NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat die Mitgliedstaaten des Bündnisses und die Rüstungsindustrie zu einer deutlichen Beschleunigung der Waffen- und Munitionsproduktion aufgerufen. Angesichts der Bedrohungen durch Russland, China und Nordkorea sprach er von der Notwendigkeit einer „Revolution“ in der transatlantischen Verteidigungsindustrie. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf tagesschau.
Die Erklärung fiel am Rande des NATO-Gipfels in Ankara, bei dem die weitere Unterstützung der Ukraine und die Fähigkeit der Verbündeten zur schnellen Aufstockung militärischer Ressourcen zu den zentralen Themen gehören. Nach Ruttes Worten wachsen die Produktionskapazitäten bereits, reichen unter den neuen sicherheitspolitischen Bedingungen aber noch nicht aus.
„Das Summen der Maschinen muss zu einem Dröhnen werden“, sagte der NATO-Generalsekretär an die Vertreter der Verteidigungsindustrie gerichtet. Die Formulierung klinge dramatisch, räumte Rutte ein, das Ziel sei jedoch erreichbar, wenn Regierungen und Unternehmen koordiniert handelten.
Als konkrete Schritte nannte Rutte langfristige Rüstungsaufträge, umfangreiche Investitionen, weniger Bürokratie und eine größere Risikobereitschaft der Industrie. Zugleich betonte er, dass die Nachfrage nach militärischer Produktion bereits vorhanden sei und weiter bestehen werde.
NATO sieht Fortschritte, warnt aber vor Russland
Rutte verwies darauf, dass das Bündnis seine verteidigungsindustrielle Basis in den vergangenen Jahren bereits gestärkt habe. Allein im vergangenen Jahr seien 37 Milliarden Dollar in diesen Bereich investiert worden.
Als Beispiel nannte er die Produktion von Artilleriemunition. Nach Prognosen der NATO könnten die Bündnisstaaten im kommenden Jahr rund vier Millionen Artilleriegeschosse jährlich herstellen. Das wäre fast doppelt so viel wie im vergangenen Jahr.
Gleichzeitig warnte Rutte davor, dass Russland seine Wirtschaft weiter auf Kriegsproduktion ausrichte. Moskau leite fast die Hälfte des Staatshaushalts in seine Kriegsmaschinerie, während die russische Rüstungsindustrie rund um die Uhr arbeite.
Der NATO-Generalsekretär verwies zudem auf die wachsende Zusammenarbeit Russlands mit anderen Staaten, darunter China. Vor diesem Hintergrund forderte er die Verbündeten auf, Entscheidungen zur Produktion von Waffen, Munition und Verteidigungssystemen nicht aufzuschieben.
Ukraine erwartet Entscheidungen zur Luftabwehr und neue Hilfe
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte die NATO-Staaten auf, die ukrainische Luftverteidigung stärker zu unterstützen. Entschlossenere Schritte bei der Luftabwehr müssten zu den wichtigsten Ergebnissen des Gipfels in Ankara gehören.
Die Ukraine rechnet mit neuen Zusagen für militärische Hilfe. Nach bisherigen Berichten könnte Kiew zusätzliche Unterstützung in Höhe von 140 Milliarden Euro zugesagt bekommen.
Selenskyj sprach sich zudem für eine engere Zusammenarbeit mit der NATO und erneut für einen künftigen Beitritt seines Landes zum Bündnis aus. Die ukrainischen Verteidigungsunternehmen gehörten inzwischen zu den stärksten in Europa. Eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine würde aus seiner Sicht das Verteidigungspotenzial des gesamten Bündnisses stärken.
Der ukrainische Präsident soll selbst an Treffen im Rahmen des Gipfels teilnehmen. Auch ein Gespräch mit US-Präsident Donald Trump ist für Mittwochnachmittag geplant.
Merz nennt Ankara möglichen Wendepunkt
Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich vor seiner Abreise in die Türkei optimistisch zur Lage der Ukraine. Der NATO-Gipfel in Ankara könne ein wichtiger Moment im Krieg Russlands gegen die Ukraine werden.
„Ankara kann zu einem Wendepunkt in diesem Krieg werden“, sagte Merz. Der Kreml müsse allmählich erkennen, dass Russland diesen Krieg nicht gewinnen und seine militärischen Ziele nicht erreichen werde.
Der Kanzler bezog sich dabei unter anderem auf eine deutsche Initiative, mit der europäische Verbündete zusätzliche Ressourcen für die Ukraine bereitstellen sollen. Diese Unterstützung soll die ukrainische Verteidigung stärken und die Belastungen eines langen Krieges abfedern.
Vor dem Hintergrund wiederholter Kritik Trumps, der europäischen NATO-Partnern zu geringe Verteidigungsausgaben vorwirft, betonte Merz, Deutschland habe seine Verteidigungsausgaben seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine verdoppelt.
Berlin tue dies nicht, um jemandem einen Gefallen zu erweisen, sagte der Kanzler. Die höheren Ausgaben seien notwendig für die eigene Verteidigung und für die Sicherheit Deutschlands und Europas.
Beim Gipfel richtet sich der Blick auf Trump
US-Präsident Donald Trump traf am Nachmittag in der türkischen Hauptstadt ein. Seine Teilnahme am Gipfel steht besonders im Fokus, weil er sich zuvor wiederholt kritisch über die NATO, Europa und die Verteidigungsausgaben der Verbündeten geäußert hatte.
Bei dieser Auslandsreise nutzte Trump erstmals sein neues Großraumflugzeug, das er im vergangenen Jahr als Geschenk aus Katar erhalten hatte. Die Entscheidung hatte in den USA zuvor für Diskussionen gesorgt.
Auf dem Rollfeld wurde der amerikanische Präsident vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan empfangen, der den NATO-Gipfel in Ankara ausrichtet. Begleitet wird Trump unter anderem von Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Finanzminister Scott Bessent.
Wie sich der US-Präsident beim Gipfel verhalten wird, gilt als eine der zentralen offenen Fragen. Trump hatte europäische NATO-Partner wiederholt dafür kritisiert, zu wenig für gemeinsame Verteidigungsanstrengungen zu tun. Zuletzt warf er europäischen Verbündeten außerdem unzureichende Unterstützung im Krieg gegen Iran vor.
Die wichtigsten Themen des NATO-Gipfels in Ankara
Der NATO-Gipfel in Ankara findet vor dem Hintergrund mehrerer Krisen statt. Zu den zentralen Themen gehören der Krieg Russlands gegen die Ukraine, die Finanzierung der Verteidigung, der Ausbau der Munitionsproduktion, die Rolle der USA im Bündnis und die Sicherheitslage rund um Iran.
Für die Ukraine bleibt die Stärkung der Luftverteidigung das wichtigste Thema. Kiew erwartet nicht nur politische Erklärungen, sondern konkrete Entscheidungen zu Luftabwehrsystemen, Munition und langfristiger militärischer Unterstützung.
Für die europäischen Staaten ist der Gipfel zugleich ein Test, wie schnell sie auf die neue Sicherheitslage reagieren können. Ruttes Forderung nach einer „Revolution“ in der Verteidigungsindustrie zeigt den Kurswechsel der NATO: Rüstungsproduktion wird nicht mehr nur als wirtschaftliche Frage betrachtet, sondern unmittelbar mit der eigenen Sicherheit verbunden.
Ankara ist damit der Ort, an dem die Verbündeten nicht nur über aktuelle Hilfe für die Ukraine beraten, sondern auch über ein langfristiges Modell der Verteidigungsproduktion. Von diesen Entscheidungen hängt ab, ob die NATO die Ukraine weiter unterstützen und zugleich ihre eigenen Waffen- und Munitionsbestände stärken kann.
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