Politische Talkshows leben oft von vorhersehbaren Phrasen, doch der vergangene Dienstagabend im ZDF bot eine Lehrstunde in Sachen Beweispflicht und Medienkompetenz. Wenn politische Narrative auf journalistische Hartnäckigkeit treffen, entstehen Momente der Wahrheit – oder der bloßgestellten Unwahrheit. Auf Bankrecht-ratgeber.de betonen wir stets, wie wichtig belegbare Fakten für rechtliche Sicherheit sind; im politischen Diskurs scheint dieses Prinzip jedoch zunehmend zu erodieren.
Im Zentrum der Debatte bei Markus Lanz stand einmal mehr der US-Wahlkampf und die polarisierende Figur Donald Trump. Zu Gast war Beatrix von Storch, stellvertretende Bundessprecherin der AfD, die sich in die schwierige Position manövrierte, eine der skurrilsten Aussagen des Ex-Präsidenten verteidigen zu müssen. Es ging um Trumps vielfach widerlegte Behauptung, Migranten in der US-Stadt Springfield würden die Haustiere der Einwohner verspeisen.
„Wo haben Sie das gesehen?“ – Die Frage nach dem Beweis
Die Strategie von Donald Trump, Gerüchte als Fakten zu verkaufen, ist bekannt. Überraschend war jedoch, wie vehement Beatrix von Storch versuchte, dieses Narrativ auch im deutschen Fernsehen zu legitimieren. Sie argumentierte, dass Trump diese Themen nicht ansprechen würde, wenn es nicht „Berichte von Bürgern“ und „Polizeinotrufe“ gäbe.
Hier schaltete sich der Moderator ein. Markus Lanz ließ die pauschale Aussage nicht stehen und forderte eine konkrete Quellenangabe. Wie die Welt in ihrer Analyse des Abends berichtet, fragte Lanz dezidiert nach: „Wo haben Sie das gesehen?“ Die Antwort der AfD-Politikerin blieb vage. Sie verwies auf „Videos“, konnte jedoch weder sagen, wo diese verifiziert wurden, noch wer sie aufgenommen hatte. Für den Zuschauer wurde offensichtlich: Eine konkrete Evidenz fehlte. Stattdessen berief sich von Storch auf die bloße Existenz von Gerüchten im Internet als Indiz für deren Wahrheitsgehalt.
Ein Clash der Realitäten
Die Situation im Studio spitzte sich zu, als ZDF-US-Korrespondent Elmar Theveßen in die Diskussion eingriff. Theveßen, der die Situation vor Ort in den USA genau beobachtet, konterte die Aussagen der AfD-Politikerin mit Fakten. Er stellte klar, dass es keinerlei verifizierte Berichte über den Verzehr von Haustieren durch Migranten gebe und dass selbst die lokalen Behörden in Springfield diesen Gerüchten vehement widersprochen hätten.
Doch von Storch wich nicht zurück. Sie beharrte darauf, dass man die „Sorgen der Bürger“ ernst nehmen müsse, die solche Notrufe tätigen würden. Lanz entgegnete trocken, dass ein Anruf bei der Polizei noch kein Beweis für eine Straftat sei, sondern lediglich eine Meldung. Diese Differenzierung zwischen einer Behauptung und einem belegten Faktum markierte die eigentliche Bruchlinie des Abends.
Rhetorik statt Substanz
Der Abend zeigte exemplarisch, wie schwierig der politische Diskurs wird, wenn die gemeinsame Basis der Realität verlassen wird. Während Lanz und die anderen Gäste, darunter SPD-Politiker Ralf Stegner, versuchten, über die politischen Implikationen von Trumps Rhetorik zu sprechen, blieb von Storch in der Defensive des Unbelegbaren.
Für den Zuschauer bot sich ein fast schon absurdes Schauspiel: Eine deutsche Politikerin verteidigt eine Verschwörungstheorie aus Ohio, die selbst in den USA längst als Falschmeldung entlarvt wurde. Markus Lanz gelang es durch einfaches, aber konsequentes Nachfragen, die Substanzlosigkeit dieser Verteidigungslinie offen zu legen. Es bleibt die Erkenntnis, dass im Zeitalter von Social Media die wichtigste Frage an Entscheidungsträger immer öfter lauten muss: „Haben Sie dafür einen Beweis?“

