Die Europäische Kommission hat die Tablettenform des Medikaments Wegovy zur Gewichtsabnahme und langfristigen Gewichtskontrolle zugelassen. Das Präparat enthält Semaglutid – denselben Wirkstoff, der auch in der Wegovy-Spritze sowie in den Medikamenten Ozempic und Rybelsus verwendet wird. Ozempic ist allerdings ein Handelsname und nicht die Bezeichnung des Wirkstoffs. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf spiegel.
Die neue Darreichungsform wird täglich eingenommen und bietet damit eine Alternative zur wöchentlichen Injektion. Es handelt sich um das erste orale Medikament aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten, das in der Europäischen Union speziell zur Gewichtskontrolle zugelassen wurde.
Für wen Wegovy-Tabletten vorgesehen sind
Das Medikament ist ausschließlich für erwachsene Patientinnen und Patienten bestimmt. Es kann Menschen mit einem Body-Mass-Index von mindestens 30 kg/m² verschrieben werden. Dieser Wert entspricht medizinisch einer Adipositas.
Auch Erwachsene mit einem BMI zwischen 27 und 30 kg/m² können für eine Behandlung infrage kommen, wenn mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung vorliegt. Dazu zählen unter anderem Typ-2-Diabetes, Prädiabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder obstruktive Schlafapnoe.
Die Tabletten sind nicht für Menschen mit Normalgewicht gedacht, die lediglich einige Kilogramm verlieren möchten. Wegovy ist verschreibungspflichtig und soll zusammen mit einer kalorienreduzierten Ernährung sowie mehr körperlicher Aktivität eingesetzt werden.
Anders als die injizierbare Form, die unter bestimmten Voraussetzungen auch bei Jugendlichen verwendet werden kann, ist die Tablette nur für Erwachsene zugelassen.
Wie Semaglutid beim Abnehmen wirkt
Semaglutid gehört zur Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten. Der Wirkstoff ahmt die Wirkung eines körpereigenen Hormons nach, das nach dem Essen im Darm freigesetzt wird.
Das Medikament wirkt auf Bereiche im Gehirn, die Appetit und Sättigungsgefühl steuern. Behandelte Personen fühlen sich schneller satt, verspüren weniger Hunger und nehmen in der Regel kleinere Portionen zu sich. Zusätzlich verlangsamt Semaglutid die Magenentleerung, wodurch das Sättigungsgefühl länger anhalten kann.
Das Präparat verbrennt Fett nicht direkt und blockiert auch nicht die Aufnahme von Kalorien. Der Gewichtsverlust entsteht vor allem dadurch, dass der Appetit sinkt und insgesamt weniger Energie aufgenommen wird.
Um das erreichte Gewicht zu halten, kann eine langfristige Therapie notwendig sein. Untersuchungen mit injizierbarem Semaglutid zeigen, dass viele Patientinnen und Patienten nach dem Absetzen wieder zunehmen, weil die appetithemmende Wirkung nachlässt.
Wie die Tablette richtig eingenommen wird
Wegovy wird einmal täglich auf nüchternen Magen eingenommen. Vor der Einnahme sollte mindestens acht Stunden lang nichts gegessen worden sein.
Nach der Einnahme müssen Patientinnen und Patienten mindestens 30 Minuten warten, bevor sie frühstücken, andere Getränke zu sich nehmen oder weitere Medikamente einnehmen. Der Grund liegt in der empfindlichen Aufnahme von Semaglutid über den Magen-Darm-Trakt. Nahrung und größere Flüssigkeitsmengen können die Aufnahme des Wirkstoffs verringern.
Die Therapie beginnt mit einer niedrigen Dosis, die schrittweise erhöht wird. Dadurch soll sich der Körper an das Medikament gewöhnen und das Risiko für Magen-Darm-Beschwerden reduziert werden.
Die Dosis darf nicht eigenständig erhöht werden. Ebenso dürfen nicht mehrere Tabletten gleichzeitig eingenommen oder verschiedene semaglutidhaltige Präparate miteinander kombiniert werden.
Wie wirksam die Tablettenform ist
Die Wirksamkeit der Tablette wurde in einer Phase-III-Studie über einen Zeitraum von 64 Wochen untersucht. Daran nahmen 307 Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung teil.
Alle Teilnehmenden reduzierten ihre Kalorienzufuhr und steigerten ihre körperliche Aktivität. Die Patientinnen und Patienten, die Wegovy als Tablette erhielten, verloren im Durchschnitt 13,61 Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts. In der Placebogruppe lag der Gewichtsverlust bei 2,18 Prozent.
Mindestens fünf Prozent ihres Gewichts verloren 76,3 Prozent der mit Semaglutid behandelten Personen. In der Placebogruppe waren es 30,5 Prozent.
Bei Teilnehmenden, die sich konsequent an die Behandlung hielten, lag der durchschnittliche Gewichtsverlust bei 16,6 Prozent. Etwa jede dritte Person reduzierte ihr Gewicht um mindestens 20 Prozent.
Wie stark ein einzelner Patient abnimmt, hängt unter anderem vom Ausgangsgewicht, der Ernährung, der körperlichen Aktivität, möglichen Begleiterkrankungen und der Verträglichkeit des Medikaments ab.
Welche Erfahrungen Patientinnen und Patienten berichten
In den Vereinigten Staaten wird die Tablettenform bereits eingesetzt. Für viele Betroffene liegt der größte Vorteil darin, dass sie auf wöchentliche Injektionen verzichten können.
Einige Anwenderinnen und Anwender berichten von deutlich weniger Hunger, kleineren Portionen und einer geringeren Lust auf süße oder fettreiche Lebensmittel. Gleichzeitig erfordert die Einnahme eine strenge morgendliche Routine, da die Tablette nüchtern eingenommen und anschließend eine Wartezeit eingehalten werden muss.
Die Erfahrung einzelner Personen erlaubt jedoch keine verlässliche Aussage über Wirkung und Verträglichkeit bei anderen Patientinnen und Patienten. Sowohl der Gewichtsverlust als auch die Nebenwirkungen können von Mensch zu Mensch deutlich variieren.
Welche Nebenwirkungen am häufigsten auftreten
Die häufigsten unerwünschten Wirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt. Dazu gehören Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden und Erbrechen.
Die Symptome treten besonders häufig zu Beginn der Behandlung oder nach einer Dosiserhöhung auf. Bei vielen Betroffenen werden sie im Laufe der Zeit schwächer. In manchen Fällen muss die Dosis jedoch reduziert oder die Behandlung beendet werden.
Anhaltendes Erbrechen oder starker Durchfall können zu Flüssigkeitsmangel führen. Das ist besonders für ältere Menschen, Patientinnen und Patienten mit Nierenerkrankungen oder Personen, die entwässernde Medikamente einnehmen, problematisch.
Bei einer schnellen Gewichtsabnahme kann neben Fettmasse auch Muskelmasse verloren gehen. Deshalb spielen eine ausreichende Eiweißzufuhr und regelmäßige körperliche Aktivität während der Therapie eine wichtige Rolle.
Welche schweren Risiken beachtet werden müssen
Besondere Vorsicht ist bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, der Gallenblase, des Magen-Darm-Trakts und der Nieren erforderlich.
Starke, anhaltende Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen, können auf eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse hinweisen. In diesem Fall ist eine sofortige medizinische Untersuchung notwendig.
Durch einen schnellen Gewichtsverlust kann außerdem das Risiko für Gallensteine oder eine Entzündung der Gallenblase steigen. Wird Semaglutid gemeinsam mit Insulin oder bestimmten anderen Diabetesmedikamenten angewendet, kann es zu einer Unterzuckerung kommen.
Als sehr seltene Nebenwirkung semaglutidhaltiger Medikamente gilt zudem eine Durchblutungsstörung des Sehnervs. Bei einer plötzlichen Verschlechterung oder einem Verlust des Sehvermögens muss umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.
Während einer Schwangerschaft darf das Medikament nicht angewendet werden. Frauen mit Kinderwunsch sollten das Absetzen frühzeitig mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen, da Semaglutid nur langsam aus dem Körper ausgeschieden wird.
Warum die Tablette kein harmloses Abnehmprodukt ist
Die Einnahme als Tablette kann weniger belastend wirken als eine Injektion. Der Wirkstoff und seine Wirkung auf den Organismus bleiben jedoch dieselben.
Auch die Tablettenform erfordert eine schrittweise Dosiserhöhung, eine medizinische Kontrolle und eine Prüfung möglicher Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Eine Anwendung ohne ärztliche Untersuchung kann dazu führen, dass Gegenanzeigen oder gefährliche Nebenwirkungen übersehen werden.
Der Kauf über nicht autorisierte Internetseiten birgt zusätzlich das Risiko gefälschter Medikamente, falscher Dosierungen oder Produkte ohne den angegebenen Wirkstoff. Wegovy darf nur auf Rezept und über legale Apotheken bezogen werden.
Wann Wegovy-Tabletten in der EU erhältlich sein werden
Die Zulassung durch die Europäische Kommission bedeutet nicht, dass das Medikament sofort in allen Mitgliedstaaten erhältlich ist.
Der Verkaufsstart, der Preis und eine mögliche Kostenübernahme werden in jedem Land gesondert geregelt. Die zuständigen nationalen Behörden müssen unter anderem Erstattungsvoraussetzungen und Preisvereinbarungen festlegen.
Der Hersteller muss außerdem mehrere Dosierungsstärken bereitstellen, da die Behandlung mit einer niedrigen Dosis beginnt und schrittweise gesteigert wird. Eine Verschreibung ist erst möglich, wenn das Medikament im jeweiligen Land offiziell auf den Markt gebracht wurde.
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