Es war eines der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse des Silicon Valley, doch nun herrscht Gewissheit: Apple hat am Montag, den 26. Januar 2026, offiziell die zweite Generation seines Verkaufsschlagers AirTag vorgestellt. Fast fünf Jahre nach dem Debüt des ursprünglichen Trackers im Jahr 2021 bringt der Tech-Gigant aus Cupertino ein Gerät auf den Markt, das äußerlich kaum verändert wirkt, im Inneren jedoch mit massiven technologischen Upgrades aufwartet. Wer sich neben technologischen Neuerungen auch für juristische Fragen rund um Eigentum und Verbraucherschutz interessiert, findet in unserem Ratgeber für Bank- und Verbraucherrecht weiterführende Informationen, doch heute blicken wir tief in die Hardware, die das Wiederfinden von verlorenen Gegenständen neu definiert.
Der AirTag 2 kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das „Wo ist?“-Netzwerk (Find My) bereits eine globale Dominanz erreicht hat. Doch mit der Marktmacht wuchs auch die Kritik – insbesondere in Bezug auf Stalking-Sicherheit und die begrenzte Reichweite der Präzisionssuche. Mit dem neuen Modell adressiert Apple genau diese Punkte und integriert Technologien, die wir bereits aus dem iPhone 16 und 17 sowie der Apple Watch Ultra kennen.
Der U2-Chip: Das Herzstück der neuen Generation
Die signifikanteste Neuerung verbirgt sich unter der unscheinbaren weißen Kunststoffhaube: der Wechsel vom U1- auf den U2-Ultra-Wideband-Chip (UWB). Dieser Schritt war erwartet worden, seine Auswirkungen auf die Alltagstauglichkeit sind jedoch enorm. Wie n-tv in seiner aktuellen Berichterstattung detailreich ausführt, ermöglicht der neue Chip eine drastisch erhöhte Reichweite für das sogenannte „Precision Finding“.
Während Nutzer der ersten Generation oft bis auf wenige Meter an das verlorene Objekt herantreten mussten, um den präzisen Richtungspfeil auf dem iPhone zu sehen, soll der AirTag 2 diese Distanz mehr als verdoppeln. In ersten Testszenarien wird von einer stabilen Präzisionsortung auf bis zu 60 Meter Entfernung bei freier Sicht gesprochen. Technisch möglich wird dies durch eine 7-Nanometer-Fertigung des Chips, die nicht nur leistungsfähiger, sondern auch energieeffizienter ist.
Für den Endverbraucher bedeutet dies: Der Schlüsselbund, der irgendwo im weitläufigen Großraumbüro oder tief im Garten liegt, lässt sich nun deutlich schneller lokalisieren, ohne dass man erst ziellos durch den Raum wandern muss, bis das Signal erfasst wird.
Endlich hörbar: Das Audio-Upgrade
Ein oft genannter Kritikpunkt am Vorgänger war die Lautstärke des integrierten Lautsprechers. Besonders wenn der AirTag tief in einer Polsterritze steckte oder sich in einer gut gefütterten Winterjacke befand, war das akustische Signal oft kaum wahrnehmbar. Apple hat hier nachgebessert und verspricht eine um 50 Prozent höhere Maximallautstärke.
Dies wurde nicht durch eine Vergrößerung des Gehäuses erreicht, sondern durch eine optimierte Nutzung des Resonanzraums im Inneren des Trackers. Das „Piepen“ ist nun nicht nur lauter, sondern deckt auch ein breiteres Frequenzspektrum ab, was es für das menschliche Ohr einfacher macht, die Richtung der Schallquelle zu bestimmen. Gerade für ältere Nutzer oder Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen ist dies ein entscheidendes Barrierefreiheits-Feature.
Integration mit der Apple Watch: Das Handgelenk als Kompass
Mit dem Release von watchOS 26.2.1, das zeitgleich mit dem AirTag 2 ausgerollt wird, schließt Apple eine Lücke in seinem Ökosystem. War die Präzisionssuche bisher exklusiv dem iPhone vorbehalten, können nun auch Besitzer einer Apple Watch Series 9, Series 10 oder der Ultra-Modelle ihre Uhr nutzen, um den AirTag zu finden.
Das haptische Feedback der Taptic Engine an der Uhr leitet den Nutzer dabei subtil in die richtige Richtung. Dies ist besonders praktisch in Situationen, in denen man keine Hand frei hat, um das Smartphone zu halten – etwa beim Tragen von Einkaufstüten oder auf Reisen mit schwerem Gepäck. Es unterstreicht Apples Strategie, die Apple Watch immer mehr zu einem eigenständigen Gerät zu machen, das nicht mehr nur als verlängertes Display des iPhones fungiert.
Ein Segen für Reisende: Die „Share Item Location“ und Airline-Kooperation
Vielleicht die relevanteste Neuerung für Vielflieger ist die Software-Integration, die Apple parallel zur Hardware vorstellt. Mit „Share Item Location“ können Nutzer den Standort ihres Gepäckstücks temporär und sicher mit Dritten teilen. Apple hat hierfür Partnerschaften mit über 50 Fluggesellschaften weltweit, darunter die Lufthansa Gruppe und Delta, sowie dem Luftfahrt-IT-Dienstleister SITA geschlossen.
Das Szenario ist bekannt und gefürchtet: Der Koffer kommt nicht am Gepäckband an. Bisher konnten Passagiere zwar auf ihrem iPhone sehen, dass der Koffer noch am Abflughafen steht, das Bodenpersonal hatte jedoch keinen Zugriff auf diese Daten. Mit dem neuen Feature kann der Nutzer einen temporären, verschlüsselten Link generieren, der den Standort des AirTags direkt in die Systeme der Airline einspeist.
Dies hat auch eine rechtliche Dimension. Wenn Passagiere beweisen können, wo sich ihr Eigentum befindet, stärkt dies ihre Position bei Entschädigungsansprüchen nach dem Montrealer Übereinkommen. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie Verbrauchertechnologie genutzt werden kann, um Serviceprozesse in der realen Welt zu beschleunigen und Rechte durchzusetzen.
Batterie und Design: Bewährtes mit kleinen Tweaks
Entgegen einiger Gerüchte, die auf einen fest verbauten, wiederaufladbaren Akku spekulierten, bleibt Apple der CR2032-Knopfzelle treu. Dies ist aus Sicht der Langlebigkeit und Nachhaltigkeit eine positive Entscheidung. Ein fest verbauter Akku hätte den AirTag nach einigen Jahren zu Elektroschrott gemacht. Die Knopfzelle hingegen lässt sich einfach und kostengünstig tauschen.
Apple hat jedoch den Öffnungsmechanismus überarbeitet. Um die Sicherheit für Kinder zu erhöhen – es gab Berichte über verschluckte Batterien beim Vorgängermodell – ist der Drehmechanismus nun schwergängiger und erfordert eine präzise „Drück-und-Dreh“-Bewegung, ähnlich wie bei Medikamentenfläschchen.
Das Gehäuse besteht nun zu einem noch größeren Anteil aus recycelten Materialien, was Apples selbstgesteckten Umweltzielen bis 2030 Rechnung trägt. Die IP67-Zertifizierung für Wasser- und Staubschutz bleibt bestehen, sodass auch ein Fall in eine Pfütze dem Tracker nichts anhaben kann.
Datenschutz im Fokus: Die Antwort auf die Stalking-Debatte
Kein Produkt hat in den letzten Jahren eine so heftige Debatte über digitale Sicherheit ausgelöst wie der erste AirTag. Apple hat darauf reagiert und die Sicherheitsfeatures im AirTag 2 fest in der Hardware verankert.
Die „Unwanted Tracking Alerts“ (Warnungen vor unerwünschtem Tracking) reagieren nun noch schneller. Wenn sich ein fremder AirTag 2 mit einer Person bewegt, erkennt das System dies durch verbesserte Algorithmen deutlich früher als zuvor. Zudem erschwert Apple das physische Entfernen des Lautsprechers – eine Methode, die Kriminelle nutzten, um AirTags „stumm“ zu machen. Der Lautsprecher ist nun so fest mit der Platine und dem Gehäuse verbunden, dass ein Ausbau ohne Zerstörung des Geräts kaum möglich ist.
Zusätzlich kooperiert Apple weiterhin mit Google, um sicherzustellen, dass auch Android-Nutzer zuverlässig gewarnt werden, wenn ihnen ein AirTag untergeschoben wurde. Diese plattformübergreifende Allianz ist essenziell, um den Missbrauch der Technologie einzudämmen.
Marktkontext: Warum jetzt?
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung, kurz nach dem Weihnachtsgeschäft und vor den großen Frühjahrs-Reisewellen, ist taktisch klug gewählt. Der Markt für Bluetooth-Tracker ist in den letzten fünf Jahren explodiert. Konkurrenten wie Tile oder Chipolo haben ebenfalls nachgelegt, und Google baut sein eigenes „Find My Device“-Netzwerk für Android massiv aus.
Mit dem AirTag 2 zementiert Apple jedoch seinen Anspruch auf die Marktführerschaft im Premium-Segment. Der Preis bleibt mit 35 Euro (UVP für den Einzeltracker) und 119 Euro für das 4er-Pack stabil, was angesichts der Inflation und der technischen Verbesserungen fast schon als Preissenkung gewertet werden kann.
Fazit und Ausblick
Der AirTag 2 ist keine Neuerfindung des Rades, aber er macht das Rad deutlich runder. Für Besitzer der ersten Generation gibt es – solange die Batterien noch halten – keinen zwingenden Grund, sofort alle Tracker auszutauschen. Doch für Neueinsteiger und jene, die spezifische Probleme mit Reichweite oder Lautstärke hatten, ist das Upgrade signifikant.
Besonders die Synergie mit der Apple Watch und die neuen Funktionen für Flugreisen zeigen, dass Apple verstanden hat, wie das Produkt im Alltag tatsächlich genutzt wird. Ab Mittwoch, den 28. Januar 2026, wird der neue Tracker in den Regalen stehen. Es bleibt abzuwarten, wie schnell sich die neuen U2-Features in der Praxis bewähren, doch die Vorzeichen stehen gut, dass auch der AirTag 2 wieder millionenfach an Schlüsselbunden, Rucksäcken und Koffern baumeln wird.
Für den Verbraucher bedeutet dies mehr Sicherheit und weniger Stress beim Suchen – ein Versprechen, das in unserer hektischen Zeit durchaus 35 Euro wert sein kann.

