Die Popularität von Bergregionen in sozialen Netzwerken beeinflusst die Besucherströme in den Alpen immer stärker. Besonders deutlich zeigt sich das derzeit in den Allgäuer Alpen rund um den Unteren Gaisalpsee und den Schrecksee, wo an Spitzentagen Hunderte, teilweise sogar mehr als tausend Menschen unterwegs sind. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf schwaebische.
Ein Teil der Besucher kommt ohne geeignetes Schuhwerk, ausreichende Kondition oder Bergerfahrung. Manche Wanderer erklären offen, dass sie ihr Ziel gewählt haben, nachdem sie den See auf Instagram oder TikTok gesehen hatten.
Der Untere Gaisalpsee wurde zum Social-Media-Hotspot
Der Untere Gaisalpsee liegt auf rund 1.508 Metern Höhe unweit von Oberstdorf. Der See befindet sich auf der Route zum Rubihorn, dessen Gipfel 1.957 Meter hoch liegt.
Der Weg zum See gilt im Vergleich zu anderen hochalpinen Zielen als relativ gut erreichbar. Vom Ausgangspunkt müssen Wanderer rund 650 Höhenmeter überwinden, die Gehzeit kann etwa drei Stunden betragen.
Gerade diese vergleichsweise gute Erreichbarkeit gilt als einer der Gründe für den starken Besucheranstieg. An besonders beliebten Tagen steigen mehr als tausend Menschen zum Unteren Gaisalpsee hinauf.
Auf den Wegen sind dabei immer häufiger Besucher in gewöhnlichen Turnschuhen oder anderem Schuhwerk zu sehen, das für Bergtouren ungeeignet ist. Ein Teil der Gäste verfügt zudem nicht über die nötige körperliche Vorbereitung für längere Anstiege.
Soziale Medien verändern das Verhalten vieler Besucher
Bergseen sind zu beliebten Kulissen für Fotos und kurze Videos geworden. Besucher veröffentlichen ihre Aufnahmen auf Instagram, TikTok und anderen Plattformen, wodurch einzelne Orte innerhalb kurzer Zeit große Bekanntheit erreichen können.
Ähnliche Entwicklungen gab es bereits in anderen Teilen der Alpen. Ein bekanntes Beispiel ist das Berggasthaus Äscher in der Schweiz. Nachdem Bilder des Gebäudes in internationalen Reisemedien erschienen waren, stieg die Besucherzahl deutlich an.
Die örtliche Infrastruktur musste sich anschließend auf wesentlich mehr Gäste einstellen. Im Tal bei Wasserauen wurden später unter anderem Parkmöglichkeiten reduziert und Preise erhöht.
Auch der Schrecksee zieht enorme Besucherzahlen an
Ein weiterer besonders beliebter Ort im Oberallgäu ist der Schrecksee. Er liegt auf etwa 1.813 Metern Höhe in einem hochalpinen Talkessel.
Der Aufstieg ist deutlich anspruchsvoller als der Weg zum Unteren Gaisalpsee. Wanderer müssen ungefähr 1.000 Höhenmeter bewältigen.
Menschen mit durchschnittlicher Kondition können für den Weg bis zum See fünf Stunden oder länger benötigen.
Trotzdem nähert sich die Zahl der Besucher an Spitzentagen ebenfalls der Marke von tausend Menschen.
Aufgrund der alpinen Anforderungen gehört das Gebiet inzwischen regelmäßig zu den Einsatzorten der Bergrettung.
Naturschutzgebiete geraten stärker unter Druck
Beide Seen liegen innerhalb des Naturschutzgebiets Allgäuer Hochalpen.
Wildcampen ist dort verboten. Wer unerlaubt ein Zelt aufstellt, muss mit Bußgeldern von ungefähr 400 bis 600 Euro rechnen.
Trotz der Verbote registrieren Behörden immer wieder Verstöße. Dazu zählen illegales Campen, zurückgelassener Müll und andere Eingriffe in die geschützte Natur.
In einem Fall nahm die Polizei mehrere junge Menschen fest, nachdem ein Einbruch in eine Berghütte gemeldet worden war. Ihnen wurden außerdem Wildcampen, unerlaubtes Angeln und Umweltverschmutzung vorgeworfen.
Baden belastet empfindliche Bergseen zusätzlich
Ein Teil der Besucher nutzt die Seen auch zum Baden. An sonnigen Tagen verwandeln sich die Wiesen am Ufer teilweise in dicht belegte Liegeflächen.
Naturschützer weisen darauf hin, dass hochalpine Gewässer besonders empfindliche Ökosysteme sind. Sonnencreme, Schweiß und andere Stoffe können zusätzlich in das Wasser gelangen.
Ein weiteres Problem sind menschliche Hinterlassenschaften, darunter Toilettenpapier und Abfälle an angrenzenden Hängen und Wiesen.
Wegen der hohen Belastung setzen die Behörden inzwischen auf Besucherlenkung, Kontrollen und Informationskampagnen.
Andere Alpenregionen haben bereits strengere Regeln eingeführt
Ähnliche Probleme haben andere Regionen bereits zu konkreten Einschränkungen veranlasst.
Am Pragser Wildsee in Südtirol gilt während der Sommermonate zeitweise ein System mit vorheriger Reservierung für Besucher, die mit dem Auto oder Reisebus anreisen.
Zu bestimmten Zeiten wird die Zufahrt beschränkt, zudem können für die private Anreise zusätzliche Gebühren anfallen.
Rund um den Unteren Gaisalpsee gibt es bislang keine vergleichbaren Regeln. Die Behörden beobachten die Entwicklung jedoch weiter.
Eiskaltes Wasser kann lebensgefährlich werden
Eine zusätzliche Gefahr besteht beim Baden nach längerer körperlicher Belastung.
Das Wasser hochgelegener Bergseen bleibt auch im Sommer sehr kalt. Ein plötzliches Eintauchen nach mehreren Stunden Wanderung kann einen Kälteschock auslösen, der zu Atemnot und Panik führen kann.
Im Sommer kam es am Unteren Gaisalpsee zu einem tödlichen Unfall. Ein 29-jähriger Mann aus München ertrank beim Baden. Seine Leiche wurde später geborgen.
Die genaue Ursache des Unglücks wurde nicht abschließend geklärt.
Behörden verstärken die Kontrolle an stark besuchten Orten
Das Landratsamt Oberallgäu setzt nach eigenen Angaben auf Maßnahmen zur Besucherlenkung in besonders stark frequentierten Gebieten.
Dazu gehören Informationsangebote, Kontrollen zur Einhaltung der Naturschutzregeln sowie die Beobachtung der Entwicklung auf beliebten Wanderwegen.
Sollte sich zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, können bestehende Regeln angepasst oder weitere Einschränkungen eingeführt werden.
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