Die deutsche Industrie hat im August 2026 das stärkste Wachstum seit mehr als vier Jahren verzeichnet. Trotz des rekordverdächtig niedrigen Wasserstands am Rhein, hoher Energiekosten und geopolitischer Spannungen hat sich die Stimmung unter den Herstellern deutlich verbessert. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf handelsblatt.
Industrie-PMI steigt überraschend auf 54,1 Punkte
Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die deutsche Industrie stieg im August um 1,9 Punkte auf 54,1 Zähler. Damit erreichte der Indikator den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren und fiel deutlich besser aus als von Ökonomen erwartet.
Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem leichten Rückgang auf 52,0 Punkte gerechnet. Ein PMI-Wert von mehr als 50 Punkten signalisiert Wachstum, während Werte darunter auf eine schrumpfende Wirtschaftsaktivität hinweisen.
Nach Angaben von S&P Global Market Intelligence erreichten Produktion, Auftragseingänge und Exportgeschäft die höchsten Werte seit Anfang 2022. S&P-Ökonom Phil Smith erklärte, die Erholung des verarbeitenden Gewerbes habe nach Anzeichen einer Stagnation im zweiten Quartal wieder deutlich an Dynamik gewonnen.
Ein Grund dafür ist die Erholung der Nachfrage nach mehreren Monaten wirtschaftlicher Unsicherheit, die unter anderem durch hohe Ölpreise und den Krieg im Nahen Osten geprägt waren.
Staatliche Ausgaben stützen die Industrie
Ökonomen beobachten inzwischen auch einen stärkeren Einfluss staatlicher Programme auf die Realwirtschaft. Vor allem steigende Verteidigungsausgaben sorgen zunehmend für zusätzliche Nachfrage bei Industrieunternehmen.
Michael Herzum von Union Investment erklärte, die staatlichen Fiskalprogramme erreichten schrittweise die reale Wirtschaft und unterstützten derzeit insbesondere den Industriesektor.
Elmar Völker von der Landesbank LBBW verwies gleichzeitig auf die robuste internationale Nachfrage. Seiner Einschätzung nach überwiegt der positive Effekt des Welthandels bislang die Belastungen durch die niedrigen Wasserstände und die dadurch steigenden Transportkosten.
Die Unternehmen bleiben allerdings weiterhin von stabilen Lieferketten abhängig. Der niedrige Wasserstand des Rheins erschwert den Transport von Rohstoffen und Fertigwaren und zwingt viele Betriebe dazu, auf teurere Transportwege auszuweichen.
Niedrigwasser am Rhein belastet die Wirtschaft
Die Bundesbank warnt davor, dass Einschränkungen auf wichtigen deutschen Wasserstraßen die Industrieproduktion und die Exporte deutlich bremsen könnten.
Wegen der geringen Wassertiefe können Schiffe weniger Ladung transportieren. Unternehmen müssen deshalb mehr Fahrten organisieren oder Transporte teilweise auf Schiene und Straße verlagern. Dadurch steigen insbesondere für Unternehmen aus der Chemie-, Metall- und Energiebranche die Logistikkosten.
In ihrem Monatsbericht stellte die Bundesbank fest, dass das Niedrigwasser die gesamtwirtschaftliche Aktivität im dritten Quartal bereits spürbar belastet. Für das Bruttoinlandsprodukt erwartet die Notenbank lediglich einen geringen Anstieg.
Die deutsche Wirtschaft wächst dennoch bereits seit drei Quartalen in Folge.
Dienstleistungssektor fällt wieder unter die Wachstumsschwelle
Anders als in der Industrie verschlechterte sich die Lage im Dienstleistungssektor. Der entsprechende PMI sank im August um 1,3 Punkte auf 48,5 Zähler.
Damit liegt der Wert wieder unter der Marke von 50 Punkten und signalisiert einen Rückgang der Geschäftsaktivität.
S&P Global registrierte jedoch zum zweiten Mal in Folge einen leichten Anstieg der Auftragseingänge. Zudem begannen Unternehmen des Dienstleistungssektors wieder, neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Felicitas Henze von Deutsche Bank Research sieht hohe Öl- und Gaspreise sowie damit verbundene Inflationssorgen als mögliche Gründe für die schwächere Stimmung im Dienstleistungsbereich.
Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleistungen sank leicht von 51,3 auf 51,0 Punkte. Damit bleibt die deutsche Wirtschaft insgesamt weiterhin in der Wachstumszone.
Industrie treibt auch das Wachstum in der Eurozone
Die Verbesserung beschränkt sich nicht auf Deutschland. Der zusammengesetzte PMI der Eurozone stieg im August von 52,0 auf 52,1 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Jahresbeginn.
Auch hier war die Industrie der wichtigste Wachstumstreiber. Die Auftragseingänge stiegen so stark wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr.
Die Exportaufträge nahmen erstmals seit Februar 2022 wieder zu. S&P-Global-Chefökonom Chris Williamson erklärte, der Industriesektor habe das stärkste Wachstum seit rund viereinhalb Jahren verzeichnet.
Nach Einschätzung von S&P Global deuten die aktuellen Daten auf ein Wirtschaftswachstum der Eurozone von rund 0,3 Prozent im dritten Quartal hin. Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent gestiegen.
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