Das deutsche Rentensystem steht angesichts des demografischen Wandels vor erheblichen Herausforderungen. Eine neue Studie der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zeigt, dass sich das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern in den kommenden Jahrzehnten weiter verschlechtern wird. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf t-online.
Den Prognosen zufolge werden im Jahr 2037, wenn die letzten Angehörigen der Babyboomer-Generation das Rentenalter erreicht haben, nur noch 1,9 Erwerbstätige auf einen Rentner kommen. Bis 2070 könnte dieser Wert auf lediglich 1,7 Erwerbstätige pro Rentner sinken.
Experten warnen, dass diese Entwicklung den Druck auf die Sozialversicherungssysteme und die öffentlichen Finanzen weiter erhöhen wird.
Steigende Beiträge und zunehmende Belastung für den Staatshaushalt
Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass die sinkende Zahl der Beitragszahler zu einer höheren finanziellen Belastung der arbeitenden Bevölkerung führen könnte. Gleichzeitig dürfte der Bedarf an staatlichen Zuschüssen für die Rentenversicherung weiter steigen.
Zudem wird auf die vergleichsweise geringe Bedeutung privater Altersvorsorge in Deutschland hingewiesen. Nach Angaben der Forscher belaufen sich die Rentenrücklagen auf lediglich 6,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Im Durchschnitt der Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt dieser Wert bei 95,2 Prozent.
Die Ausgaben für betriebliche und private Altersvorsorgeprogramme entsprechen in Deutschland lediglich 0,7 Prozent des BIP. In den USA und der Schweiz beträgt dieser Anteil dagegen 5,7 Prozent.
Deutsche zahlen länger in die Rentenversicherung ein
Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten, dass die durchschnittliche Beitragsdauer der Versicherten deutlich gestiegen ist. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung (DRV) lag die durchschnittliche Versicherungszeit von Altersrentnern im Jahr 2025 bei 39,7 Jahren.
Im Jahr 2005 hatte dieser Wert noch bei 32,3 Jahren gelegen.
Fachleute führen diese Entwicklung vor allem auf Veränderungen am Arbeitsmarkt zurück. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Erwerbstätigkeit von Frauen deutlich gestiegen. Auch ältere Menschen bleiben heute länger berufstätig als früher.
Frauen haben ihre Beitragsjahre deutlich erhöht
Besonders stark fiel der Anstieg bei Frauen in den westdeutschen Bundesländern aus. Während die durchschnittliche Beitragszeit im Jahr 2005 noch 22,4 Jahre betrug, lag sie 2025 bereits bei 36,9 Jahren.
In Ostdeutschland stieg die durchschnittliche Versicherungsdauer von Frauen im selben Zeitraum von 41,1 auf 43,1 Jahre.
Vertreter der Rentenversicherung betonen, dass eine längere Erwerbstätigkeit und längere Versicherungszeiten zu höheren Rentenansprüchen führen und damit die finanzielle Sicherheit im Alter stärken.
Zahl der Rentner erreicht neuen Höchststand
Ende 2025 wurde in Deutschland eine Rekordzahl von Altersrenten verzeichnet. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung erhielten rund 19,1 Millionen Menschen eine Altersrente.
Die Gesamtausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung beliefen sich im selben Jahr auf 301,4 Milliarden Euro.
Der Anstieg der Rentnerzahl steht in direktem Zusammenhang mit der alternden Bevölkerung und dem schrittweisen Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand.
Rentenkommission bereitet Reformvorschläge vor
Die Bundesregierung erwartet derzeit die Empfehlungen einer eigens eingesetzten Rentenkommission, die im Winter ihre Arbeit aufgenommen hat. Die Vorschläge zur Reform des Rentensystems sollen bis Ende Juni vorgelegt werden.
Anschließend könnte die Bundesregierung noch vor der Sommerpause erste politische Entscheidungen auf Grundlage der Empfehlungen treffen.
Die Zukunft der gesetzlichen Rente wird zudem ein zentrales Thema bei den Beratungen des Koalitionsausschusses Anfang Juli sein.
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