Der Zahlungsdienstleister Stripe und die Beteiligungsgesellschaft Advent International haben ein gemeinsames Übernahmeangebot für PayPal abgegeben. Das Angebot bewertet den US-amerikanischen Bezahldienst mit mehr als 53 Milliarden US-Dollar. Die Gespräche befinden sich derzeit in einem frühen Stadium, eine offizielle Antwort von PayPal steht noch aus. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf t-online.
Gemeinsames Angebot von 60,50 US-Dollar je Aktie
Stripe und Advent International haben Anfang Juli angeboten, 60,50 US-Dollar für jede PayPal-Aktie zu zahlen. Damit liegt das Angebot rund 28 Prozent über dem Schlusskurs der Aktie vom Dienstag, dem 14. Juli.
Nach Informationen von Reuters wird das Angebot durch Finanzierungszusagen von Banken in Höhe von rund 50 Milliarden US-Dollar abgesichert. Stripe und Advent planen, PayPal zu gleichen Teilen zu übernehmen und das Unternehmen als eigenständigen Konzern weiterzuführen.
Erste Kontakte zwischen den Beteiligten gab es bereits Anfang April. Anschließend bereiteten die Interessenten ihr gemeinsames Angebot vor. Eine Reaktion des Verwaltungsrats von PayPal liegt bislang jedoch nicht vor. Nach Angaben mit dem Vorgang vertrauter Personen sollen die Gespräche in den kommenden Wochen fortgesetzt werden.
PayPal wollte die Berichte über eine mögliche Übernahme nicht kommentieren. Auch Advent International lehnte eine Stellungnahme ab. Von Stripe lag zunächst ebenfalls keine offizielle Reaktion vor.
Stripe würde seine Position im Privatkundengeschäft stärken
Stripe zählt zu den wichtigsten Wettbewerbern von PayPal im Markt für digitale Zahlungsdienste. Beide Unternehmen verfolgen jedoch unterschiedliche Geschäftsmodelle.
Stripe konzentriert sich vor allem auf Zahlungsabwicklungen für Online-Händler, Plattformen, Softwareunternehmen und Geschäftskunden. PayPal richtet sich dagegen sowohl an Verbraucher als auch an Unternehmen und bietet neben Online-Zahlungen unter anderem den Bezahldienst Venmo an.
Mit einer Übernahme könnte Stripe seine Präsenz im Privatkundengeschäft deutlich ausbauen und zugleich seine Position bei kleinen und mittelständischen Unternehmen stärken. Anfang 2026 wurde Stripe nach einer internen Aktienbewertung mit rund 159 Milliarden US-Dollar bewertet.
Advent International zählt zu den weltweit größten Private-Equity-Gesellschaften und investiert regelmäßig in Technologie-, Finanz- und Industrieunternehmen. Im geplanten Geschäft soll Advent als gleichberechtigter Finanzinvestor auftreten.
PayPal hat in den vergangenen Jahren deutlich an Wert verloren
PayPal gehörte zu den Wegbereitern des digitalen Zahlungsverkehrs und profitierte insbesondere während der Corona-Pandemie von einem starken Wachstum im Online-Handel. Im Jahr 2021 erreichte das Unternehmen zeitweise eine Börsenbewertung von rund 360 Milliarden US-Dollar.
Seitdem geriet PayPal jedoch zunehmend unter Druck. Der Wettbewerb durch Anbieter wie Apple Pay, Google Pay und Stripe nahm deutlich zu, während sich das Wachstum des Unternehmens verlangsamte.
Im Jahr 2026 lag die Marktkapitalisierung zeitweise nur noch zwischen 36 und 42 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Höchststand verlor die Aktie damit mehr als 80 Prozent ihres Wertes. Allein innerhalb der vergangenen zwölf Monate ging die Börsenbewertung um mehr als 40 Prozent zurück.
Nach Bekanntwerden des Übernahmeangebots reagierte die Börse mit deutlichen Kursgewinnen. Im vorbörslichen Handel stieg die PayPal-Aktie zeitweise um rund 18 bis 19 Prozent, da das Angebot deutlich über dem bisherigen Marktpreis lag.
Neue Unternehmensstruktur soll PayPal wieder auf Wachstumskurs bringen
Seit dem 1. März 2026 steht Enrique Lores an der Spitze von PayPal. Kurz nach seinem Amtsantritt leitete der neue Vorstandsvorsitzende eine umfassende Neuausrichtung des Unternehmens ein.
Ende April wurde der Konzern organisatorisch in drei Geschäftsbereiche gegliedert. Dazu gehören das Privatkundengeschäft mit PayPal und Venmo, der Bereich für Händlerlösungen sowie eine Sparte für Zahlungsinfrastruktur, digitale Vermögenswerte und weitere Finanzdienstleistungen.
Mit der Neuorganisation will PayPal die Kosten senken, Entscheidungsprozesse vereinfachen und zusätzliche Investitionen in Künstliche Intelligenz sowie moderne Zahlungstechnologien ermöglichen.
Das Übernahmeangebot von Stripe und Advent fällt damit in eine Phase umfassender Veränderungen bei PayPal. Ob es tatsächlich zu einer Transaktion kommt, hängt von den weiteren Verhandlungen sowie der Entscheidung des Verwaltungsrats des Unternehmens ab.
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