In Sachsen findet erneut eine der bekanntesten deutschen Rallyes für historische Fahrzeuge statt: die Sachsen Classic 2026. In diesem Jahr sind rund 160 Teams gemeldet. Das Starterfeld reicht von sportlichen Modellen der frühen 1950er-Jahre bis zu repräsentativen Limousinen aus den 1970er-Jahren. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf auto-motor-und-sport.
Die 23. Ausgabe der Sachsen Classic findet am 14. und 15. August 2026 statt. Die Gesamtstrecke beträgt rund 530 Kilometer. Sie führt durch Sachsen und Tschechien, unter anderem durch die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge.
Bei der Veranstaltung geht es nicht in erster Linie um Höchstgeschwindigkeit. Entscheidend sind präzise Zusammenarbeit im Cockpit, die Einhaltung vorgegebener Zeiten und die Bewältigung von Wertungsprüfungen. Im Mittelpunkt stehen jedoch traditionell die Fahrzeuge selbst. Unter den zahlreichen Teilnehmern fallen fünf Klassiker besonders auf, weil sie für ihre Hersteller oder für ihre jeweilige Epoche eine besondere technische Bedeutung hatten.
Jaguar XK120 SE: Vom Ausstellungsstück zum erfolgreichen Sportwagen
Die Geschichte des Jaguar XK120 begann bereits 1948. Ursprünglich hatte der britische Hersteller das Fahrzeug vor allem entwickelt, um einen neuen Motor öffentlich zu präsentieren. Die Resonanz fiel jedoch so positiv aus, dass Jaguar das Modell anschließend in Serie produzierte.
Die Zahl 120 im Modellnamen bezog sich auf die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 120 Meilen pro Stunde, also etwa 193 km/h. Damit gehörte der zweisitzige Roadster in den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren zu den schnellsten Serienautos seiner Zeit.
Unter der Haube arbeitete ein 3,4 Liter großer Reihensechszylinder. Eine technische Besonderheit waren die zwei obenliegenden Nockenwellen. Eine solche DOHC-Konstruktion war damals bei Serienfahrzeugen noch vergleichsweise fortschrittlich.
Bei der Sachsen Classic 2026 startet ein Jaguar XK120 aus dem Jahr 1953 in der Version SE, kurz für Special Equipment. In dieser Ausführung leistet der Motor rund 180 PS.
Die SE-Version unterschied sich nicht nur durch die höhere Motorleistung vom Standardmodell. Sie verfügte außerdem über eine straffere Fahrwerksabstimmung und typische Speichenräder.
Pilotiert wird der Jaguar bei der Sachsen Classic von Stefan Hess und Tanja Scheuermann.
Mercedes-Benz 300 SL: Straßenversion eines Rennwagens
Ein weiterer prominenter Teilnehmer gehört zu den bekanntesten Klassikern von Mercedes-Benz: das Mercedes-Benz 300 SL Coupé der Baureihe W198 aus dem Jahr 1955.
Seine Wurzeln liegen im Rennwagen W194. Nach dessen sportlichen Erfolgen entschied sich Mercedes-Benz, eine Straßenversion zu entwickeln. Die Serienproduktion des 300 SL Coupé begann 1954.
Zum Markenzeichen des Modells wurden die nach oben öffnenden Flügeltüren. Ihre ungewöhnliche Konstruktion hatte nicht nur gestalterische Gründe.
Der 300 SL basierte auf einem leichten Gitterrohrrahmen, der unter der Leitung von Rudolf Uhlenhaut entwickelt worden war. Teile dieser Konstruktion verliefen relativ hoch an den Fahrzeugseiten. Dadurch entstanden hohe Seitenschweller, die den Einbau konventioneller Türen erschwerten.
Die Lösung waren Türen, deren Scharniere im Dachbereich lagen. Dadurch erhielt der 300 SL seine bis heute charakteristische Silhouette.
Angetrieben wurde das Coupé von einem 3,0-Liter-Reihensechszylinder des Typs M198. Eine wichtige technische Besonderheit war die Benzin-Direkteinspritzung.
Je nach Ausführung leistete der Motor zwischen etwa 200 und 215 PS. Für einen Straßenwagen der Mitte der 1950er-Jahre waren das außergewöhnlich hohe Werte.
Insgesamt entstanden rund 1.400 Exemplare des 300 SL Coupé. 1957 endete die Produktion der geschlossenen Variante, anschließend wurde der 300 SL als Roadster weitergebaut.
Bei der Sachsen Classic ist ein Exemplar von 1955 mit 215 PS dabei. Am Steuer sitzen Hans-Jürgen Benze und Dr. Sabine Benze.
Ferrari 250 GT Lusso: V12-Leistung mit Gran-Turismo-Komfort
Die italienische Sportwagentradition wird bei der Sachsen Classic 2026 unter anderem durch einen Ferrari 250 GT Lusso aus dem Jahr 1964 vertreten.
Das Modell kam Anfang der 1960er-Jahre als stärker auf den Straßeneinsatz ausgerichtete Variante innerhalb der Ferrari-250-Familie auf den Markt. Ferrari wollte dabei sportliche Fahrleistungen mit mehr Komfort für längere Reisen kombinieren.
Das Karosseriedesign stammte von Pininfarina. Unter der Haube arbeitete ein 3,0-Liter-V12, der in verschiedenen Varianten der 250-Baureihe eingesetzt wurde.
Der 250 GT Lusso behielt den vergleichsweise kurzen Radstand der späteren 250-Modelle bei. Sein Charakter unterschied sich jedoch von den deutlich kompromissloseren Berlinetta-Versionen.
Der Schwerpunkt lag stärker auf dem klassischen Gran-Turismo-Konzept: hohe Leistung, sportliche Fahrleistungen und gleichzeitig ausreichend Komfort für längere Strecken.
Genau diese Kombination machte den Lusso zu einer besonderen Variante innerhalb der Ferrari-250-Familie.
Bei der Sachsen Classic 2026 startet ein Ferrari 250 GTL von 1964. Sein Zwölfzylindermotor leistet rund 240 PS.
Gefahren wird das Fahrzeug von Carsten Jantzen und Silke Stenzel.
Ford OSI 20M TS: Seltenes italienisches Coupé mit Ford-Technik
Zu den ungewöhnlichsten Fahrzeugen im Starterfeld gehört der Ford OSI 20M TS aus dem Jahr 1967.
Hinter der Abkürzung OSI verbirgt sich das italienische Unternehmen Officine Stampaggi Industriali. Die Firma produzierte Karosserien und baute in kleinen Serien eigene Fahrzeuge auf Basis der Technik großer Hersteller.
Beim Ford OSI 20M TS diente der Ford 20M als technische Grundlage. Optisch hatte das Coupé allerdings nur wenig mit dem regulären Serienmodell gemeinsam.
Die Karosserie wurde vom italienischen Designer Sergio Sartorelli entworfen. Das Konzept entstand Mitte der 1960er-Jahre in Turin.
So entstand ein Fahrzeug, das relativ verbreitete Ford-Technik mit einer eigenständigen italienischen Coupé-Karosserie kombinierte. Dieses Konzept ermöglichte die Produktion exklusiver Kleinserienmodelle, ohne dafür eine komplett neue technische Plattform entwickeln zu müssen.
Die Produktionszeit des Ford OSI 20M TS war allerdings sehr kurz. Das Coupé wurde lediglich 1967 und 1968 gebaut.
Danach geriet OSI in wirtschaftliche Schwierigkeiten und stellte seine Tätigkeit ein. Aufgrund der geringen Stückzahl und der kurzen Produktionsdauer sind erhaltene Exemplare heute entsprechend selten.
Bei der Sachsen Classic wird ein Fahrzeug mit 2,3-Liter-V6 und 107 PS eingesetzt.
Am Steuer sitzen Andreas Gühmann und Marc Linder.
BMW E3 3.3 Li: Rückkehr in die automobile Oberklasse
Das jüngste Fahrzeug unter den fünf ausgewählten Klassikern ist ein BMW E3 3.3 Li aus dem Jahr 1976.
Die E3-Baureihe war für BMW von großer strategischer Bedeutung. Ende der 1960er-Jahre kehrte der Hersteller nach längerer Pause wieder stärker in das Segment großer Oberklasse-Limousinen zurück.
Das Modell kam 1968 auf den Markt und sollte vor allem mit großen Mercedes-Modellen konkurrieren, darunter zunächst die Baureihen W108 und W109 und später der W116.
Zum Einsatz kamen die bekannten BMW-Reihensechszylinder der Motorenfamilie M30. Diese Konstruktion erwies sich als langlebig und wurde über viele Jahre hinweg weiterentwickelt und in verschiedenen BMW-Modellen verwendet.
Im Laufe der Produktionszeit wurde das Angebot des E3 erweitert. BMW brachte stärkere Motorisierungen, Varianten mit längerem Radstand und komfortabler ausgestattete Versionen auf den Markt.
Das L in einzelnen Modellbezeichnungen stand für die Langversion. Sie bot vor allem den Passagieren im Fond mehr Platz und richtete sich an Kunden mit höheren Komfortansprüchen.
Zu den späteren Varianten gehörte der 3.3 Li mit Einspritzanlage. Trotz der Modellbezeichnung 3.3 beträgt der tatsächliche Hubraum des Motors rund 3,2 Liter.
Bei der Sachsen Classic 2026 fährt ein BMW E3 3.3 Li von 1976 mit 200 PS mit.
Das Fahrzeug startet für das Team Union Glashütte. Am Steuer sitzt der deutsche Schauspieler und Musiker Christoph Letkowski.
Sachsen Classic 2026 führt durch Sachsen und Tschechien
Insgesamt sind bei der Sachsen Classic 2026 rund 160 Teams gemeldet. Die diesjährige Strecke ist etwa 530 Kilometer lang und führt sowohl durch Deutschland als auch durch das benachbarte Tschechien.
Zum Verlauf gehören unter anderem Straßen in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge. Traditionell stehen bei der Rallye Gleichmäßigkeit, präzises Timing und die korrekte Bewältigung der Prüfungen im Mittelpunkt.
Auch Fahrzeuge mit leistungsstarken Motoren treten daher nicht zu einem klassischen Hochgeschwindigkeitsrennen an. Die Teams müssen vorgegebene Zeiten einhalten, Kontrollpunkte korrekt passieren und verschiedene Aufgaben auf Wertungsabschnitten absolvieren.
Das Starterfeld umfasst sowohl bekannte Serienmodelle als auch Fahrzeuge, die nur in kleinen Stückzahlen gebaut wurden. Jaguar XK120 SE, Mercedes-Benz 300 SL, Ferrari 250 GT Lusso, Ford OSI 20M TS und BMW E3 3.3 Li stehen dabei für sehr unterschiedliche technische und konzeptionelle Ansätze der Automobilindustrie zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren.
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