In Potsdam werden die Umstände des Todes eines Patienten untersucht, der im Klinikum Ernst von Bergmann behandelt worden war. Vermutlich erlitt der Betroffene einen akuten medizinischen Notfall, bei dem gefäßchirurgische Expertise erforderlich gewesen sein könnte. Der Aufsichtsrat will klären lassen, ob die Schließung der Fachabteilung Auswirkungen auf den Behandlungsverlauf hatte. Gleichzeitig soll geprüft werden, ob das Klinikum nach der Umstrukturierung weiterhin ausreichend auf gefäßchirurgische Notfälle vorbereitet war.
Juristen und medizinische Experten übernehmen die Prüfung
Die Untersuchung wurde auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrats beschlossen. Die Potsdamer Kanzlei Dombert Rechtsanwälte soll gemeinsam mit unabhängigen medizinischen Experten sowohl den Todesfall als auch die Folgen der Schließung der Gefäßchirurgie prüfen.
Im Mittelpunkt stehen drei Bereiche: Patientensicherheit, Behandlungsqualität und Versorgungssicherheit nach der Umstrukturierung. Die Experten sollen feststellen, ob zum Zeitpunkt des Notfalls gefäßchirurgische Hilfe verfügbar war und ob die vereinbarten Abläufe für eine Behandlung oder Verlegung in ein anderes Krankenhaus eingehalten wurden.
Die Vorsitzende des Aufsichtsrats und Potsdamer Sozialbeigeordnete Brigitte Meier erklärte, ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Todesfall und der Schließung der Abteilung müsse aufgeklärt werden. Nach ihrer Darstellung war der Aufsichtsrat davon ausgegangen, dass gefäßchirurgische Expertise auch nach der Umstrukturierung jederzeit verfügbar sein würde.
Zum Alter des Patienten, zur Diagnose, zum Zeitpunkt der Aufnahme und zu den konkreten medizinischen Maßnahmen wurden bislang keine Angaben gemacht. Ebenso ist unklar, ob eine Verlegung in ein anderes Krankenhaus erforderlich war. Nach Informationen regionaler Medien stehen auch mögliche strafrechtliche Ermittlungen im Raum. Offiziell wurde jedoch noch kein Ermittlungsverfahren bestätigt. PNN/Tagesspiegel
Gefäßchirurgie wurde zum 1. August geschlossen
Die Gefäßchirurgie am Klinikum Ernst von Bergmann wurde zum 1. August 2026 geschlossen. Gleichzeitig stellte das Krankenhaus sein eigenständiges orthopädisches Angebot ein.
Die Klinikleitung begründete die Umstrukturierung mit den Vorgaben der bundesweiten Krankenhausreform. Diese sieht vor, komplexe medizinische Leistungen stärker an spezialisierten Standorten zu konzentrieren, die bestimmte Anforderungen an Personal, Ausstattung und Fallzahlen erfüllen.
Parallel dazu veränderte auch das Alexianer St. Josefs-Krankenhaus sein Leistungsangebot. Dort wurden die Bereiche Neurologie, Gynäkologie und Geburtshilfe aufgegeben. Gleichzeitig sollten Gefäßmedizin, Chirurgie und Orthopädie gestärkt werden. Gefäßchirurgische Notfälle aus dem Klinikum Ernst von Bergmann sollten nach der Neuordnung im St. Josefs-Krankenhaus behandelt werden.
Von der Schließung der Orthopädie und Gefäßchirurgie waren zwölf ärztliche Stellen betroffen. Die Klinikleitung schloss Entlassungen nicht aus, falls den Beschäftigten keine anderen Aufgaben innerhalb der Krankenhausgruppe angeboten werden könnten. RBB24
Ärzte warnten vor Risiken für die Notfallversorgung
Nach der Schließung der Abteilung äußerten Mediziner aus Potsdam Zweifel daran, dass Patienten mit akuten Gefäßerkrankungen innerhalb der neuen Struktur schnell genug versorgt werden können. Bei einer gerissenen Aorta, einem akuten Arterienverschluss, schweren Verletzungen oder einer plötzlich unterbrochenen Blutversorgung kann jede Verzögerung die Behandlung erschweren.
Besonders betroffen sind möglicherweise Dialysepatienten. Bei einem Verschluss oder einer Beschädigung des Gefäßzugangs kann kurzfristig eine Operation erforderlich werden. Nach Angaben der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ begannen einige Dialyseeinrichtungen nach der Schließung, Patienten zur Behandlung nach Berlin zu schicken.
Fragen gibt es auch zur Versorgung von Unfallopfern, die gleichzeitig unfallchirurgische und gefäßchirurgische Eingriffe benötigen. Ärzte aus der Region befürchten, dass zusätzliche Transporte zwischen verschiedenen Krankenhäusern die Zeit bis zum Beginn einer notwendigen Operation verlängern könnten. Märkische Allgemeine Zeitung
Klinikum äußert sich bislang nicht zu dem Todesfall
Das Klinikum Ernst von Bergmann hat sich bislang nicht öffentlich zu den konkreten Umständen des Todesfalls geäußert. Offen blieb auch, in welchem Umfang nach dem 1. August weiterhin gefäßchirurgische Fachkompetenz im Haus verfügbar war. Medienanfragen leitete das Klinikum an die Potsdamer Stadtverwaltung weiter.
Das Klinikum ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die vollständig der Landeshauptstadt Potsdam gehört. Im Aufsichtsrat sitzen Vertreter der Eigentümerin und der Beschäftigten. Das Gremium kontrolliert die Geschäftsführung und bewertet Entscheidungen, die Auswirkungen auf die medizinische Versorgung haben können.
Die externe Untersuchung soll nun klären, wie die Entscheidung zur Schließung der Gefäßchirurgie zustande kam, auf welchen medizinischen und organisatorischen Grundlagen sie beruhte und ob ausreichende Vorkehrungen für gefäßchirurgische Notfälle getroffen wurden. Ein Termin für den Abschluss der Prüfung wurde bislang nicht genannt.
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