Der deutsche Mobilfunkmarkt ist für Verbraucher oft undurchsichtig. Zwischen High-Speed-Versprechen, teuren Endgeräten und langfristigen Vertragsbindungen verlieren viele den Blick für das Wesentliche: den tatsächlichen Preis für die benötigte Leistung. Wer jedoch sein Nutzungsverhalten analysiert und flexibel bleibt, kann hunderte Euro im Jahr sparen.
In Zeiten steigender Lebenshaltungskosten gewinnt die Optimierung der monatlichen Fixkosten an Bedeutung. Während man sich bei komplexen juristischen Fragen vertrauensvoll an Bankrecht-Ratgeber wendet, wird der eigene Handyvertrag oft jahrelang vernachlässigt. Dabei ist die Treue zum Anbieter in kaum einer anderen Branche so kostspielig wie im Telekommunikationssektor. Bestandskunden finanzieren oft die Lockangebote für Neukunden quer. Experten raten daher dringend dazu, alte Verträge auf den Prüfstand zu stellen.
Das Märchen vom „besten Netz“
Lange Zeit galt die Regel: Wer Qualität will, muss zur Telekom oder Vodafone gehen; wer sparen will, nimmt Einbußen bei O2/Telefónica in Kauf. Diese strikte Trennung weicht zunehmend auf. Zwar liegt die Telekom bei der Netzabdeckung und Datengeschwindigkeit in unabhängigen Tests oft vorn, doch für den durchschnittlichen Großstadtnutzer sind die Unterschiede im Alltag kaum spürbar.
Wichtiger ist die Unterscheidung zwischen Netzbetreibern und Discountern. Drittanbieter mieten Kapazitäten in den Netzen der drei großen Betreiber (Telekom, Vodafone, O2) und verkaufen diese deutlich günstiger weiter. Der Empfang ist identisch, lediglich bei der maximalen LTE- oder 5G-Geschwindigkeit gibt es Drosselungen. Da jedoch selbst 50 Mbit/s für HD-Streaming auf dem Smartphone völlig ausreichen, ist der Aufpreis für „Highspeed-Gigabit“ für Normalverbraucher meist rausgeworfenes Geld.
Die Falle mit dem neuen Smartphone
Ein neues iPhone oder Samsung Galaxy für einen Euro? Das klingt verlockend, ist aber selten ein Schnäppchen. Mobilfunkanbieter sind keine Wohltäter; sie legen den Preis des Geräts auf die monatliche Grundgebühr um – oft mit Zinsen. Rechnet man die Kosten über die Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten zusammen, zahlt der Kunde häufig deutlich mehr als beim separaten Kauf des Geräts im Elektronikhandel.
Die wirtschaftlich klügere Entscheidung ist fast immer die Trennung von Tarif und Hardware. Wer sein Smartphone direkt kauft und dazu einen günstigen SIM-Only-Tarif (ohne Handy) bucht, behält nicht nur die Kostenkontrolle, sondern auch die Flexibilität.
Flexibilität ist die neue Währung
Die Zeiten der starren 24-Monats-Verträge neigen sich dem Ende zu. Verbraucherschützer empfehlen Tarife, die monatlich kündbar sind. Diese Flexibilität kostet oft nur wenige Euro mehr oder ist bei Discountern wie Congstar, Fraenk oder WinSIM sogar Standard.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Reagiert der Markt mit Preissenkungen oder ändert sich das eigene Nutzungsverhalten, kann sofort gewechselt werden. Auch die Angst vor dem Verlust der eigenen Telefonnummer ist unbegründet. Die Rufnummernmitnahme (Portierung) ist gesetzlich geregelt, funktioniert mittlerweile reibungslos und ist für den Verbraucher seit Ende 2021 sogar kostenlos.
Wie viel Datenvolumen braucht man wirklich?
Ein häufiger Fehler beim Vertragsabschluss ist die Überschätzung des eigenen Datenbedarfs. Aus Angst, plötzlich offline zu sein, buchen viele Nutzer „Unlimited“-Tarife oder Pakete mit 50 GB und mehr. Analysen zeigen jedoch, dass der Durchschnittsnutzer mit 5 bis 10 GB im Monat hervorragend auskommt, sofern er zu Hause und im Büro WLAN nutzt.
Ein Blick in die Einstellungen des Smartphones verrät den tatsächlichen Datenverbrauch der letzten Monate. Wer feststellt, dass er dauerhaft unter seinem Limit bleibt, sollte den Tarif downgraden. Der Markt ist dynamisch – wer sich nicht bewegt, zahlt drauf.