Das aktuelle El Niño 2026 könnte zu den stärksten Ereignissen dieser Art seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen gehören. Die Wassertemperaturen im zentralen Pazifik liegen bereits deutlich über dem langjährigen Mittel, obwohl der saisonale Höhepunkt erst im Winter erwartet wird. Wissenschaftler warnen, dass der ungewöhnlich warme Ozean Niederschläge, Lufttemperaturen und die Zugbahnen von Stürmen in verschiedenen Regionen der Welt verändern kann. Schreibt bankrecht-ratgeber mit Bezug auf nytimes.
Auf der Insel Kiritimati im zentralen Pazifik erreicht die Meerestemperatur bereits etwa 30 bis 30,5 Grad Celsius. Damit liegt sie mindestens zwei Grad über den üblichen Werten für die Region. Gleichzeitig beobachten Forscher eine deutliche Korallenbleiche.
Wegen der außergewöhnlichen Stärke wird das aktuelle Ereignis inoffiziell auch als Super-El-Niño oder „Godzilla-El-Niño“ bezeichnet.
Warum El Niño 2026 als außergewöhnlich stark gilt
El Niño entsteht, wenn sich die Oberflächengewässer im äquatorialen Pazifik stärker als üblich erwärmen. Gleichzeitig schwächen sich die Passatwinde ab, die normalerweise warmes Wasser in Richtung Asien transportieren.
Dadurch verlagern sich große Mengen warmen Wassers in den zentralen und östlichen Pazifik. Gleichzeitig verändern sich Gewitterzonen, Luftdruckverteilung und Höhenströmungen.
Als Schwellenwert für ein El-Niño-Ereignis gilt üblicherweise eine Abweichung der Meeresoberflächentemperatur von rund 0,5 Grad gegenüber dem Normalwert. Liegt die Abweichung bei etwa zwei Grad oder darüber, sprechen Experten von einem außergewöhnlich starken Ereignis.
Für 2026 deuten einzelne Prognosen auf eine noch größere Abweichung hin.
Hinzu kommt, dass El Niño seinen Höhepunkt normalerweise erst im November, Dezember oder zu Beginn des Winters erreicht. In diesem Jahr wurden jedoch bereits im Sommer sehr hohe Werte registriert. Deshalb beobachten Klimaforscher besonders genau, wie stark sich das Phänomen in den kommenden Monaten noch entwickeln wird.
Wie El Niño das Wetter bereits beeinflusst
Die Auswirkungen des warmen Pazifiks reichen weit über die Region hinaus, in der El Niño entsteht.
In den USA war die ungewöhnlich hohe Ozeantemperatur einer der Faktoren, die zu einem extrem heißen Sommer beigetragen haben. Gleichzeitig nahm die Aktivität tropischer Wirbelstürme im Pazifik zu, während die Bedingungen für Hurrikane im Atlantik zeitweise ungünstiger waren.
In Mittelamerika litt Panama unter einem deutlichen Niederschlagsdefizit. Für das Land ist das besonders relevant, weil der Panamakanal auf Süßwasserreserven angewiesen ist.
Auch in Teilen Afrikas wurden ungewöhnlich trockene Bedingungen registriert, die die Landwirtschaft beeinträchtigen können. Ähnliche Entwicklungen zeigten sich in Regionen Indiens und Südostasiens.
Die Folgen von El Niño sind jedoch regional sehr unterschiedlich. Während das Phänomen in einigen Gebieten das Risiko für Dürren erhöht, kann es andernorts zu außergewöhnlich starken Niederschlägen und Überschwemmungen führen.
Wo im Winter mehr Niederschlag fallen könnte
Eine der auffälligsten Folgen eines starken El Niño könnte sich in Nordamerika bei den Winterniederschlägen zeigen.
Im Süden der USA verschiebt sich der Jetstream während solcher Ereignisse häufig so, dass mehr feuchte Pazifikluft über Texas, Oklahoma, Kansas und die Golfküste geführt wird.
Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Winter mit überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen.
Für landwirtschaftlich geprägte Regionen könnte das nach mehreren trockenen Jahren besonders wichtig sein. Zusätzliche Niederschläge könnten die Bedingungen für Winterweizen verbessern.
Im Südosten der USA und an Teilen der Atlantikküste gehört der Zusammenhang zwischen El Niño und feuchteren Wintern zu den stabileren klimatischen Mustern.
Was El Niño für Kalifornien bedeutet
Besonders aufmerksam wird während eines starken El Niño auf Kalifornien geblickt.
Ein großer Teil des jährlichen Niederschlags fällt dort im Winter. Veränderungen bei den Zugbahnen von Pazifikstürmen können deshalb erhebliche Auswirkungen haben.
In der Vergangenheit gingen starke El-Niño-Ereignisse mehrfach mit heftigen Regenfällen, Überschwemmungen und schweren Stürmen einher. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht.
Auch bei starken El-Niño-Phasen fiel in manchen Jahren deutlich mehr Regen, während andere Prognosen enttäuscht wurden.
Für den kommenden Winter ist die Wahrscheinlichkeit einer feuchteren Saison erhöht. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Kalifornien monatelang von starken Regenfällen betroffen sein wird.
Im Norden der USA könnte der Winter milder ausfallen
Im Norden der Vereinigten Staaten zeigt sich ein anderes Muster.
Während El Niño liegen die durchschnittlichen Wintertemperaturen dort häufig über dem langjährigen Mittel. Das gilt auch für Teile des Nordostens.
Stürme bleiben zwar möglich, doch bei milderer Luft fällt Niederschlag in großen Städten häufiger als Regen, Schneeregen oder Eis statt als Schnee.
Ein insgesamt milder Winter schließt starke Schneefälle dennoch nicht aus.
El Niño kann außerdem Prozesse in der Stratosphäre über der Arktis beeinflussen. Unter bestimmten Bedingungen kann kalte Polarluft weit nach Süden verdrängt werden.
Deshalb sind auch in einem vergleichsweise milden Winter kurze, aber intensive Kältephasen möglich.
Warum Wissenschaftler von „unbekanntem Terrain“ sprechen
Die Besonderheit des aktuellen Super-El-Niño 2026 liegt nicht nur in seiner Stärke, sondern auch in der bereits sehr hohen globalen Ausgangstemperatur.
Klimamodelle vergleichen aktuelle Entwicklungen traditionell mit früheren El-Niño-Ereignissen. Doch die heutigen Ozeantemperaturen liegen teilweise außerhalb der historischen Vergleichswerte.
Das erschwert langfristige Prognosen.
Statistische Modelle berechnen Wahrscheinlichkeiten anhand früherer Ereignisse. Dynamische Modelle simulieren dagegen die Entwicklung von Atmosphäre und Ozean auf Basis aktueller physikalischer Bedingungen.
Einige dieser Modelle deuten darauf hin, dass sich El Niño in den kommenden Monaten noch weiter verstärken könnte.
Könnte 2027 ein Rekordjahr bei den Temperaturen werden?
Starke El-Niño-Phasen gehen häufig mit einem deutlichen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur einher.
Ein ähnliches Muster zeigte sich nach den Ereignissen 1997/1998, 2015/2016 sowie 2023/2024. In mehreren Fällen wurde das darauffolgende Kalenderjahr außergewöhnlich warm.
Der Grund: Die enorme Fläche des aufgeheizten Pazifiks gibt zusätzliche Wärme an die Atmosphäre ab.
Deshalb betrachten Fachleute 2027 als mögliches Rekordjahr bei den globalen Temperaturen.
Zusätzlich sorgt der langfristige Klimawandel dafür, dass das Ausgangsniveau bereits deutlich höher liegt als noch vor einigen Jahrzehnten. Dadurch können die Auswirkungen eines starken El Niño heute stärker ausfallen als früher.
Wie El Niño mit dem Klimawandel zusammenhängt
El Niño selbst ist ein natürliches Klimaphänomen und existiert seit lange vor der modernen globalen Erwärmung.
Der Klimawandel kann seine Folgen jedoch verstärken.
Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, was extreme Niederschläge begünstigen kann. Gleichzeitig beschleunigen hohe Temperaturen die Verdunstung und verschärfen Trockenheit in Regionen, in denen ohnehin weniger Regen fällt.
Ein El-Niño-Ereignis mit ähnlicher Stärke wie früher kann deshalb heute deutlich stärkere Extremwetterfolgen haben.
Ob der Klimawandel dazu führt, dass El Niño selbst häufiger oder stärker wird, ist dagegen weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.
Wie lange das aktuelle El Niño dauern könnte
Ein typisches El-Niño-Ereignis dauert etwa zwölf bis 15 Monate.
Die stärkste Phase liegt meist zum Jahresende und zu Beginn des folgenden Jahres. Danach normalisieren sich die Temperaturen im tropischen Pazifik allmählich wieder.
Einige Folgen halten jedoch länger an als das eigentliche Ereignis.
Das betrifft insbesondere globale Temperaturen, Ernteerträge, Wasserressourcen und empfindliche Meeresökosysteme.
Daher könnten sich die deutlichsten Auswirkungen des aktuellen El Niño nicht nur im Herbst und Winter 2026, sondern auch im Verlauf des Jahres 2027 zeigen.
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