Der deutsche Batteriehersteller Varta hat die Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Mit einer weiteren Restrukturierung will das Unternehmen die Produktion sichern und die Fortführung seiner wichtigsten Geschäftsbereiche ermöglichen. Hintergrund sind eine deutlich verschlechterte Marktlage, eine schwächere Nachfrage und das Ende der Zusammenarbeit mit einem Großkunden. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf welt.
Welche Varta-Gesellschaften von der Insolvenz betroffen sind
Den Antrag stellte die Varta AG mit Sitz im baden-württembergischen Ellwangen. Das Verfahren betrifft zudem mehrere operative Gesellschaften des Konzerns.
Dazu gehören die Varta Microbattery GmbH, die Varta Micro Production GmbH und die Varta Storage GmbH. Diese Unternehmen produzieren unter anderem Mikrobatterien, Akkukomponenten und Energiespeichersysteme.
Die Eigenverwaltung ermöglicht es der bisherigen Geschäftsführung, das Unternehmen unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters weiterzuführen. Varta will dieses Verfahren nutzen, um die finanzielle Lage zu stabilisieren und wirtschaftlich tragfähige Geschäftsbereiche zu erhalten.
Warum sich die finanzielle Lage von Varta erneut verschlechtert hat
Als wesentliche Ursache der Krise nennt das Unternehmen eine deutliche Verschlechterung des Marktumfelds. Die Nachfrage nach Varta-Produkten blieb hinter den Erwartungen zurück. Zusätzlich belasteten Wechselkurseffekte die Geschäftsentwicklung.
Ein weiterer schwerer Rückschlag war die Entscheidung eines wichtigen Kunden, die Zusammenarbeit zu beenden. Varta nennt den Auftraggeber in der Mitteilung nicht ausdrücklich. Zuvor war jedoch bekannt geworden, dass Apple die Kooperation mit dem Batteriehersteller beendet.
Der US-Konzern galt als größter Abnehmer von Vartas Miniaturakkus. Diese wurden unter anderem in kabellosen Kopfhörern verwendet. Die Produktion für diesen Kunden soll noch bis November weiterlaufen. Anschließend sollen die Batterien voraussichtlich aus Asien bezogen werden.
Neue Großkunden, die den Wegfall dieses Auftrags ausgleichen könnten, hat Varta bislang nicht gefunden.
Wie viele Beschäftigte bei Varta arbeiten
Nach Angaben des Unternehmens beschäftigt die Varta-Gruppe rund 3.260 Menschen. Ein großer Teil der Belegschaft arbeitet am Stammsitz in Ellwangen.
Auch an anderen Standorten sind Arbeitsplätze gefährdet. Das Werk im bayerischen Nördlingen mit rund 350 Beschäftigten soll im Herbst geschlossen werden.
Dort wurden Batteriezellen und weitere Komponenten hergestellt. Die Schließung war bereits vor dem neuen Insolvenzantrag beschlossen worden und ist Teil der Maßnahmen zur Kostensenkung.
Welche Geschäftszahlen Varta zuletzt vorgelegt hat
Die zuletzt veröffentlichten Finanzzahlen des Unternehmens stammen aus dem Jahr 2024. Damals erzielte Varta einen Umsatz von rund 793 Millionen Euro.
Trotz des hohen Umsatzes schloss das Geschäftsjahr mit einem Verlust von 64,5 Millionen Euro ab. Hohe Produktionskosten, eine schwache Nachfrage und Probleme im Geschäft mit Lithium-Ionen-Akkus belasteten das Ergebnis.
Bekannt ist Varta vor allem für seine blau-gelben Haushaltsbatterien. Das Produktportfolio ist jedoch deutlich breiter. Der Konzern stellt auch Mikrobatterien für Hörgeräte, Akkus für kabellose Geräte, industrielle Stromspeicher sowie Heimspeichersysteme her.
Frühere Restrukturierung konnte die Krise nicht dauerhaft stoppen
Varta hatte bereits zuvor versucht, eine Insolvenz durch eine umfassende finanzielle Restrukturierung abzuwenden. Im Jahr 2024 nutzte das Unternehmen dafür ein Verfahren nach dem deutschen Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz.
Im Zuge dieser Maßnahmen verloren die bisherigen Aktionäre ihre Anteile. Gleichzeitig verzichteten Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen. Die Eigentümerstruktur wurde neu geordnet und die Schuldenlast reduziert.
Anfang April 2025 erklärte Varta die Restrukturierung für abgeschlossen. Die Unternehmensführung ging damals davon aus, dass damit die Grundlage für eine wirtschaftliche Stabilisierung geschaffen worden sei.
In den folgenden Monaten verschlechterte sich die Lage jedoch erneut. Rückläufige Aufträge, eine geringe Auslastung der Produktionskapazitäten und der Verlust eines Schlüsselkunden führten zu einer neuen Finanzkrise.
Was die Insolvenz in Eigenverwaltung für Varta bedeutet
Die Produktion in den betroffenen Unternehmen soll zunächst weiterlaufen. Gemeinsam mit Beratern und Gläubigern will die Geschäftsführung einen neuen Sanierungsplan ausarbeiten.
Im Verlauf des Verfahrens sollen die einzelnen Geschäftsbereiche und ihre Zukunftsaussichten geprüft werden. Möglich sind der Verkauf von Vermögenswerten, die Schließung unrentabler Standorte und weitere Stellenstreichungen.
Als wichtigstes Ziel nennt Varta die Fortführung des operativen Geschäfts und die Entwicklung eines langfristig tragfähigen Geschäftsmodells. Über die Zukunft der Werke und Arbeitsplätze soll im Rahmen der Gespräche mit Gläubigern und möglichen Investoren entschieden werden.
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