Der bayerische Polstermöbelhersteller Himolla Polstermöbel GmbH hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Das Unternehmen mit Sitz in Taufkirchen setzt den Geschäftsbetrieb zunächst uneingeschränkt fort und will sich in den kommenden Monaten umfassend neu aufstellen. Von dem Verfahren sind rund 850 Beschäftigte am deutschen Hauptstandort betroffen. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf wiwo.
Restrukturierung unter gerichtlicher Aufsicht
Mit dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung weiterhin im Amt, wird jedoch von externen Restrukturierungsexperten begleitet. Gleichzeitig überwacht ein gerichtlich bestellter Sachwalter das Verfahren und vertritt die Interessen der Gläubiger.
Die Restrukturierung wird von Spezialisten der Unternehmensberatung Falkensteg unterstützt. Rechtlich wird das Unternehmen von DMR Legal begleitet, während SGP Schneider Geiwitz als vorläufiger Sachwalter eingesetzt wurde.
Schwache Nachfrage belastet die Möbelindustrie
Als Hauptgründe für den Insolvenzantrag nennt Himolla die anhaltend schwierige Marktlage. Die gesamte europäische Möbelbranche leidet derzeit unter einer schwachen Konsumnachfrage, einer rückläufigen Bautätigkeit sowie einem zunehmenden Preiswettbewerb durch Hersteller aus Niedriglohnländern.
Das Unternehmen konnte seine Marktposition zwar weitgehend behaupten, dennoch reichten die bisherigen Spar- und Restrukturierungsmaßnahmen nicht aus, um Umsatzrückgänge und daraus resultierende Verluste auszugleichen.
Deutsche Möbelhersteller stehen zunehmend unter Druck
Himolla reiht sich in eine wachsende Zahl namhafter deutscher Möbelunternehmen ein, die in den vergangenen Monaten Insolvenz anmelden mussten. Bereits zuvor hatten unter anderem Hülsta, König + Neurath und Interlübke entsprechende Verfahren eingeleitet.
Die deutsche Möbelindustrie erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 15,8 Milliarden Euro und verzeichnete damit einen Rückgang von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark betroffen ist das Segment der Polstermöbel. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 gingen die Umsätze in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 13 Prozent zurück.
Betrieb läuft vorerst ohne Einschränkungen weiter
Nach Angaben des Unternehmens wird die Produktion in Taufkirchen zunächst unverändert fortgeführt. Bestehende Kundenaufträge sollen planmäßig abgearbeitet und Lieferverpflichtungen vollständig erfüllt werden.
Die rund 850 Beschäftigten am Hauptstandort erhalten für die Monate Juni, Juli und August 2026 Insolvenzgeld. Ob die Restrukturierung später zu einem Stellenabbau führen wird, ist derzeit noch offen.
Investorensuche soll Zukunft des Unternehmens sichern
In den kommenden Monaten sollen die Kostenstruktur überprüft, Verträge mit Kunden und Lieferanten angepasst sowie ein Investor gesucht werden. Ziel ist es, das Kerngeschäft langfristig zu stabilisieren und die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens zu sichern.
Die Himolla-Gruppe beschäftigt insgesamt mehr als 2.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von knapp 190 Millionen Euro. Die Tochtergesellschaften in Polen, Rumänien, der Slowakei und Ungarn sind von dem in Deutschland eingeleiteten Insolvenzverfahren nicht betroffen und setzen ihre Geschäftstätigkeit unverändert fort.
lesen Sie auch: Großer Kartonhersteller in Deutschland insolvent: 220 Arbeitsplätze bedroht

