparungen zulasten der Patienten zurück
Seit 2020 ist der Münchner Finanzinvestor Auctus Hauptanteilseigner der Holdinggesellschaft, die beide Kliniken betreibt. Das Unternehmen erklärt, den Einrichtungen keine Gewinn- oder Renditeziele vorgegeben zu haben.
Ehemalige Beschäftigte schildern eine andere Situation. Nach ihrer Darstellung könnten wirtschaftliche Interessen über den Bedürfnissen der Patienten gestanden haben. Einzelne Mitarbeiter bezeichneten die Patienten als „Gelddruckmaschinen“.
Im Jahr 2023 befanden sich rund 66 Prozent aller Rehabilitationsbetten in Deutschland in privater Trägerschaft. Der Gesundheitsökonom Andreas Beivers betonte, unabhängig vom jeweiligen Betreiber müsse verhindert werden, dass Sparmaßnahmen zulasten der Patienten gehen.
Bestehende Regeln erschweren die Kontrolle der Kliniken
Die Recherchen zeigen zudem mögliche Lücken im Kontrollsystem. Für jeden Patienten erhalten die Kliniken eine tägliche Pauschale von etwa 280 bis 350 Euro. Die Krankenkassen können jedoch nicht im Detail nachvollziehen, welche Behandlungen tatsächlich durchgeführt werden und wie stark eine Einrichtung ausgelastet ist.
Unangekündigte Kontrollen durch die Kostenträger sind rechtlich nicht vorgesehen. Die Landratsämter dürfen zwar kurzfristige Überprüfungen durchführen, der behördenübergreifende Austausch von Patientendaten ist jedoch aus Datenschutzgründen eingeschränkt.
Das bayerische Gesundheitsministerium teilte mit, seit 2023 über die Probleme informiert zu sein. Zugleich verwies das Ministerium auf die Verantwortung der Krankenversicherungen für die Kontrolle der Qualität von Rehabilitationsleistungen.
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