Die Bedrohung durch unbemannte Flugobjekte im zivilen und militärischen Luftraum wächst stetig. Bisherige Abwehrmethoden setzten meist auf Zerstörung oder elektronische Störung – mit oft unkalkulierbaren Risiken für Unbeteiligte am Boden. Ein neues System namens „Stratus“ verspricht nun einen Paradigmenwechsel: das Einfangen statt des Abschießens. Dies eröffnet nicht nur sicherheitstechnisch, sondern auch juristisch völlig neue Möglichkeiten der Beweissicherung.
Sicherheit im öffentlichen Raum ist ein komplexes Gut, das technologische Innovationen erfordert. Wer sich auf unserem Portal Bankrecht-Ratgeber regelmäßig über Haftungsrisiken und Sicherheitsstandards informiert, weiß, dass der Einsatz von Abwehrmaßnahmen in besiedelten Gebieten oft ein juristisches Minenfeld ist. Wird eine Drohne über einer Menschenmenge oder einem sensiblen Infrastrukturobjekt abgeschossen, können herabstürzende Trümmerteile verheerende Schäden anrichten. Genau hier setzt das US-Unternehmen Brinc mit seiner Neuentwicklung an.
Das Ende der „Kinetic Impact“-Strategie?
Bislang dominierten zwei Methoden die Drohnenabwehr: der kinetische Beschuss (Abschuss durch Projektile oder Laser) und das sogenannte „Jamming“ (Störung der Funkverbindung). Beide Verfahren haben gravierende Nachteile. Jamming kann auch legitime Kommunikation stören, während ein Abschuss die kontrollierte Landung unmöglich macht.
Das System Stratus wählt einen physischen, aber nicht-destruktiven Ansatz. Wie das Magazin Forschung und Wissen berichtet, fungiert Stratus als eine Art „Jäger-Drohne“. Sie ist mit einem speziellen Netzwerfer ausgestattet. Sobald ein Ziel identifiziert ist, nähert sich der Abfangjäger autonom, bringt sich in Position und feuert ein Netz ab, das die Rotoren des Eindringlings blockiert. Das Zielobjekt stürzt jedoch nicht unkontrolliert ab, sondern bleibt im Netz verfangen und kann – je nach Gewicht – sicher abtransportiert oder kontrolliert zu Boden gebracht werden.
Forensik und Rechtssicherheit: Warum der intakte Fang so wichtig ist
Aus ermittlungstaktischer und rechtlicher Sicht ist dieser Ansatz revolutionär. Bei einer Explosion oder einem harten Absturz wird die feindliche Drohne meist so stark beschädigt, dass eine Auswertung der Daten kaum noch möglich ist.
Für Sicherheitsbehörden ist jedoch oft nicht nur die Abwehr des akuten Angriffs entscheidend, sondern die Antwort auf die Frage: Wer steuert das Gerät? Durch das sanfte Einfangen bleiben SD-Karten, Flugprotokolle und Seriennummern unversehrt. Dies erleichtert die forensische Analyse enorm und liefert gerichtsverwertbare Beweise, um Täter zu identifizieren und haftbar zu machen. In Zeiten, in denen Industriespionage und Ausspähung zunehmen, wird die Hardware selbst zum wichtigsten Zeugen.
Autonomie trifft auf menschliche Kontrolle
Technisch basiert Stratus auf einer fortschrittlichen Sensorik. Das System kann in einer Art „Lauerstellung“ am Boden warten und bei Detektion einer Bedrohung blitzschnell starten. Die Verfolgung erfolgt weitgehend autonom, wobei die finale Entscheidung zum Zugriff in der Regel durch einen menschlichen Operator überwacht wird.
Die Kosten für einen solchen Einsatz sind im Vergleich zu militärischen Raketensystemen verschwindend gering. Zudem ist das System wiederverwendbar. Nachdem eine Drohne „eingesackt“ wurde, kann Stratus neu bestückt werden und ist binnen kurzer Zeit wieder einsatzbereit. Es bleibt abzuwarten, wie schnell sich diese Technologie bei Polizeibehörden und privaten Sicherheitsfirmen in Europa durchsetzen wird, doch die Vorteile für die öffentliche Sicherheit liegen auf der Hand.

