Die Staatsverschuldung der USA hat erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Finanzierung des Bundeshaushalts weiter an. Besonders die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen haben zuletzt Niveaus erreicht, die seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr zu beobachten waren. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf orf.
Das US-Finanzministerium versucht, den Druck auf den Anleihemarkt mit größeren Rückkäufen langfristiger Staatsanleihen zu dämpfen. Die bisherigen Marktreaktionen zeigen jedoch, dass die Wirkung solcher Maßnahmen bislang nur von kurzer Dauer ist.
US-Finanzministerium erhöht Rückkäufe langfristiger Anleihen
Mitte der Woche kündigte das US-Finanzministerium an, das Volumen der Rückkäufe von Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren mindestens zu verdoppeln. Statt bislang rund zwei Milliarden sollen künftig etwa vier Milliarden US-Dollar zurückgekauft werden.
Durch solche Rückkäufe sinkt das Angebot bestimmter Anleihen am Markt. Das kann deren Kurse stützen und gleichzeitig die Renditen drücken.
Unmittelbar nach der Ankündigung sank die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen um etwa neun bis zehn Basispunkte. Bereits am folgenden Tag war ein großer Teil dieser Bewegung jedoch wieder verschwunden. Die Rendite stieg erneut auf rund 5,24 Prozent und näherte sich damit wieder ihren jüngsten Höchstständen.
Neue Schulden finanzieren den Umgang mit alten Schulden
Ein zentraler Punkt der Strategie ist die Finanzierung der Rückkäufe. Das Finanzministerium nutzt dafür Mittel, die über die Ausgabe kurzfristiger Treasury Bills aufgenommen werden.
Die Gesamtverschuldung sinkt dadurch nicht. Stattdessen verändert sich vor allem die Struktur der Verbindlichkeiten: Ein Teil langfristiger Schulden wird faktisch durch kurzfristige Finanzierung ersetzt.
Bei anhaltend hohen Zinsen bleibt der Druck auf den Bundeshaushalt bestehen. Je größer die Verschuldung wird, desto stärker steigen auch die Zinsausgaben. Diese erhöhen wiederum das Haushaltsdefizit, das durch weitere Neuverschuldung finanziert werden muss.
Finanzminister Scott Bessent erklärte gegenüber CNBC, die Rückkäufe könnten künftig mehr als vier Milliarden Dollar pro Transaktion erreichen. Die Regierung verfüge zudem über eine breite Palette weiterer Instrumente zur Stabilisierung des Marktes.
US-Staatsschulden wachsen binnen Monaten um eine weitere Billion Dollar
Die Lage wird durch das hohe Tempo der Neuverschuldung zusätzlich verschärft. Medienberichten zufolge ist die US-Staatsverschuldung allein innerhalb der vergangenen drei Monate um rund eine Billion Dollar gestiegen.
Zu den Faktoren gehören höhere Staatsausgaben, steuerpolitische Entscheidungen, Rückzahlungen von Zolleinnahmen sowie die steigenden Kosten der Schuldendienstleistungen.
Die Zinszahlungen gehören inzwischen zu den am schnellsten wachsenden Ausgabenposten des Bundeshaushalts. Nach Angaben der New York Times machen sie bereits einen erheblichen Teil des jährlichen Schuldenanstiegs aus.
Haushaltsdefizit bleibt auf hohem Niveau
Der US-Bundeshaushalt weist seit Jahren erhebliche Defizite auf. Die Ausgaben der Bundesregierung liegen deutlich über den Einnahmen, während die Differenz durch die Ausgabe neuer Staatsanleihen finanziert wird.
Das Congressional Budget Office erwartet für das laufende Haushaltsjahr ein Defizit von rund 2,1 Billionen US-Dollar.
Scott Bessent hatte zuvor als Ziel genannt, das Haushaltsdefizit mittelfristig auf etwa drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu begrenzen. Um dieses Niveau zu erreichen, wären entweder deutliche Ausgabenkürzungen, höhere Staatseinnahmen oder eine Kombination aus beiden Maßnahmen erforderlich.
Hohe Anleiherenditen verteuern den Schuldendienst
Zusätzlichen Druck verursacht die Entwicklung am Markt für US-Staatsanleihen. Je höher deren Renditen steigen, desto teurer wird es für die Bundesregierung, neue Schulden aufzunehmen oder auslaufende Verbindlichkeiten zu refinanzieren.
Besonders die Renditen langfristiger Anleihen gelten als wichtiger Indikator für die Erwartungen der Investoren in Bezug auf Inflation, Fiskalpolitik und die langfristige Tragfähigkeit der Staatsfinanzen.
Bleiben die Renditen auf hohem Niveau, können die Zinsausgaben weiter steigen – selbst dann, wenn die Regierung ihre Programme nicht erheblich ausweitet.
Trump setzt auf niedrigere Zinsen, die Fed bleibt der Inflationsbekämpfung verpflichtet
Die Situation führt zugleich zu einem Spannungsfeld zwischen fiskalischen und geldpolitischen Zielen.
US-Präsident Donald Trump hat ein klares Interesse an niedrigeren Zinsen. Günstigere Finanzierungskosten fördern Investitionen, entlasten Unternehmen und Haushalte und können die wirtschaftliche Aktivität stützen.
Die US-Notenbank Federal Reserve muss ihre Entscheidungen dagegen vor allem an der Inflation und der allgemeinen Wirtschaftslage ausrichten. Ihre Geldpolitik ist formal unabhängig von der Regierung.
Gleichzeitig beobachten Investoren, ob Washington in der Lage ist, das Wachstum der Staatsverschuldung und das hohe Haushaltsdefizit langfristig unter Kontrolle zu bringe
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