Nürnberg/Berlin. Die Hoffnungen auf eine schnelle Erholung des deutschen Arbeitsmarktes haben zum Jahresbeginn einen herben Dämpfer erhalten. Die robusten Zeiten, in denen der Jobmarkt scheinbar immun gegen konjunkturelle Schwankungen war, scheinen vorerst vorbei zu sein. Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) belegen einen spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit, die sich nun bedrohlich der psychologisch und politisch heiklen Marke von drei Millionen nähert. Während wir bei Bankrecht-Ratgeber oft die rechtlichen Folgen von Insolvenzen und Finanzierungsschwierigkeiten beleuchten, zeigen diese makroökonomischen Daten, wie sehr die realwirtschaftliche Basis bröckelt.
Wenn saisonale Effekte auf Konjunkturschwäche treffen
Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten ist in Deutschland zwar üblich – Außenberufe ruhen, befristete Verträge laufen zum Jahresende aus. Doch die aktuellen Entwicklungen lassen sich nicht allein mit dem Kalender erklären. Die Bundesagentur für Arbeit macht deutlich: Es fehlt der „wirtschaftliche Rückenwind“. Die anhaltende Flaute der deutschen Konjunktur hinterlässt nun tiefe Spuren. Unternehmen halten sich bei Neueinstellungen merklich zurück, und die Fluktuation, die den Arbeitsmarkt sonst dynamisch hält, kommt ins Stocken.
Andrea Nahles, die Chefin der Bundesagentur, wählt in ihrer Analyse deutliche Worte. Zwar behaupte sich der Arbeitsmarkt angesichts der Belastungen noch verhältnismäßig gut, doch die Aufnahmefähigkeit für Arbeitslose sinkt. Das bedeutet im Klartext: Wer jetzt seinen Job verliert, hat es deutlich schwerer, zeitnah eine neue Anstellung zu finden, als noch vor einem oder zwei Jahren.
Strukturelle Probleme werden sichtbar
Besonders alarmierend ist der Blick auf die Details der Statistik. Nicht nur die absolute Zahl der Arbeitslosen steigt, auch die Unterbeschäftigung – die jene mitzählt, die in Maßnahmen geparkt sind oder kurzfristig krankgeschrieben sind – wächst an. Branchenbeobachter sehen hierin ein Indiz dafür, dass sich die konjunkturelle Delle zu einem strukturellen Problem ausweitet. Die Industrie schwächelt, Auftragseingänge bleiben hinter den Erwartungen zurück, und die hohen Energie- sowie Bürokratiekosten belasten den Standort Deutschland weiterhin massiv.
Die Kurzarbeit, während der Pandemie noch das bewährte Mittel zur Überbrückung, wird zwar weiterhin genutzt, kann aber den schleichenden Stellenabbau in transformationsbedingten Sektoren nicht ewig aufhalten. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen und der Bau, wo die Zinswende nach wie vor für eine Auftragsflaute sorgt.
Politik unter Zugzwang
Diese Entwicklung setzt die Bundesregierung unter erheblichen Handlungsdruck. Eine Arbeitslosenzahl von drei Millionen galt in Deutschland lange als „rote Linie“, deren Überschreitung politische Debatten über Reformen und Investitionsprogramme befeuert. Experten mahnen an, dass ohne signifikante Wachstumsimpulse keine Trendwende am Arbeitsmarkt zu erwarten sei. Die bloße Hoffnung auf eine Frühjahrsbelebung dürfte angesichts der fundamentalen Wirtschaftsschwäche diesmal kaum ausreichen, um die Zahlen nachhaltig zu korrigieren. Der Arbeitsmarkt, lange Zeit der Fels in der Brandung der deutschen Volkswirtschaft, beginnt Risse zu zeigen.