Ein heftiger Hagelsturm am 9. Juni hat die Apfelplantagen im Alten Land, Europas größtem zusammenhängenden Obstanbaugebiet, schwer getroffen. Nach ersten Schätzungen beläuft sich der Schaden auf 10 bis 14 Millionen Euro. In den am stärksten betroffenen Obstgärten wurden bis zu 70 Prozent der jungen Äpfel zerstört und können nicht mehr vermarktet werden. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf kreiszeitung.
Besonders betroffen sind Betriebe im Gebiet Hollern-Twielenfleth zwischen Stade und Jork. Ein großer Teil der beschädigten Früchte eignet sich nur noch für die industrielle Verarbeitung, beispielsweise zur Saftherstellung.
Extremwetter tritt immer häufiger auf
Nach Einschätzung von Fachleuten handelt es sich längst nicht mehr um einen Einzelfall. Versicherer berichten, dass die Zahl wetterbedingter Schadensereignisse in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen hat. Im Alten Land treten schwere Hagelereignisse inzwischen etwa alle zwei bis drei Jahre auf.
Experten führen diese Entwicklung auf den Klimawandel zurück. Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern und liefert zusätzliche Energie für Gewitter. Dadurch steigt das Risiko intensiver Hagelschauer, Starkregen und weiterer Unwetter.
Schutz der Apfelplantagen bleibt eine Herausforderung
Während in Süddeutschland und anderen europäischen Obstbauregionen Hagelschutznetze bereits zum Standard gehören, werden sie in Niedersachsen bislang vor allem im Kirschanbau eingesetzt. Für Apfelanlagen existieren bisher nur vereinzelt entsprechende Lösungen.
Derzeit laufen verschiedene Projekte zur Entwicklung neuer Schutzsysteme. Dazu gehören Konstruktionen mit integrierten Photovoltaikanlagen, die sowohl die Obstplantagen vor Hagel schützen als auch Strom erzeugen sollen.
Landwirtschaft steht vor wachsenden Klimarisiken
Vertreter der Landwirtschaft beobachten seit Jahren deutliche Veränderungen der Wetterverhältnisse. Längere Trockenperioden werden zunehmend von kurzen, aber sehr intensiven Regenfällen und Unwettern abgelöst, die erhebliche Schäden an Obst- und Ackerkulturen verursachen.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes verlief der Winter 2025/2026 deutlich trockener als im langjährigen Durchschnitt. Auch Niedersachsen verzeichnete ein erhebliches Niederschlagsdefizit, wodurch viele Kulturen bereits vor Beginn der Sommersaison unter Wassermangel litten.
Ernteverluste könnten Lebensmittel verteuern
Wirtschaftsexperten weisen darauf hin, dass geringere Erntemengen direkte Auswirkungen auf den Lebensmittelmarkt haben. Sinkt das Angebot an Obst, steigen in der Regel die Preise. Gleichzeitig könnten die Preise für Lebensmittel künftig stärkeren Schwankungen unterliegen, wenn Extremwetterereignisse häufiger auftreten.
Staatliche Unterstützung reicht beim Hagel nicht aus
Niedersachsen fördert zwar Mehrgefahrenversicherungen für landwirtschaftliche Betriebe mit Mitteln der Europäischen Union. Bis 2029 stehen dafür insgesamt 15 Millionen Euro zur Verfügung. Landwirte können Zuschüsse von bis zu 50 Prozent ihrer Versicherungsprämie erhalten.
Hagelschäden sind jedoch von dieser Förderung ausgenommen. Für dieses Risiko müssen Betriebe separate Hagelversicherungen abschließen, deren Beiträge in den vergangenen Jahren aufgrund steigender Wetterrisiken deutlich gestiegen sind. Bauernverbände fordern deshalb eine Ausweitung staatlich unterstützter Versicherungslösungen im Rahmen der künftigen EU-Agrarpolitik.
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