Das Jahr 2026 wird für die Finanzindustrie kein Jahr des sanften Übergangs, sondern der harten Entscheidungen. In einer umfassenden Analyse haben 26 Top-Consultants der Branche – von McKinsey über BCG bis hin zu spezialisierten Boutique-Beratungen – ihre Prognosen für die kommenden zwölf Monate abgegeben. Der Tenor ist eindeutig: Das Prinzip Hoffnung hat ausgedient. Für die Leser von Bankrecht Ratgeber analysieren wir die wichtigsten Erkenntnisse und zeigen, warum das traditionelle Gießkannen-Prinzip im Banking endgültig vor dem Aus steht.
KI: Vom Hype ins „Tal der Enttäuschungen“ – und zurück zur Effizienz
Lange wurde Generative AI als der Heilsbringer gefeiert, der über Nacht alles verändern würde. 2026 kehrt der Realismus ein. Viele Institute könnten in diesem Jahr zunächst eine klassische Enttäuschung erleben. Die Fantasie der ersten Stunde prallt auf die operative Realität veralteter IT-Infrastrukturen und strenger Regulatorik.
Doch genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Während einige Banken ihre KI-Budgets frustriert kürzen, werden die Vorreiter beginnen, echte Produktivitätsgewinne zu ernten. Experten rechnen damit, dass Institute, die KI nicht nur als Spielerei, sondern als industrielles Werkzeug begreifen, ihre Kostenbasis um 15 bis 20 Prozent senken können. Es geht nicht mehr um den Chatbot, der Gedichte schreibt, sondern um die harte Automatisierung von Backoffice-Prozessen und Compliance-Checks.
Das Ende der Universalbank für jedermann
Eine der vielleicht schmerzhaftesten Wahrheiten für 2026 ist die Abkehr von der Idee, „alles für jeden“ anzubieten. Die Kapitallogik zwingt die Institute zum Umdenken. Das alte Modell, Kapital und Ressourcen breit über alle Kundengruppen und Produkte zu streuen, funktioniert in einer Welt steigender Kosten und singulärer Fintech-Konkurrenz nicht mehr.
Besonders im Fokus steht das sogenannte „Affluent-Segment“ – die wohlhabende Mittelschicht. Wer es schafft, diese Zielgruppe mit exklusiven, aber skalierbaren Betreuungsmodellen an sich zu binden, wird die Gewinnerseite der Ertragsrechnung anführen. Für den Massenmarkt hingegen wird die Standardisierung weiter voranschreiten müssen, oft unter der Haube von White-Label-Lösungen.
Fintechs: Alles oder Nichts
Für die Fintech-Szene heißt die Devise 2026: Profitabilität vor Wachstum. Die Zeiten des billigen Geldes sind vorbei, und Investoren wollen schwarze Zahlen sehen. Dies führt zu einem massiven Konsolidierungsdruck. Wir werden weniger, aber stärkere Player sehen, die sich nicht mehr als Gegner der Banken positionieren, sondern als unverzichtbare Infrastruktur-Partner.
Ein spannender Trend ist dabei die Weiterentwicklung von „Embedded Finance“. Finanzdienstleistungen verschwinden immer mehr im Hintergrund von Nicht-Bank-Anwendungen – vom E-Commerce bis zur Mobilitäts-App. Für Fintechs bedeutet das: Wer die beste Schnittstelle (API) und die stabilste Compliance bietet, gewinnt das Rennen.
Regulierung als Damoklesschwert und Chance
Auch der Gesetzgeber schläft nicht. Mit Themen wie dem Digitalen Euro, der PSD3 (Payment Services Directive 3) und neuen Vorgaben zur Datennutzung (FiDA) kommt eine Regulierungswelle auf die Branche zu, die enorme Ressourcen binden wird. Doch statt dies nur als Kostenfaktor zu sehen, raten Experten dazu, Regulierung als strategischen Burggraben zu nutzen. Banken, die diese Standards schneller und sicherer umsetzen als die Konkurrenz, können Vertrauen als Währung neu kapitalisieren.
Das Jahr 2026 verlangt Mut. Mut zur Lücke, Mut zur Technologie und vor allem den Mut, alte Zöpfe abzuschneiden. Wer jetzt zögert, wird nicht nur Marktanteile verlieren, sondern seine Daseinsberechtigung.