Extreme Hitze belastet nicht nur das Herz-Kreislauf-System und den Flüssigkeitshaushalt. Hohe Temperaturen können auch die Funktion der Bronchien und die lokale Immunabwehr beeinträchtigen. Die gesundheitlichen Folgen halten unter Umständen noch mehrere Tage an, nachdem die Temperaturen bereits gesunken sind. Besonders gefährdet sind Menschen mit Asthma, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), Kinder und ältere Personen. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug welt.
Auf das erhöhte Risiko für Atemwegskomplikationen weist eine umfangreiche französische Studie mit mehr als 660.000 Patientinnen und Patienten hin. Untersucht wurde das Zusammenspiel von Hitze, Luftverschmutzung und den jeweiligen Lebensbedingungen. Die Ergebnisse zeigen, dass häufig nicht ein einzelner Auslöser, sondern die Kombination mehrerer Belastungen gefährlich wird.
Wie hohe Temperaturen die Bronchien beeinflussen
Die Lunge verfügt über einen natürlichen Selbstreinigungsmechanismus. Die Schleimhaut der Bronchien produziert Sekret, das Staub, Bakterien und andere Fremdstoffe bindet. Winzige Flimmerhärchen transportieren den Schleim anschließend in Richtung Rachen, sodass die Verunreinigungen aus den Atemwegen entfernt werden.
Während längerer Hitzeperioden kann dieser Mechanismus beeinträchtigt werden. Der Schleim wird zähflüssiger, sein Abtransport verlangsamt sich und Bakterien können sich leichter ansammeln. Gleichzeitig wird die lokale Immunabwehr in den Bronchien geschwächt.
Dadurch steigt das Risiko für Infektionen und für eine Verschlechterung bereits bestehender Erkrankungen. Ärzte beobachten virale und bakterielle Lungenentzündungen, unter anderem durch Rhinoviren oder Pneumokokken, nicht nur bei älteren, sondern auch bei jüngeren Patienten.
Wer während einer Hitzewelle besonders gefährdet ist
Das größte Risiko tragen Menschen, deren Atemwege bereits geschädigt oder besonders empfindlich sind. Dazu gehören vor allem Patienten mit Asthma oder COPD. Bei ihnen kann Hitze Husten, Atemnot, pfeifende Atemgeräusche und ein Engegefühl in der Brust verstärken.
Zu den besonders gefährdeten Gruppen zählen außerdem:
- ältere Menschen;
- Kinder unter 15 Jahren;
- Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen;
- Bewohner schlecht belüfteter und stark aufgeheizter Wohnungen;
- Menschen, die in der Nähe stark befahrener Straßen oder von Industriegebieten leben;
- Personen, die gleichzeitig Pollen, Rauch oder Virusinfektionen ausgesetzt sind.
Auch bei gesunden Menschen kann anhaltende Hitze die Atemwege reizen und ihre Abwehrfähigkeit gegenüber Krankheitserregern verringern.
Ozon verstärkt die gesundheitlichen Folgen der Hitze
Bei sonnigem und windarmem Wetter kann die Konzentration von bodennahem Ozon steigen. Es entsteht durch fotochemische Reaktionen unter Beteiligung verschiedener Luftschadstoffe, die unter anderem aus den Abgasen des Straßenverkehrs stammen.
Ozon reizt die Schleimhäute, kann Husten und Atembeschwerden auslösen und bestehendes Asthma verschlimmern. Besonders hohe Konzentrationen werden häufig mittags und am Nachmittag gemessen, wenn die Sonneneinstrahlung am stärksten ist.
Die Kombination aus Hitze, Ozon, Verkehrsabgasen, Pollen und Viren wird von Fachleuten als „Cocktail-Effekt“ bezeichnet. Jeder einzelne Faktor führt nicht zwangsläufig zu einer Krankenhauseinweisung. Treten jedoch mehrere Belastungen gleichzeitig auf, steigt das Risiko für Atemwegskomplikationen deutlich.
Warum die Wohnverhältnisse eine wichtige Rolle spielen
In Städten verschärft der sogenannte Wärmeinseleffekt die Situation. Asphalt, Beton und Gebäude speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts nur langsam wieder ab. Deshalb bleiben die Temperaturen in dicht bebauten Stadtteilen selbst nach Sonnenuntergang ungewöhnlich hoch.
Besonders problematisch ist die Lage in Vierteln mit wenigen Bäumen, Grünflächen oder Gewässern. Zusätzlich erhöhen dichter Straßenverkehr, schlecht isolierte Gebäude und fehlende Möglichkeiten zur Kühlung der Wohnung die gesundheitliche Belastung.
Unzureichend gedämmte Wohnungen heizen sich im Sommer stark auf und können in der kalten Jahreszeit Feuchtigkeit ansammeln. Dadurch wird Schimmelbildung begünstigt. Schimmelsporen reizen die Atemwege und können Allergien sowie Asthma verschlimmern.
Das Leben auf dem Land garantiert allerdings keine saubere Luft. In der Nähe von Tierhaltungsbetrieben, gedüngten Feldern oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelten Weinbergen kann die Umweltbelastung ebenfalls erhöht sein.
Waldbrandrauch ist auch über große Entfernungen gefährlich
Bei Waldbränden gelangen giftige Gase und Feinstaub in die Atmosphäre. Besonders gefährlich sind PM2,5-Partikel. Wegen ihrer geringen Größe können sie tief in die Lunge eindringen. Ein Teil der Partikel kann anschließend in den Blutkreislauf gelangen.
Diese Belastung wird mit gereizten Bronchien, Hustenanfällen, einer Verschlechterung von Asthma und COPD sowie einer erhöhten Beanspruchung des Herz-Kreislauf-Systems in Verbindung gebracht. Betroffen sein können nicht nur chronisch kranke Menschen, sondern auch Personen, die zuvor keine Atemwegsprobleme hatten.
Der Rauch kann durch Luftströmungen über Tausende Kilometer transportiert werden. Deshalb werden eine schlechtere Luftqualität und Atemwegsbeschwerden teilweise auch in Regionen beobachtet, die weit von den Brandgebieten entfernt liegen.
So lassen sich die Atemwege bei Hitze schützen
Menschen mit Asthma oder COPD sollten ihre verordnete Behandlung konsequent fortsetzen und notwendige Inhalatoren griffbereit halten. Die Dosierung der Medikamente sollte nicht ohne ärztliche Rücksprache verändert werden.
Um die Belastung der Lunge zu reduzieren, empfehlen Fachleute:
- den Luftqualitätsindex und die Ozonwerte zu kontrollieren;
- körperliche Anstrengungen im Freien während der heißesten Stunden zu vermeiden;
- die Wohnung früh am Morgen zu lüften, wenn die Außenluft kühler ist;
- die Fenster bei starker Rauchbelastung geschlossen zu halten;
- geeignete Luftreiniger mit passenden Filtern zu verwenden;
- nicht in Innenräumen zu rauchen;
- Duftkerzen, Räucherstäbchen und Reinigungssprays möglichst zu vermeiden;
- Lüftungsanlagen und Klimageräte regelmäßig zu reinigen;
- ausreichend Flüssigkeit zu trinken.
Bei ausgeprägter Atemnot, Schmerzen oder einem Engegefühl in der Brust, bläulich verfärbten Lippen, Verwirrtheit, hohem Fieber oder einer plötzlichen Verschlechterung von Asthma oder COPD ist medizinische Hilfe erforderlich.
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