Seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine ist die Zahl toter Delfine an der Küste des Schwarzen Meeres drastisch gestiegen. Ukrainische Biologen führen dies auf den Einsatz militärischer Sonarsysteme, Explosionen von Seeminen, Unterwasserdrohnen sowie auf die zunehmende Verschmutzung des Meeres zurück. Nach vorläufigen Schätzungen könnten seit 2022 insgesamt rund 100.000 Tiere ums Leben gekommen sein. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf zdfheute.
Nationalpark registriert deutlichen Anstieg der Delfinsterblichkeit
Der Biologe und Mitarbeiter des Nationalparks Tuzly-Lagunen, Iwan Russew, berichtet, dass vor dem Krieg jährlich nur wenige tote Delfine im Schutzgebiet gefunden wurden. Allein in der ersten Juniwoche 2026 entdeckten die Ranger jedoch 43 verendete Tiere.
Nach Angaben des Wissenschaftlers werden lediglich etwa fünf Prozent der toten Delfine an die Küste gespült. Der Großteil sinkt auf den Meeresboden, weshalb das tatsächliche Ausmaß der Verluste deutlich höher liegen dürfte. Ähnliche Meldungen über tote Delfine kommen inzwischen auch aus anderen Küstenregionen des Schwarzen Meeres.
Russew schätzt, dass seit Beginn des Krieges rund 100.000 Meeressäuger gestorben sein könnten. Aufgrund der eingeschränkten Forschungsmöglichkeiten handelt es sich jedoch um eine vorläufige Schätzung.
Militärische Aktivitäten setzen Delfinen mehrfach zu
Nach Einschätzung von Biologen gehören leistungsstarke militärische Sonarsysteme zu den wichtigsten Ursachen für das Massensterben. Die intensiven Schallwellen können das Gehör der Delfine dauerhaft schädigen. Dadurch verlieren sie ihre Orientierung und sind nicht mehr in der Lage, erfolgreich Fische zu jagen.
Ohne ausreichende Nahrung verhungern viele Tiere im offenen Meer. Zusätzlich gefährden Explosionen von Seeminen, Unterwasserdrohnen und die anhaltenden militärischen Operationen im Schwarzen Meer die Meeressäuger.
Fachleute betonen, dass diese Belastungen sowohl küstennahe Lebensräume als auch die offenen Meeresgebiete betreffen, in denen die Schwarzmeer-Delfine leben.
Verschmutzung verschärft die Umweltkrise
Neben den direkten Auswirkungen des Krieges verschlechtert auch die zunehmende Verschmutzung die Lage erheblich. Durch Angriffe auf Hafenanlagen gelangen Treibstoffe, Erdölprodukte, Schwermetalle und andere Schadstoffe ins Meer.
Eine weitere Belastung entstand nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms. Über die Flüsse wurden große Mengen chemischer Stoffe und anderer Verunreinigungen in das Schwarze Meer gespült.
Hinzu kommen gesunkene Kriegsschiffe, aus denen Schweröl, Treibstoffe sowie giftige Bestandteile von Munition in die Umwelt gelangen können.
Da Delfine an der Spitze der Nahrungskette stehen, reichern sich Schadstoffe in ihren Körpern besonders stark an, was das Risiko schwerer Vergiftungen erhöht.
Wissenschaftler warnen vor Folgen für das gesamte Ökosystem
Nach Angaben von Iwan Russew könnte der Rückgang der Delfinpopulation das gesamte Ökosystem des Schwarzen Meeres destabilisieren. Veränderungen bei den wichtigsten Meeresräubern wirken sich auf Fischbestände und zahlreiche weitere Arten aus.
Eine umfassende Bewertung der ökologischen Schäden ist derzeit jedoch kaum möglich. Der Krieg erschwert wissenschaftliche Untersuchungen erheblich. Es fehlt an mobilen Laboren, Kraftstoff für Feldarbeiten und finanziellen Mitteln. Zudem leisten viele Mitarbeiter inzwischen Militärdienst.
Nach Einschätzung der Wissenschaftler wird das tatsächliche Ausmaß der Schäden am Ökosystem des Schwarzen Meeres und an den Delfinpopulationen erst nach dem Ende des Krieges vollständig untersucht werden können.
lesen Sie auch: Ukraine meldet Angriffe auf russische Militärflugplätze auf der Krim

