Walter Lehnertz, einer der bekanntesten Händler der erfolgreichen ZDF-Sendung „Bares für Rares“, hat sich deutlich zur politischen Zukunft Deutschlands geäußert. Der 59-jährige Kunst- und Antiquitätenhändler sagte, dass er das Land verlassen könnte, sollte die AfD die Regierung übernehmen. Zugleich berichtete er über Betrüger, die den Namen der Sendung missbrauchen, über persönliche Drohungen und über gefälschte Meldungen zu seinem angeblichen Tod. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf t-online.
Lehnertz, den das Publikum vor allem unter seinem Spitznamen Waldi kennt, gehört seit dem Start von „Bares für Rares“ fest zur Sendung. Seine Bekanntheit habe ihm jedoch nicht nur Popularität gebracht, sondern auch Probleme, die inzwischen weit über den Fernsehalltag hinausgehen.
Betrüger nutzen den Bekanntheitsgrad von „Bares für Rares“
Ein zentraler Punkt des Interviews waren Betrugsfälle, bei denen Kriminelle offenbar gezielt das Vertrauen in die bekannte ZDF-Sendung ausnutzen.
Nach Angaben von Lehnertz gibt es solche Fälle bereits seit Jahren. Betrüger treten als Händler auf oder erwecken den Eindruck, in irgendeiner Form mit „Bares für Rares“ verbunden zu sein. Anschließend wenden sie sich an Menschen, die Gold, Pelze, Teppiche, Militaria oder andere Wertgegenstände verkaufen möchten.
Besonders häufig geraten ältere Menschen ins Visier.
Eine der bekannten Maschen beginnt mit Anzeigen, in denen hohe Summen für alte Pelze versprochen werden. Interessenten vereinbaren einen Hausbesuch. Vor Ort fragen die angeblichen Käufer dann zusätzlich nach Schmuck oder Gold.
Lehnertz schilderte ein Beispiel: Ein Betroffener legt Gold im tatsächlichen Wert von etwa 3.000 Euro auf den Tisch. Der vermeintliche Händler bietet dafür lediglich 800 Euro und erklärt, der niedrige Betrag sei gerechtfertigt, weil gleichzeitig auch die Pelze gekauft würden.
Das Geld für das Gold werde sofort ausgezahlt. Für die Pelze solle am nächsten Tag angeblich ein Kollege mit dem restlichen Geld erscheinen.
Mitunter zeigten die Täter sogar ein mit Pelzen gefülltes Auto, um glaubwürdiger zu wirken.
Der angekündigte Kollege tauche anschließend jedoch nicht mehr auf. Das Ergebnis: Wertvolles Gold werde für einen Bruchteil seines tatsächlichen Werts abgegeben.
Waldi warnt: Händler der Sendung machen keine solchen Hausbesuche
Nach Ansicht von Lehnertz liegt ein Teil des Problems darin, dass betrügerische Anzeigen gezielt Assoziationen mit „Bares für Rares“ hervorrufen können.
In den Anzeigen werden etwa der Ankauf von Gold, Teppichen oder Pelzen und eine Telefonnummer genannt. Manche Menschen gehen deshalb davon aus, dass tatsächlich jemand aus dem Umfeld der Sendung zu ihnen nach Hause kommt.
Lehnertz stellte klar, dass Händler von „Bares für Rares“ solche Hausbesuche nicht durchführen.
Er entschied sich erneut für eine öffentliche Warnung, nachdem sich ein weiterer Betroffener beziehungsweise Kunde bei ihm gemeldet hatte. Seine Bitte: Die Hinweise sollten weitergegeben und besonders ältere Angehörige und Bekannte informiert werden.
Niemand solle einem unbekannten Käufer allein deshalb vertrauen, weil dieser behauptet, mit der bekannten Fernsehsendung verbunden zu sein.
Wie hoch der finanzielle Schaden durch solche Betrugsmodelle insgesamt ist, konnte Lehnertz nicht beziffern. Er machte jedoch deutlich, wie lukrativ die Masche sein kann, wenn ein Gegenstand im Wert von mehreren Tausend Euro für lediglich 800 oder 1.000 Euro erworben wird.
Ihm seien zudem Fälle bekannt geworden, in denen sich Personen ausdrücklich als Mitarbeiter von „Bares für Rares“ ausgegeben hätten.
Bekanntheit brachte Walter Lehnertz Drohungen und Beleidigungen
Der Erfolg der Sendung hat für Lehnertz nach eigenen Angaben noch eine andere Schattenseite.
Er erhalte regelmäßig zahlreiche E-Mails, Anrufe und Nachrichten. Darunter seien nicht nur Beleidigungen, sondern auch konkrete Drohungen.
Wegen solcher Vorfälle habe er bereits die Polizei eingeschaltet.
Für Lehnertz ist die Heftigkeit der Reaktionen schwer nachvollziehbar. Er arbeite als Kunst- und Antiquitätenhändler in einer Unterhaltungssendung und schade damit niemandem.
Als mögliche Gründe sieht er unter anderem Neid und eine allgemeine Unzufriedenheit einzelner Menschen.
Besonders auffällig sei, dass manche Absender nicht nur einmal schreiben. Einige würden ihn über Jahre hinweg immer wieder kontaktieren oder wöchentlich beleidigende Nachrichten verschicken.
Kritik an einer öffentlichen Person hält Lehnertz grundsätzlich für legitim. Wiederholte Beschimpfungen und Drohungen hätten damit aus seiner Sicht jedoch nichts mehr zu tun.
Im Netz kursierten falsche Meldungen über seinen Tod
Ein weiteres Problem sind erfundene Geschichten über das Privatleben des TV-Händlers.
Im Internet wurden unter anderem Meldungen verbreitet, wonach Walter Lehnertz angeblich gestorben sei. Manche dieser Beiträge enthielten sogar frei erfundene Details über seine Familie und die angeblichen Todesumstände.
So soll unter anderem behauptet worden sein, seine Kinder seien ausgezogen und er selbst liege tot auf einem Sofa.
Nach seinen Angaben beschäftigte sich wegen solcher Geschichten sogar die Polizei mit dem Fall.
Lehnertz sieht darin ein wachsendes Problem, das durch künstliche Intelligenz zusätzlich verschärft werde. Gefälschte Meldungen ließen sich schneller erstellen und innerhalb kürzester Zeit über soziale Netzwerke verbreiten.
Einmal habe ihn sogar seine Schwester angerufen, nachdem sie entsprechende Berichte gesehen hatte. Sie wollte wissen, ob er tatsächlich schwer krank oder bereits gestorben sei.
Für Angehörige mit gesundheitlichen Problemen könnten solche Falschmeldungen nach Einschätzung von Lehnertz besonders belastend sein.
Walter Lehnertz denkt nicht ans Aufhören
2027 wird Lehnertz 60 Jahre alt. Einen Rückzug aus dem Berufsleben plant er dennoch nicht.
Er sagte, dass er regelmäßig medizinische Untersuchungen wahrnehme und auf seine Gesundheit achte. Trotz der Drohungen, Beleidigungen und Belastungen, die seine Bekanntheit mit sich bringt, wolle er seine Arbeit nicht aufgeben.
Der Grund sei einfach: Sie mache ihm weiterhin großen Spaß.
Lehnertz bleibt damit sowohl als Kunst- und Antiquitätenhändler als auch als fester Bestandteil von „Bares für Rares“ aktiv.
Gleichzeitig räumt er ein, dass sich sein Alltag durch die Bekanntheit grundlegend verändert habe. Neben positiven Begegnungen mit Zuschauern gehören inzwischen auch Gerüchte, unerwünschte Nachrichten und Versuche von Betrügern dazu, seinen Namen und den Ruf der Sendung für eigene Zwecke zu nutzen.
Lehnertz kann sich einen Wegzug aus Deutschland vorstellen
Im Interview wurde Walter Lehnertz auch gefragt, ob er sich vorstellen könne, Deutschland irgendwann zu verlassen.
Seine Antwort fiel eindeutig aus.
Entscheidend wäre für ihn die politische Entwicklung des Landes. Sollte es den derzeitigen Parteien nicht gelingen, die politische Situation zu stabilisieren, und sollte eine Kraft an die Regierung kommen, deren politische Ausrichtung er mit seinen Vorstellungen von Demokratie für unvereinbar hält, würde er einen Wegzug in Betracht ziehen.
Auf die konkrete Nachfrage, ob damit die AfD gemeint sei, antwortete Lehnertz mit Ja.
Auch die Frage, ob er Deutschland verlassen würde, falls die AfD die Regierung übernehme, bestätigte er.
Als mögliches Ziel nannte der „Bares für Rares“-Händler Mallorca.
Er könne sich vorstellen, auf einer Finca auf der spanischen Insel zu leben. Entscheidend sei für ihn, nicht in einem Land bleiben zu müssen, in dem nach seiner Einschätzung eine Partei an der Macht wäre, die die demokratische Grundordnung gefährde.
Lehnertz machte deutlich, dass er unter solchen Umständen nicht in Deutschland leben wolle.
So stellt sich Lehnertz den nächsten Bundespräsidenten vor
Im Interview ging es außerdem um das Amt des Bundespräsidenten.
Die zweite Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier endet 2027. In Deutschland wird immer wieder darüber diskutiert, ob künftig auch eine Person ohne klassische parteipolitische Karriere dieses Amt übernehmen könnte.
Lehnertz würde sich nach eigenen Worten eine möglichst politisch unabhängige Persönlichkeit wünschen.
Ein Bundespräsident mit größerer Distanz zu den Parteien könnte seiner Ansicht nach dazu beitragen, politische Grabenkämpfe und interne Auseinandersetzungen zu entschärfen.
Einen konkreten Namen nannte der TV-Händler nicht. Für ihn stehe vor allem die politische Unabhängigkeit des künftigen Staatsoberhauptes im Vordergrund.
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