Ab dem 1. Juli 2026 gelten in Deutschland neue Regeln für Online-Broker. Mit dem Ende der Übergangsfrist wird das sogenannte Payment for Order Flow (PFOF) vollständig verboten. Dieses Modell ermöglichte es vielen Neobrokern bislang, Wertpapiergeschäfte besonders günstig oder sogar kostenlos anzubieten. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf futurezone.
Die Neuregelung ist Teil einer europaweiten Finanzmarktregulierung und betrifft künftig alle inländischen Kunden deutscher Broker.
Was hinter dem PFOF-Verbot steckt
Beim Payment for Order Flow erhalten Broker Zahlungen von Handelsplätzen oder Market Makern dafür, dass sie Kundenaufträge gezielt an bestimmte Handelsplattformen weiterleiten.
Dieses Vergütungsmodell war ein wichtiger Grund dafür, dass zahlreiche Neobroker mit sehr niedrigen oder gar keinen Ordergebühren werben konnten. Regulierungsbehörden sehen darin jedoch einen möglichen Interessenkonflikt: Broker könnten Aufträge an jene Handelsplätze weiterleiten, die die höchste Vergütung zahlen – und nicht unbedingt die besten Ausführungskonditionen für Kunden bieten.
Mit Inkrafttreten des Verbots dürfen Broker diese Einnahmequelle in ihrer bisherigen Form nicht mehr nutzen.
Welche Folgen für Anleger möglich sind
Der Wegfall von PFOF könnte die Geschäftsmodelle vieler Anbieter verändern. Marktteilnehmer prüfen verschiedene Möglichkeiten, entstehende Einnahmeverluste auszugleichen. Dazu gehören:
- neue Gebühren für einzelne Wertpapierorders,
- eine stärkere Nutzung von Abonnement-Modellen,
- zusätzliche Finanzdienstleistungen,
- Einnahmen über eigene Handelsplattformen.
Gleichzeitig soll das Verbot für mehr Transparenz bei der Ausführung von Wertpapieraufträgen sorgen und die Interessen der Anleger stärker schützen.
So positionieren sich die wichtigsten Neobroker
Das Verbraucherportal Biallo.de hat mehrere bekannte Broker nach ihren Plänen für die Zeit nach dem PFOF-Verbot befragt.
Scalable Capital
Scalable Capital erklärte, dass kostenlose ETF-Sparpläne auch nach dem 1. Juli 2026 verfügbar bleiben sollen. Zudem werde der Handel für Kunden weiterhin zu den bisherigen Konditionen angeboten.
Das Unternehmen verweist darauf, die EU-Vorgaben bereits seit 2024 umzusetzen. Als alternative Einnahmequellen nennt Scalable Capital die eigene Handelsplattform European Investor Exchange, Vermögensverwaltungsangebote, Premium-Depots sowie eigene ETF-Produkte.
Smartbroker+
Smartbroker+ kündigte an, die wegfallenden PFOF-Einnahmen nicht an die Kunden weiterzugeben. Sowohl Einzelorders als auch ETF-Sparpläne sollen zu unveränderten Bedingungen angeboten werden.
Nach Angaben des Unternehmens beruhte das Geschäftsmodell nie in erster Linie auf PFOF-Einnahmen. Zudem sollen Effizienzmaßnahmen einen Teil der entstehenden Ertragsverluste ausgleichen.
Trade Republic
Trade Republic bestätigte, dass ETF-Sparpläne weiterhin kostenlos ausgeführt werden sollen.
Darüber hinaus verfügt das Unternehmen inzwischen über eine BaFin-Lizenz für eine eigene Handelsplattform. Dadurch könnten künftig zusätzliche Einnahmen, etwa über Handelsaktivitäten und Spreads, generiert werden.
Traders Place
Auch Traders Place rechnet nach eigenen Angaben nicht mit steigenden Kosten für Kunden.
Orders über 500 Euro sollen auf Handelsplätzen wie Gettex oder über außerbörsliche Kanäle der Baader Bank weiterhin kostenlos bleiben. Nach Unternehmensangaben machen PFOF-Erlöse weniger als 20 Prozent der Gesamteinnahmen aus.
Trading212
Trading212 begrüßt das Verbot ausdrücklich und betont, dass Payment for Order Flow nie Bestandteil des eigenen Geschäftsmodells gewesen sei.
Das Unternehmen plant daher keine Änderungen an seiner Gebührenstruktur und möchte den provisionsfreien Handel in Euro fortführen. Einnahmen erzielt die Plattform unter anderem über Währungsumrechnungen bei ausländischen Aktien sowie über den CFD-Handel.
Finanzen.net Zero und Just Trade
Finanzen.net Zero äußerte sich nicht konkret dazu, ob und in welchem Umfang sich die Konditionen nach dem Inkrafttreten des Verbots verändern werden. Das Unternehmen erklärte lediglich, auch künftig attraktive Angebote bereitstellen zu wollen.
Just Trade hat seine künftige Strategie ebenfalls noch nicht endgültig festgelegt. Nach Angaben des Unternehmens werden für Endkunden jedoch keine grundlegenden Veränderungen erwartet.
Worauf Anleger ab Juli achten sollten
Trotz der überwiegend positiven Aussagen der Broker empfehlen Experten, die tatsächlichen Kosten nach dem Wegfall von PFOF genau zu beobachten.
Besonders relevant sind dabei:
- mögliche Veränderungen bei den Spreads zwischen Kauf- und Verkaufspreisen,
- neue oder höhere Gebühren für bestimmte Anlageklassen,
- Handelskosten außerhalb der regulären Börsenzeiten,
- Änderungen bei Gebühren für Anleihen, Fonds oder Kryptowährungen.
Mit dem Ende des PFOF-Modells könnten sich die tatsächlichen Kosten des Wertpapierhandels je nach Broker und dessen künftigem Geschäftsmodell unterschiedlich entwickeln.
lesen Sie auch: Die Zinslast der EU-Staaten nimmt weiter zu

