Der Beruf in der Buchhaltung gehört in Deutschland zu den klassischen kaufmännischen Tätigkeiten mit langfristigen Karriereperspektiven. Für Ukrainerinnen und Ukrainer, die dauerhaft in Deutschland leben und sich beruflich neu orientieren möchten, kann der Einstieg in die Buchhaltung deshalb eine interessante Möglichkeit sein.
Dabei gibt es allerdings eine wichtige Besonderheit: Eine klassische duale „Ausbildung zum Buchhalter“ gibt es in Deutschland unter dieser Berufsbezeichnung nicht. Wer über eine Ausbildung in die Buchhaltung einsteigen möchte, entscheidet sich in der Regel für einen verwandten kaufmännischen oder steuerlichen Ausbildungsberuf.
Für Erwachsene, die bereits Berufserfahrung oder eine Ausbildung aus der Ukraine mitbringen, gibt es außerdem eine Alternative: eine berufliche Weiterbildung in Buchhaltung, die deutlich kürzer sein kann als eine klassische Ausbildung.
Im Folgenden erklären wir, welche Möglichkeiten es gibt, welche Voraussetzungen gelten und wann eine Ausbildung oder Weiterbildung sinnvoller sein kann.
Gibt es eine Ausbildung zum Buchhalter in Deutschland?
Einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf mit der direkten Bezeichnung Buchhalter/in gibt es in Deutschland nicht.
Es existieren jedoch mehrere Ausbildungsberufe, über die man Kenntnisse in Finanzbuchhaltung, Rechnungswesen, Steuern und Lohnabrechnung erwerben kann.
Besonders relevant sind folgende Möglichkeiten.
Ausbildung zum Steuerfachangestellten
Die Ausbildung zum Steuerfachangestellten beziehungsweise zur Steuerfachangestellten ist einer der direktesten Wege in die Bereiche Buchhaltung und Steuern.
Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre.
Zu den typischen Ausbildungsinhalten gehören:
- laufende Finanzbuchhaltung;
- Lohn- und Gehaltsabrechnung;
- Vorbereitung von Jahresabschlüssen;
- Bearbeitung von Steuererklärungen;
- Prüfung von Steuerbescheiden;
- Kommunikation mit Mandanten und Finanzbehörden;
- steuerliche und wirtschaftliche Grundlagen.
Nach Abschluss der Ausbildung können Steuerfachangestellte beispielsweise in Steuerkanzleien, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder im Rechnungswesen von Unternehmen arbeiten.
Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Büromanagement
Eine weitere Möglichkeit ist die Ausbildung im Büromanagement.
Der Schwerpunkt liegt hier nicht ausschließlich auf Buchhaltung. Je nach Ausbildungsbetrieb können aber auch Bereiche wie Rechnungsbearbeitung, Zahlungsverkehr, Personalverwaltung oder vorbereitende Buchhaltung dazugehören.
Die Ausbildung eignet sich deshalb vor allem für Menschen, die neben buchhalterischen Aufgaben auch administrative und organisatorische Tätigkeiten übernehmen möchten.
Weitere kaufmännische Ausbildungsberufe
Auch andere kaufmännische Ausbildungen können später zu einer Tätigkeit im Rechnungswesen führen.
Dazu gehört beispielsweise die Ausbildung zum Industriekaufmann beziehungsweise zur Industriekauffrau.
Wer jedoch möglichst direkt mit Buchführung, Steuern und Jahresabschlüssen arbeiten möchte, sollte insbesondere die Ausbildung zum Steuerfachangestellten prüfen.
Wie läuft eine Ausbildung in Deutschland ab?
Die meisten Berufsausbildungen in Deutschland funktionieren nach dem sogenannten dualen System.
Das bedeutet, dass die Ausbildung an zwei Orten stattfindet:
- im Ausbildungsbetrieb;
- in der Berufsschule.
Bei einer Ausbildung zum Steuerfachangestellten arbeitet man beispielsweise mehrere Tage pro Woche in einer Steuerkanzlei und besucht zusätzlich die Berufsschule.
Im Betrieb lernen Auszubildende die praktische Arbeit kennen. In der Berufsschule werden unter anderem Rechnungswesen, Steuerlehre, Wirtschaftsrecht und kaufmännische Grundlagen vermittelt.
Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre.
Während dieser Zeit erhalten Auszubildende eine monatliche Ausbildungsvergütung.
Voraussetzungen für Ukrainer
Grundsätzlich gelten für ukrainische Bewerber dieselben fachlichen Anforderungen wie für andere Bewerber. Zusätzlich spielen der Aufenthaltsstatus und die Deutschkenntnisse eine wichtige Rolle.
Deutschkenntnisse
Für kaufmännische und steuerliche Berufe sind gute Deutschkenntnisse besonders wichtig.
Ein gesetzlich vorgeschriebenes einheitliches Sprachniveau für die Ausbildung zum Steuerfachangestellten gibt es nicht. Arbeitgeber können selbst entscheiden, welche Deutschkenntnisse sie von Bewerbern erwarten.
In der Praxis sind Kenntnisse auf B1-Niveau häufig das Minimum, während B2 die Chancen auf einen Ausbildungsplatz deutlich verbessern kann.
Das liegt daran, dass Auszubildende unter anderem:
- deutsche Fachtexte verstehen;
- mit Mandanten kommunizieren;
- E-Mails und Briefe schreiben;
- Rechnungen und Steuerunterlagen bearbeiten;
- dem Unterricht in der Berufsschule folgen
müssen.
Gerade in der Buchhaltung spielen Fachbegriffe und kaufmännische Sprache eine große Rolle.
Schulabschluss und Berufserfahrung aus der Ukraine
Für eine duale Ausbildung ist nicht immer gesetzlich ein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben.
In der Praxis entscheiden jedoch die Ausbildungsbetriebe, welche Voraussetzungen Bewerber erfüllen müssen.
Ein ukrainischer Schulabschluss, ein Studium oder eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung kann bei der Bewerbung hilfreich sein.
Besonders gute Voraussetzungen haben häufig Personen, die bereits Erfahrung in Bereichen wie:
- Buchhaltung;
- Finanzen;
- Wirtschaft;
- Bankwesen;
- Controlling;
- Verwaltung
mitbringen.
Vorhandene Berufserfahrung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine deutsche Ausbildung deutlich verkürzt werden kann. Das wird individuell geprüft.
Gibt es eine Altersgrenze?
Eine feste Altersgrenze für eine Ausbildung gibt es in Deutschland grundsätzlich nicht.
Auch mit 30, 40 oder mehr Jahren kann man eine duale Ausbildung beginnen.
In der Praxis richtet sich das klassische Ausbildungssystem jedoch häufig an Schulabgänger und junge Erwachsene.
Für Menschen, die bereits viele Jahre Berufserfahrung besitzen, eine Familie haben oder möglichst schnell wieder arbeiten möchten, kann eine dreijährige Ausbildung deshalb weniger attraktiv sein.
Ausbildung mit Aufenthalt nach § 24
Ukrainische Staatsangehörige mit einer Aufenthaltserlaubnis nach § 24 Aufenthaltsgesetz können grundsätzlich auch eine betriebliche Ausbildung aufnehmen.
Entscheidend ist, dass die Erwerbstätigkeit erlaubt ist.
Bei Unsicherheit sollte vor Beginn der Ausbildung geprüft werden, welche Angaben im Aufenthaltstitel oder in der entsprechenden Bescheinigung vermerkt sind.
Wie viel verdient man während der Ausbildung?
Während einer dualen Ausbildung erhalten Auszubildende eine monatliche Vergütung.
Die genaue Höhe hängt unter anderem von Beruf, Region und Arbeitgeber ab.
Bei der Ausbildung zum Steuerfachangestellten können die empfohlenen Ausbildungsvergütungen je nach Kammerregion unterschiedlich sein.
Als Orientierung bewegen sich die Vergütungen häufig ungefähr in folgendem Bereich:
- 1. Ausbildungsjahr: etwa 1.200 Euro brutto
- 2. Ausbildungsjahr: etwa 1.300 Euro brutto
- 3. Ausbildungsjahr: etwa 1.400 Euro brutto
Die tatsächliche Vergütung kann davon abweichen.
Für junge Menschen, die direkt nach der Schule eine Ausbildung beginnen, kann dieses Modell gut funktionieren.
Für Erwachsene mit eigener Wohnung, Familie oder anderen finanziellen Verpflichtungen kann das vergleichsweise niedrige Einkommen während der Ausbildung jedoch ein wichtiger Nachteil sein.
Welche Schwierigkeiten kann eine Ausbildung für Ukrainer haben?
Eine Ausbildung bietet einen strukturierten Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt. Gleichzeitig gibt es einige Punkte, die insbesondere Erwachsene mit Berufserfahrung berücksichtigen sollten.
Drei Jahre Ausbildungszeit
Wer bereits mehrere Jahre als Buchhalter, Ökonom oder Finanzspezialist in der Ukraine gearbeitet hat, beginnt mit einer deutschen Ausbildung teilweise wieder auf einem relativ grundlegenden Niveau.
Eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten dauert regulär drei Jahre.
Für jemanden mit langjähriger Berufserfahrung stellt sich daher die Frage, ob eine komplette neue Ausbildung wirklich notwendig ist oder ob eine gezielte Weiterbildung schneller zum gewünschten Berufseinstieg führt.
Deutsche Fachsprache
Buchhaltung besteht nicht nur aus Zahlen.
Begriffe wie:
- Umsatzsteuer;
- Vorsteuer;
- Abschreibung;
- Forderungen;
- Verbindlichkeiten;
- Rückstellungen;
- Lohnsteuer;
- Sozialversicherung;
- Jahresabschluss
gehören zum täglichen Arbeitsalltag.
Wer bislang ausschließlich im ukrainischen Rechnungswesen gearbeitet hat, muss daher nicht nur neue Vorschriften, sondern auch die deutsche Fachsprache lernen.
Kombination aus Arbeit und Berufsschule
Während einer dualen Ausbildung müssen Auszubildende gleichzeitig im Unternehmen arbeiten und den Unterricht in der Berufsschule absolvieren.
Dazu kommen Prüfungen und Lernphasen.
Für Erwachsene mit Familie oder anderen Verpflichtungen kann diese Struktur weniger flexibel sein als andere Formen der beruflichen Qualifizierung.
Weiterbildung in Buchhaltung als Alternative zur Ausbildung
Nicht jeder, der in Deutschland in der Buchhaltung arbeiten möchte, muss eine dreijährige Ausbildung absolvieren.
Eine Alternative kann eine berufliche Weiterbildung im Rechnungswesen sein.
Sie eignet sich insbesondere für:
- Personen mit Berufserfahrung aus der Ukraine;
- Menschen mit einem wirtschaftlichen Studium;
- ehemalige Buchhalter;
- Quereinsteiger mit kaufmännischem Hintergrund;
- Erwachsene, die sich beruflich neu orientieren;
- Migranten, die ihre Kenntnisse an das deutsche System anpassen möchten.
Der Schwerpunkt liegt dabei nicht darauf, einen kompletten Ausbildungsberuf von Grund auf zu erlernen.
Stattdessen werden häufig genau die Kenntnisse vermittelt, die für eine Tätigkeit in der deutschen Buchhaltung fehlen.
Typische Inhalte solcher Weiterbildungen sind:
- Finanzbuchhaltung;
- Lohnbuchhaltung;
- Jahresabschluss;
- Bilanzierung;
- Grundlagen des HGB;
- DATEV;
- Lexware;
- Excel und MS Office;
- steuerliche Grundlagen;
- deutsches Sozialversicherungsrecht.
Gerade Programme, die Theorie mit praktischer Arbeit in gängigen Buchhaltungsprogrammen verbinden, können für Personen mit ausländischer Berufserfahrung interessant sein. Entsprechende Weiterbildungen werden beispielsweise von spezialisierten Bildungsträgern wie der DWW Akademie angeboten.
Wie lange dauert eine Weiterbildung?
Ein wesentlicher Unterschied zur klassischen Ausbildung ist die Dauer.
Während eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten regulär drei Jahre dauert, können Weiterbildungen in der Buchhaltung je nach Programm beispielsweise innerhalb von sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen werden.
Für Menschen, die bereits berufliche Grundlagen besitzen, kann der Weg in den deutschen Arbeitsmarkt dadurch erheblich kürzer sein.
Wichtig ist jedoch: Eine Weiterbildung ist nicht mit einer staatlich anerkannten dualen Berufsausbildung gleichzusetzen.
Welche Variante besser geeignet ist, hängt deshalb von der persönlichen Ausgangssituation ab.
Weiterbildung mit Bildungsgutschein
Bestimmte berufliche Weiterbildungen können über einen Bildungsgutschein gefördert werden.
Ein Bildungsgutschein wird von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter ausgestellt.
Damit können unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten einer beruflichen Weiterbildung übernommen werden.
Eine Förderung kommt beispielsweise infrage, wenn die Weiterbildung notwendig ist, um:
- Arbeitslosigkeit zu beenden;
- drohende Arbeitslosigkeit zu vermeiden;
- die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern;
- fehlende berufliche Kenntnisse zu erwerben.
Wichtig ist, dass sowohl der Bildungsträger als auch die konkrete Maßnahme für eine entsprechende Förderung zugelassen sind.
Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, entscheidet die zuständige Stelle immer individuell.
Einen automatischen Anspruch gibt es nicht.
Ausbildung oder Weiterbildung – was ist besser?
Beide Wege können sinnvoll sein.
Welche Variante besser passt, hängt vor allem von Ausbildung, Berufserfahrung, Alter, finanzieller Situation und dem gewünschten Berufsziel ab.
| Kriterium | Ausbildung | Weiterbildung |
| Dauer | meist 3 Jahre | häufig mehrere Monate |
| Einkommen | Ausbildungsvergütung | abhängig von persönlicher Situation und Förderung |
| Praxis | direkt im Ausbildungsbetrieb | abhängig vom jeweiligen Programm |
| Berufsschule | ja | in der Regel nein |
| Deutscher Berufsabschluss | ja | nicht automatisch |
| Für Berufseinsteiger | sehr gut geeignet | je nach Programm |
| Für erfahrene Erwachsene | möglich, aber zeitintensiv | häufig interessanter |
| Bildungsgutschein | nicht der typische Förderweg | bei geeigneten Maßnahmen möglich |
| Einstieg in den Arbeitsmarkt | langfristiger Weg | potenziell schneller |
Eine Ausbildung kann besonders sinnvoll sein, wenn man bisher kaum Berufserfahrung besitzt und einen vollständigen deutschen Berufsabschluss erwerben möchte.
Eine Weiterbildung kann dagegen die bessere Wahl sein, wenn bereits kaufmännische oder buchhalterische Erfahrung vorhanden ist und hauptsächlich Kenntnisse des deutschen Rechnungswesens, der Fachsprache oder der verwendeten Software fehlen.
Welche Variante eignet sich für wen?
Für einen jungen Menschen ohne Berufserfahrung, der einen anerkannten deutschen Ausbildungsabschluss erwerben möchte, kann die klassische Ausbildung eine sehr gute Grundlage sein.
Anders sieht die Situation möglicherweise bei einer Person aus, die bereits zehn oder mehr Jahre in der Ukraine als Buchhalter, Ökonom oder Finanzspezialist gearbeitet hat.
In diesem Fall besteht die größte Herausforderung häufig nicht darin, Buchhaltung komplett neu zu lernen.
Vielmehr geht es darum:
- das deutsche Rechnungswesen zu verstehen;
- HGB und steuerliche Grundlagen kennenzulernen;
- deutsche Fachbegriffe sicher zu verwenden;
- mit DATEV oder Lexware arbeiten zu können;
- die vorhandene Erfahrung für deutsche Arbeitgeber verständlich darzustellen;
- sich auf den deutschen Arbeitsmarkt vorzubereiten.
In solchen Fällen kann eine gezielte Weiterbildung deutlich schneller zum Berufseinstieg führen als ein vollständiger Neustart über eine dreijährige Ausbildung.
Fazit
Eine klassische Ausbildung zum Buchhalter gibt es in Deutschland unter dieser Berufsbezeichnung nicht.
Wer über das duale Ausbildungssystem in die Buchhaltung einsteigen möchte, kann beispielsweise eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten, zum Kaufmann für Büromanagement oder in einem anderen kaufmännischen Beruf absolvieren.
Die Ausbildung bietet einen anerkannten Berufsabschluss, praktische Erfahrung und eine monatliche Vergütung. Gleichzeitig dauert sie mehrere Jahre und ist deshalb nicht für jede Lebenssituation die optimale Lösung.
Gerade Ukrainerinnen und Ukrainer, die bereits eine wirtschaftliche Ausbildung oder Berufserfahrung in der Buchhaltung mitbringen, sollten deshalb auch eine berufliche Weiterbildung prüfen.
Sie kann helfen, vorhandene Kenntnisse gezielt an deutsche Anforderungen anzupassen, den Umgang mit DATEV und anderen Programmen zu lernen und schneller den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt zu schaffen.
Ob Ausbildung oder Weiterbildung die bessere Wahl ist, hängt letztlich davon ab, ob man einen vollständigen deutschen Berufsabschluss benötigt oder vorhandene berufliche Kompetenzen möglichst effizient für den deutschen Arbeitsmarkt ergänzen möchte.

