Wer bereits mit 20 Jahren private Altersvorsorge betreibt, kann bis zum Renteneintritt ein erheblich größeres Vermögen aufbauen als jemand, der erst mit 30 Jahren beginnt – selbst bei identischen monatlichen Sparraten. Ein Unterschied von nur zehn Jahren kann das Endvermögen um mehr als 500.000 Euro erhöhen. Ausschlaggebend ist dabei weniger die Höhe der anfänglichen Einzahlungen als vielmehr die Dauer der Geldanlage und der Zinseszinseffekt. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf cash-online.
Menschen, die den Aufbau einer privaten Altersvorsorge aufschieben, verlieren einen ihrer wichtigsten finanziellen Vorteile: Zeit. Je länger das Geld investiert bleibt, desto größer ist der Anteil des Endvermögens, der nicht aus den eigenen Einzahlungen, sondern aus den bereits erzielten Erträgen entsteht.
Deshalb empfehlen Verbraucherzentralen, möglichst früh mit dem langfristigen Vermögensaufbau zu beginnen. Bei einem langen Anlagehorizont entstehen Erträge nicht nur auf die eingezahlten Beträge, sondern auch auf die Gewinne aus den Vorjahren. Dadurch beschleunigt sich das Kapitalwachstum mit zunehmender Laufzeit.
Zehn Jahre Unterschied können mehr als 500.000 Euro ausmachen
Wie groß der Vorteil eines frühen Einstiegs sein kann, zeigt eine Modellrechnung mit zwei Anlegern, die jeweils 200 Euro pro Monat investieren. Dabei wird langfristig von einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von sieben Prozent ausgegangen.
Beginnt die erste Person im Alter von 20 Jahren und zahlt bis zum 67. Lebensjahr regelmäßig ein, kann das Endvermögen bei rund 1,02 Millionen Euro liegen. Die zweite Person startet erst mit 30 Jahren und spart ebenfalls bis zum Alter von 67 Jahren. Ihr Vermögen beträgt am Ende jedoch nur etwa 470.000 Euro.
Die zehn zusätzlichen Anlagejahre führen damit zu einem Unterschied von ungefähr 550.000 Euro. Die zusätzlichen eigenen Einzahlungen während dieser zehn Jahre fallen deutlich geringer aus als der daraus entstehende Vermögensvorsprung.
Die Berechnung ist allerdings nur ein Modell. Sie geht von einer konstanten Durchschnittsrendite und regelmäßigen Einzahlungen ohne Unterbrechungen aus. Steuern, Gebühren, Inflation und Wertschwankungen werden nicht berücksichtigt.
So funktioniert der Zinseszinseffekt
Zu Beginn der Sparphase wird der größte Teil des Vermögens durch die regelmäßigen monatlichen Einzahlungen aufgebaut. Die Anlageerträge sind in den ersten Jahren noch vergleichsweise gering, weil das investierte Gesamtkapital zunächst niedrig ist.
Mit zunehmender Laufzeit verändert sich dieses Verhältnis. Erträge entstehen dann nicht mehr nur auf die ursprünglichen Einzahlungen, sondern auch auf bereits erwirtschaftete Gewinne. Dadurch wächst die Berechnungsgrundlage für zukünftige Erträge von Jahr zu Jahr.
Nach mehreren Jahrzehnten wird der bereits erzielte Anlagegewinn zum wichtigsten Wachstumstreiber. Der stärkste Vermögenszuwachs erfolgt häufig in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren eines langen Anlagezeitraums.
Genau darin liegt das Problem eines späteren Einstiegs. Verlorene Jahre lassen sich nicht vollständig durch eine nur leicht höhere Sparrate ausgleichen. Wer später beginnt, muss deutlich mehr pro Monat investieren, um ein vergleichbares Zielvermögen zu erreichen.
Ein später Start erfordert deutlich höhere Sparraten
Wer erst mit 30 oder 40 Jahren beginnt, für das Alter vorzusorgen, hat weniger Zeit, um Anlageerträge zu erzielen. Dadurch muss ein größerer Teil des späteren Vermögens durch eigene Einzahlungen finanziert werden.
Um sich dem Ergebnis eines Anlegers anzunähern, der bereits mit 20 Jahren begonnen hat, muss die monatliche Sparrate erheblich steigen. Je nach Einstiegsalter und Sparziel können bei gleicher Rendite mehrfach höhere Beiträge notwendig sein.
Ein früher Beginn ermöglicht es dagegen, langfristige Ziele bereits mit vergleichsweise kleinen monatlichen Beträgen zu erreichen. Das reduziert die Belastung des laufenden Haushaltsbudgets und erleichtert es, über viele Jahre konsequent zu sparen.
Ein längerer Zeitraum bietet außerdem mehr Spielraum für Phasen, in denen vorübergehend keine regelmäßigen Einzahlungen möglich sind. Dazu zählen Arbeitslosigkeit, Elternzeit, Weiterbildung, Pflegezeiten oder ein zeitweise niedrigeres Einkommen.
Ein langer Anlagehorizont hilft, Marktschwankungen auszugleichen
Ein früher Start ist nicht nur wegen des Zinseszinseffekts vorteilhaft. Ein langer Anlagezeitraum reduziert auch die Abhängigkeit des Endergebnisses von kurzfristigen Schwankungen an den Kapitalmärkten.
Aktien und Investmentfonds können innerhalb einzelner Monate oder Jahre deutlich an Wert verlieren. Bei einer langfristigen Anlage besteht jedoch mehr Zeit, vorübergehende Kursverluste durch spätere Erholungsphasen auszugleichen.
Historische Kapitalmarktdaten zeigen, dass das Risiko einer negativen Gesamtrendite bei breit gestreuten Aktienanlagen mit zunehmender Anlagedauer sinkt. Kurze Anlagezeiträume sind wesentlich stärker davon abhängig, zu welchem Zeitpunkt Wertpapiere gekauft oder verkauft werden.
Langfristiges Investieren beseitigt Risiken allerdings nicht vollständig. Das Ergebnis hängt unter anderem von der Zusammensetzung des Portfolios, den Gebühren, der Diversifikation, den steuerlichen Rahmenbedingungen und der tatsächlichen Marktrendite ab.
Private Altersvorsorge gewinnt an Bedeutung
Angesichts der alternden Bevölkerung und der zunehmenden Belastung der gesetzlichen Rentenversicherung wird private Vorsorge immer wichtiger. Fachleute und Verbraucherorganisationen weisen darauf hin, dass die gesetzliche Rente für viele Menschen nicht ausreichen dürfte, um den bisherigen Lebensstandard im Ruhestand zu halten.
Deshalb wird empfohlen, frühzeitig zusätzliches Kapital aufzubauen. Für langfristige Sparziele kommen vor allem kostengünstige und breit gestreute Anlageformen mit transparenten Bedingungen infrage.
Selbst eine vergleichsweise kleine monatliche Sparrate kann über mehrere Jahrzehnte zu einem erheblichen Vermögen anwachsen. Entscheidend ist dabei weniger der Versuch, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden, sondern vor allem die Dauer, über die das Geld investiert bleibt.
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