Eine groß angelegte Einsatzübung in Thüringen hat erhebliche Probleme bei der Alarmierung von Rettungskräften offengelegt. Nach dem Übungsszenario war ein ICE mit rund 100 Fahrgästen nach einem Brand in einem Tunnel liegen geblieben. Die ersten Einsatzkräfte erreichten den Ort jedoch erst mehr als zwei Stunden nach dem Notruf. Thüringens Innenminister Georg Maier beobachtete die Übung vor Ort. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf Вild.
Im Tunnel wurde ein Brand in einem Zug mit 100 Fahrgästen simuliert
Die Übung fand im Ilm-Kreis statt und konzentrierte sich auf eines der anspruchsvollsten Szenarien im Bahnverkehr: einen Brand in einem voll besetzten Personenzug innerhalb eines Tunnels.
Nach dem Szenario kam ein ICE im 1320 Meter langen Sandbergtunnel auf der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Erfurt zum Stillstand. Im Zug befanden sich rund 100 Fahrgäste, einige von ihnen galten als schwer verletzt.
Mehr als 250 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und weiteren Behörden nahmen an der Übung teil. Statisten übernahmen die Rollen der Passagiere und wurden mit unterschiedlichen simulierten Verletzungen versehen.
Die Organisatoren wollten testen, wie gut Bahndisponenten, Leitstellen und örtliche Rettungskräfte in einer Situation zusammenarbeiten, in der jede Minute entscheidend sein kann.
Erste Rettungskräfte kamen erst nach mehr als zwei Stunden
Das größte Problem der Übung war die Reaktionszeit.
Der Lokführer setzte gegen 10.15 Uhr einen Notruf an die zuständige Bahnleitstelle ab. Vorgesehen war, dass die ersten spezialisierten Einsatzkräfte den Tunnel innerhalb von etwa 10 bis 25 Minuten erreichen sollten.
Tatsächlich trafen die ersten Einsatzfahrzeuge erst zwei Stunden und sieben Minuten nach dem ursprünglichen Notruf ein.
Diese Verzögerung entwickelte sich zu einem der zentralen Punkte der gesamten Übung. Feuerwehrvertreter betonten, dass bei einem echten Brand in einem Tunnel die Zeit aufgrund von Rauch, großer Hitze und eingeschränkten Fluchtmöglichkeiten besonders entscheidend sei.
Ein Feuerwehrfachmann erklärte gegenüber regionalen Medien, eine derart lange Verzögerung hätte bei einem tatsächlichen Unglück äußerst schwere Folgen für die Fahrgäste haben können.
Warum die Feuerwehr so spät alarmiert wurde
Nach vorläufigen Erkenntnissen lag die Ursache offenbar in Problemen bei der Weitergabe der Informationen zwischen mehreren Leitstellen.
Nachdem der Lokführer den Notruf abgesetzt hatte, soll die Bahnleitstelle die zuständige Zentrale Leitstelle in Thüringen erst etwa 30 Minuten später über den Notfall informiert haben.
Anschließend soll es weitere rund 30 Minuten gedauert haben, bis die örtlichen Feuerwehren alarmiert wurden. Auch danach kam es offenbar zu zusätzlichen Verzögerungen bei der Entsendung der Einsatzkräfte zum Tunnel.
Das Problem betraf damit nicht nur die eigentliche Anfahrt der Feuerwehr, sondern bereits die gesamte Alarmierungskette zwischen den beteiligten Stellen.
Die genauen Ursachen des Ablaufs sollen nun untersucht werden.
Die Übung wurde mehr als zwei Jahre vorbereitet
Bei der Aktion handelte es sich nicht um eine gewöhnliche lokale Feuerwehrübung. Das umfangreiche Szenario war mehr als zwei Jahre lang vorbereitet worden.
Thüringens Innenminister Georg Maier verfolgte die Übung direkt vor Ort. Sie sollte zeigen, wie effektiv verschiedene Behörden bei einem schweren Zwischenfall auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zusammenarbeiten können.
Daniel Baumbach, Sprecher des Thüringer Innenministeriums, bestätigte, dass es bei der Ankunft mehrerer für Tunneleinsätze vorgesehener Einheiten zu einer erheblichen Verzögerung gekommen sei.
Nach Angaben des Ministeriums traten Schwierigkeiten bei der Alarmierung auf. Fachleute sollen nun den gesamten Ablauf rekonstruieren und klären, an welcher Stelle die Informationskette nicht wie vorgesehen funktioniert hat.
Das Innenministerium betonte, dass solche Übungen gerade dazu dienen, Schwachstellen zu erkennen, bevor es zu einem echten Notfall kommt.
Auch bei den Warnmeldungen für die Bevölkerung gab es Probleme
Die Schwierigkeiten während der Großübung beschränkten sich nicht auf die Arbeit der Rettungskräfte.
Nach dem vorgesehenen Ablauf sollten Warnmeldungen über die deutschen Warn-Apps NINA und KATWARN an die Bevölkerung verschickt werden.
Allerdings erreichten die Testwarnungen offenbar nicht alle Nutzer, die eine entsprechende Benachrichtigung erhalten sollten.
Auch dieser Punkt soll in die abschließende Auswertung der Übung einfließen. Die zuständigen Stellen wollen sowohl die Geschwindigkeit der Alarmierung von Einsatzkräften als auch die Funktionsfähigkeit der Warnsysteme für die Bevölkerung überprüfen.
Die Ergebnisse der Analyse sollen genutzt werden, um die Abläufe bei möglichen Unfällen und Bränden in Eisenbahntunneln zu verbessern.

