Drei Passagiere des Expeditionskreuzfahrtschiffes MV Hondius sind nach einem mutmaßlichen Hantavirus-Ausbruch gestorben. Unter den Todesopfern befindet sich ein deutscher Staatsbürger, der am 2. Mai 2026 an Bord verstarb. Das Schiff liegt derzeit vor der Küste Kap Verdes – die Behörden des westafrikanischen Inselstaates verweigern das Anlegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Untersuchung eingeleitet.
Die Reederei Oceanwide Expeditions bestätigte am 4. Mai die Nationalität der Opfer. Die beiden weiteren Todesopfer sind ein niederländisches Ehepaar: ein 70-jähriger Mann und seine 69-jährige Frau. Die WHO geht von insgesamt sechs betroffenen Personen aus – ein laborbestätigter Fall, fünf Verdachtsfälle. 149 Personen befinden sich noch an Bord.
Chronologie des Ausbruchs auf der MV Hondius
Die MV Hondius war Anfang April von Ushuaia im Süden Argentiniens aufgebrochen. Das 107 Meter lange Expeditionsschiff bietet Platz für rund 170 Passagiere und 70 Besatzungsmitglieder. Die Route führte zunächst in die Antarktis, zurück nach Ushuaia und anschließend über den Atlantik Richtung Kanarische Inseln.
Am 11. April starb der erste Passagier – ein niederländischer Staatsbürger – an Bord. Die Todesursache konnte zunächst nicht bestimmt werden. Am 24. April wurde der Leichnam auf der britischen Atlantikinsel St. Helena von Bord gebracht. Seine Ehefrau begleitete die Überführung, erkrankte selbst auf der Rückreise und starb am 27. April in Johannesburg.
Am selben Tag wurde ein britischer Passagier mit schweren Symptomen per Luftrettung nach Südafrika evakuiert. Er liegt auf der Intensivstation in Johannesburg. Bei diesem Patienten wurde eine Hantavirus-Variante im Labor nachgewiesen – der bislang einzige bestätigte Fall.
Am 2. Mai starb der deutsche Passagier an Bord. Die genaue Todesursache ist bisher nicht offiziell festgestellt. Zwei Besatzungsmitglieder – ein britischer und ein niederländischer Staatsbürger – zeigen akute Atemwegsbeschwerden und benötigen laut Reederei dringend medizinische Versorgung.
Kap Verde verweigert Einfahrt – Kanarische Inseln als Alternative
Die kapverdischen Behörden haben dem Schiff das Anlegen im Hafen von Praia untersagt. Gesundheitsinspektoren betraten die MV Hondius, um die Lage zu beurteilen. Oceanwide Expeditions prüft eine Weiterfahrt nach Las Palmas oder Teneriffa. Die niederländischen Behörden haben zugesagt, erkrankte Besatzungsmitglieder in die Niederlande zurückzuführen.
Die WHO koordiniert die medizinische Evakuierung der zwei schwer erkrankten Personen an Bord sowie eine Risikoeinschätzung für die übrigen Passagiere. 23 verschiedene Nationalitäten sind unter den 149 Verbliebenen vertreten.
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Was ist das Hantavirus? Übertragung und Risiken
Das Hantavirus bezeichnet eine Gruppe von Viren, die von Nagetieren übertragen werden. Benannt ist es nach dem Fluss Hantaan an der koreanischen Grenze, wo im Koreakrieg (1950–1953) über 3.000 Soldaten erkrankten.
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt primär durch das Einatmen von Aerosolen aus getrocknetem Nagetierkot, -urin oder -speichel. Auch der Kontakt verletzter Haut mit kontaminierten Materialien oder der Verzehr verunreinigter Lebensmittel kann zu einer Infektion führen. Die Inkubationszeit beträgt laut Robert Koch-Institut (RKI) in der Regel zwei bis vier Wochen, in Ausnahmefällen fünf bis 60 Tage.
Chronologie: Hantavirus auf der MV Hondius
Stand: 4. Mai 2026 · Quelle: Oceanwide Expeditions / WHO
Britischer Passagier wird mit Hantavirus-Verdacht nach Südafrika evakuiert
Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist bei den meisten Hantavirus-Typen nicht dokumentiert. Die einzige Ausnahme bildet das Andes-Virus (ANDV), das vorwiegend in Chile und Argentinien vorkommt – genau dort, wo die MV Hondius ihre Reise begann. Dieser Umstand macht den Ausbruch für die WHO besonders relevant.
| Merkmal | Europäische Hantaviren | Andes-Virus (Südamerika) |
|---|---|---|
| Hauptüberträger | Rötelmaus, Brandmaus | Oligoryzomys-Nagetiere |
| Mensch-zu-Mensch-Übertragung | Nein | Selten, aber dokumentiert |
| Typisches Krankheitsbild | Nierenversagen (HFRS) | Lungenversagen (HPS) |
| Letalität | 1–5 % | 25–40 % |
Symptome einer Hantavirus-Infektion
Ein großer Teil der Infektionen verläuft asymptomatisch. Die Frühsymptome ähneln einer Grippe: Fieber über 38,5 °C, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen. Diese unspezifische Anfangsphase erschwert die Früherkennung.
Bei schweren Verläufen entwickelt sich vier bis zehn Tage nach Symptombeginn das Hantavirus-induzierte pulmonale Syndrom (HPS). Charakteristisch sind Atemnot und rasch fortschreitende Lungeninfiltration – ein lebensbedrohlicher Zustand.
In Deutschland registriert das RKI jährlich zwischen 72 und 2.825 Fälle. In den vergangenen 25 Jahren gab es hierzulande nur einen Todesfall. Weltweit geht die Forschung von 150.000 bis 200.000 Infektionen jährlich aus. Einen Impfstoff gibt es nicht.
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Reaktionen von WHO, Reederei und Behörden
WHO-Regionaldirektor Hans Kluge betonte, es bestehe kein Anlass für Panik oder Reisebeschränkungen. Das Hantavirus sei zwar in einigen Fällen schwer, aber die Übertragung von Mensch zu Mensch gelte als unwahrscheinlich. Die entscheidende Frage sei, wie die Passagiere sich infiziert haben.
„Es gibt keinen Grund für Panik oder Reisebeschränkungen.“
— Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa
Oceanwide Expeditions erklärte, an Bord gälten strikte Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen. Erkrankte Personen würden isoliert und medizinisch betreut. Die Reederei arbeite eng mit der WHO, dem niederländischen Gesundheitsinstitut RIVM, relevanten Botschaften und dem niederländischen Außenministerium zusammen.
Die südafrikanische Gesundheitsbehörde bestätigte, dass der britische Patient in kritischem, aber stabilem Zustand ist. Das US-Außenministerium beobachtet die Situation und hält konsularische Unterstützung bereit.
Als Infektionsquellen gelten kontaminierte Vorräte, Nagetierkontakt bei Landgängen auf abgelegenen Inseln oder eine Verbreitung über die Lüftungssysteme des Schiffes. Die WHO-Ermittlungen dauern an.
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Auswirkungen auf die Kreuzfahrtbranche
Der Vorfall trifft die Kreuzfahrtbranche an einem sensiblen Punkt. Expeditionskreuzfahrten in abgelegene Gebiete verzeichnen steigende Nachfrage – doch die medizinischen Kapazitäten an Bord kleiner Schiffe bleiben begrenzt. Die MV Hondius befuhr eine Route durch einige der abgelegensten Gewässer der Welt. Reisende sollten vor Antritt einen umfassenden Reisekrankenversicherungsschutz sicherstellen, der Evakuierungskosten abdeckt.
Hantavirus: Die wichtigsten Fakten
Quelle: Robert Koch-Institut (RKI) / WHO
FAQ: Häufige Fragen zum Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius
Ist das Hantavirus von Mensch zu Mensch übertragbar?
Bei den meisten Hantavirus-Typen ist keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bekannt. Einzige Ausnahme ist das Andes-Virus in Südamerika, bei dem seltene Fälle dokumentiert sind.
Gibt es einen Impfstoff gegen das Hantavirus?
Nein. Es existiert derzeit kein zugelassener Impfstoff. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, bei schweren Verläufen intensivmedizinisch.
Wie viele Personen befinden sich noch auf dem Schiff?
Laut Oceanwide Expeditions sind 149 Personen (88 Passagiere und 61 Crew-Mitglieder) an Bord, verteilt auf 23 Nationalitäten.
Warum darf die MV Hondius nicht in Kap Verde anlegen?
Die kapverdischen Behörden haben das Anlegen als Vorsichtsmaßnahme untersagt. Das Schiff soll voraussichtlich zu den Kanarischen Inseln weiterfahren.
Wie kann man sich vor dem Hantavirus schützen?
Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen vermeiden. Räume vor dem Betreten lüften. Staub nicht aufkehren, sondern feucht wischen. Das RKI empfiehlt Atemschutzmasken bei Reinigungsarbeiten in betroffenen Bereichen.
Wie hoch ist die Sterblichkeitsrate?
Europa: 1–5 %. Südamerikanisches HPS: 25–40 %.

