Der schwere Sturz von Jonas Vingegaard auf der 15. Etappe der Tour de France hat eine Debatte ausgelöst, die nicht nur die Sicherheit der Strecke betrifft. Im Mittelpunkt steht auch der Zeitpunkt der Dopingkontrollen. Sowohl der dänische Radprofi als auch Gesamtführender Tadej Pogačar wurden in der Nacht vor der Etappe für Tests geweckt. Fahrer und Teamvertreter vermuten, dass der unterbrochene Schlaf die Konzentration während des anspruchsvollen Rennens beeinträchtigt haben könnte. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf Вild.
Vingegaard bricht sich das Schlüsselbein und scheidet aus
Jonas Vingegaard ist auf der 15. Etappe der Tour de France schwer gestürzt. Die Strecke führte von Champagnole hinauf zum Plateau de Solaison. Der Unfall ereignete sich an einem Kreisverkehr, an dem die Fahrer eine Verkehrsinsel in einer Rechtskurve passieren mussten.
Offenbar unterschätzten mehrere Profis, wie schmal die Durchfahrt zwischen der Verkehrsinsel und dem Gehweg war. Vingegaard verlor die Kontrolle über sein Fahrrad und stürzte auf den Asphalt. Anschließend wurde der Däne in einen Krankenwagen gebracht und zur Röntgenuntersuchung gefahren.
Sein Team teilte mit, dass Vingegaard einen Schlüsselbeinbruch sowie mehrere Schürfwunden erlitten habe. Aufgrund der Verletzungen musste er die Tour de France vorzeitig beenden. Zum Zeitpunkt seines Ausscheidens lag er auf Rang zwei der Gesamtwertung und hatte etwa viereinhalb Minuten Rückstand auf Tadej Pogačar.
Vingegaard wurde gegen zwei Uhr nachts geweckt
Noch vor dem Start der Etappe berichtete Vingegaard, dass er in der Nacht zu einer Dopingkontrolle aufgefordert worden sei. Nach seinen Angaben fand die Kontrolle gegen zwei Uhr morgens statt. Erst rund 40 Minuten später konnte er wieder ins Bett zurückkehren.
Der Däne betonte, dass er Anti-Doping-Kontrollen grundsätzlich unterstütze. Gleichzeitig kritisierte er, dass nächtliche Untersuchungen die Erholung und damit möglicherweise auch die sportliche Leistung beeinträchtigen könnten.
„Es ist gut, dass Dopingtests durchgeführt werden. Wenn sie aber die Leistung und den Schlaf beeinflussen, ist das meiner Meinung nach nicht besonders gut. Ich hoffe, dass am Ende nicht nur ich kontrolliert wurde, denn die Bedingungen sollten für alle gleich sein. Um zwei Uhr nachts ist das nicht sehr angenehm“, sagte Vingegaard vor dem Start.
Nur wenige Stunden nach dieser Aussage stürzte er schwer und musste die Rundfahrt verlassen.
Pogačar schlief nach eigenen Angaben nur vier Stunden
Auch Tadej Pogačar bestätigte, dass er während der Nacht für eine Dopingkontrolle geweckt worden sei. Nach Angaben des Slowenen fand die Untersuchung gegen fünf Uhr morgens statt. Danach konnte er nicht mehr einschlafen.
Der Führende der Tour de France erklärte, dass er insgesamt nur ungefähr vier Stunden geschlafen habe. Die restliche Zeit bis zum Start habe er im Bett verbracht, Musik gehört und versucht, sich zumindest körperlich zu erholen.
„Ich wurde um fünf Uhr morgens kontrolliert. Ich gehe zwar oft spät schlafen, aber es war trotzdem ein großer Schock. Danach konnte ich nicht mehr einschlafen. Ich lag einfach da, hörte alte Eminem-Songs und trank Kaffee. Es war unangenehm, aus dem tiefen Schlaf gerissen zu werden“, sagte Pogačar.
Nach dem Zieleinlauf zeigte sich der Slowene tief betroffen über Vingegaards Ausscheiden. Das Duell mit dem Dänen sei in den vergangenen Jahren zu einer der prägenden Geschichten der Tour de France geworden.
Pogačar erklärte, dass das Verhältnis zwischen beiden Fahrern anfangs nicht besonders gut gewesen sei. In den vergangenen zwei Jahren hätten sie jedoch eine Freundschaft entwickelt und seien zu Rivalen geworden, die großen Respekt voreinander hätten. Ohne Vingegaard werde die Tour nicht mehr dieselbe sein.
Evenepoel bezeichnet die Kontrollen als „unmenschlich“
Etappensieger Remco Evenepoel kritisierte die nächtlichen Dopingkontrollen deutlich. Der Belgier erklärte, dass Fahrer nach extrem anstrengenden Etappen nicht mitten in der Nacht geweckt werden dürften.
Nach Ansicht des Profis vom Team Red Bull Bora-hansgrohe beeinflusst gestörter Schlaf unmittelbar die Regeneration, die Reaktionsgeschwindigkeit und die Konzentrationsfähigkeit.
„Wir können das nicht akzeptieren. Es ist unmenschlich, Fahrer mitten in der Nacht zu wecken, besonders nach einer so schweren Etappe wie am Samstag. Das ist respektlos“, sagte Evenepoel.
Er erklärte emotional, er werde Mitarbeiter seines Teams zu den Kontrolleuren schicken, um diese ebenfalls nachts zu wecken und ihnen Blut abzunehmen. Nur so könnten sie verstehen, wie sich die Fahrer in einer solchen Situation fühlten.
Evenepoel bezeichnete die Tour de France als das härteste und größte Radrennen der Welt. Er forderte, dass sich vergleichbare nächtliche Kontrollen nicht wiederholen dürften.
Pogačar schließt Einfluss von Schlafmangel nicht aus
Tadej Pogačar äußerte die Vermutung, dass der unterbrochene Schlaf einer von mehreren Faktoren beim Sturz Vingegaards gewesen sein könnte. Gleichzeitig machte der Slowene deutlich, dass dies nicht als nachgewiesene Unfallursache betrachtet werden könne.
Nach seinen Worten führt Schlafmangel zu einer geringeren Konzentration. Besonders gefährlich sei dies bei schnellen Abfahrten, engen Kurven und technisch anspruchsvollen Straßenabschnitten.
„Wir hatten nachts Dopingtests. In diesem Jahr wird sehr streng kontrolliert. Das könnte ebenfalls eine Rolle bei dem Sturz gespielt haben. Wenn der Schlaf unterbrochen wird, ist man tagsüber weniger konzentriert, besonders auf Abfahrten“, sagte Pogačar.
Er betonte, dass ein möglicher Zusammenhang zwischen der nächtlichen Kontrolle und dem Unfall genauer untersucht werden müsse. Zugleich verwies er darauf, dass Tiefschlaf für die körperliche und mentale Erholung nach stundenlangen Etappen entscheidend sei.
Kontrolleur entschuldigte sich für den frühen Besuch
Pogačar berichtete, dass die frühe Kontrolle auch für ihn überraschend gekommen sei. Nach Angaben des Fahrers habe sich der Mitarbeiter der Anti-Doping-Stelle dafür entschuldigt, ihn so früh geweckt zu haben.
Der Slowene erklärte, er sei bisher davon ausgegangen, dass zwischen 23 Uhr und 6 Uhr keine Kontrollen durchgeführt würden. Diese Einschränkung gilt jedoch offenbar nicht in gleicher Weise bei mehrtägigen Wettbewerben wie der Tour de France.
Pogačar stellte klar, dass er bereit sei, alle notwendigen Untersuchungen zu absolvieren, wenn sie dazu dienten, die Glaubwürdigkeit und Sauberkeit des Sports zu sichern. Gleichzeitig müsse der Erholungsbedarf der Athleten berücksichtigt werden.
„Ich akzeptiere die Kontrolle, wenn sie notwendig ist, um zu beweisen, dass wir sauber fahren. Wenn aber der Tiefschlaf unterbrochen wird, ist praktisch die ganze Nacht ruiniert. Jeder weiß, wie wichtig Schlaf für die Regeneration ist“, sagte der Radprofi.
Pogačar berichtet von weiteren Streitfällen
Der Führende der Tour de France schilderte außerdem weitere Situationen, die bei ihm Fragen zur Organisation der Dopingkontrollen ausgelöst hätten. Einer dieser Fälle ereignete sich nach dem Rennen Strade Bianche im März.
Nach Angaben Pogačars sollte ihm damals etwa eineinhalb Stunden nach dem Zieleinlauf Blut abgenommen werden. Die zu diesem Zeitpunkt geltenden Regeln hätten jedoch vorgesehen, dass eine Blutentnahme frühestens zwei Stunden nach dem Ende eines Rennens erfolgen dürfe.
Später wurde diese Regel geändert. Seit April soll zwischen dem Rennende und der Blutentnahme nur noch eine Stunde liegen.
Die Diskussion über nächtliche Dopingkontrollen hat sich nach Vingegaards Sturz weiter verschärft. Die Fahrer stellen die Notwendigkeit der Tests nicht grundsätzlich infrage. Sie verlangen jedoch, dass die Untersuchungen die Regeneration nicht beeinträchtigen und keine zusätzlichen Risiken für die folgenden Etappen schaffen.
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