Die Erwartungen an die nächste Generation des drahtlosen Internets waren gigantisch. Wi-Fi 7 sollte nicht nur schneller, sondern dank intelligenter Frequenznutzung auch stabiler sein – ein Versprechen, das gerade für sicheres Home-Office und digitale Bankgeschäfte essenziell ist. Doch erste Praxistests zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen Marketing und technischer Wirklichkeit.
Wer heute in moderne Netzwerkinfrastruktur investiert, erwartet Zukunftssicherheit. Auf unserem Portal Bankrecht-Ratgeber betonen wir oft, wie wichtig stabile Verbindungen für rechtssichere digitale Transaktionen sind. Doch wer aktuell viel Geld für die ersten Wi-Fi-7-Router auf den Tisch legt, könnte eine böse Überraschung erleben. Die neue Technologie, die theoretisch Datendurchsätze im zweistelligen Gigabit-Bereich ermöglicht, kämpft mit physikalischen Gesetzen und unfertiger Software. Die anfängliche Euphorie weicht in Fachkreisen zunehmend einer gewissen Ernüchterung.
Die Physik schlägt zurück: Das 6-GHz-Dilemma
Das Herzstück von Wi-Fi 7 ist die Nutzung des 6-GHz-Frequenzbandes. Dieses bietet zwar breite Kanäle für massive Datenströme, hat aber einen entscheidenden Haken: die Reichweite. Hochfrequente Wellen werden von Hindernissen wie Wänden, Decken oder sogar großen Möbelstücken deutlich stärker gedämpft als die altbekannten 2,4-GHz- oder 5-GHz-Signale.
In der Praxis bedeutet das: Wer im selben Zimmer wie der Router sitzt, erlebt tatsächlich beeindruckende Geschwindigkeiten. Doch schon eine Wand weiter bricht die Leistung drastisch ein. Wie das IT-Portal Golem in einer aktuellen Analyse berichtet, fällt der Datendurchsatz bei Hindernissen oft unter das Niveau guter Wi-Fi-6-Router. Das 6-GHz-Band erweist sich als extrem sensibel, was den Nutzen in verwinkelten Wohnungen oder Häusern ohne zusätzliche Repeater massiv einschränkt.
MLO: Wenn das Hauptfeature nicht funktioniert
Um das Reichweitenproblem zu kompensieren, führten die Entwickler von Wi-Fi 7 das sogenannte „Multi-Link Operation“ (MLO) ein. Diese Technik erlaubt es Endgeräten, sich gleichzeitig mit mehreren Frequenzbändern (z. B. 5 GHz und 6 GHz) zu verbinden und die Datenströme zu bündeln. Theoretisch sollte dies für stabile Verbindungen sorgen, selbst wenn ein Band schwächelt.
Die Realität sieht jedoch anders aus. Aktuelle Tests zeigen, dass die Implementierung von MLO unter massiven Kinderkrankheiten leidet. Insbesondere das Zusammenspiel mit Windows 11 scheint problematisch zu sein. Treiberprobleme und Software-Bugs führen dazu, dass die Bündelung oft fehlschlägt oder gar nicht erst aktiviert wird. Anstatt nahtlos zu wechseln, bleiben Geräte oft im langsameren Band hängen oder verlieren kurzzeitig die Verbindung. Die teure Hardware kann ihre Muskeln also gar nicht spielen lassen, weil die Software-Infrastruktur noch nicht so weit ist.
Hohe Kosten, geringer Nutzen?
Für Verbraucher stellt sich angesichts dieser technischen Hürden die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Wi-Fi-7-Router gehören derzeit zu den teuersten Geräten auf dem Markt. Wenn jedoch die versprochene Leistungserxplosion im Alltag durch massive Dämpfung der Signalstärke verpufft und Schlüsselfunktionen wie MLO noch Monate von der Reife entfernt sind, wird die Investition fragwürdig.
Branchenbeobachter gehen davon aus, dass erst kommende Firmware-Updates und optimierte Treiber seitens Microsoft und der Chip-Hersteller das volle Potenzial von Wi-Fi 7 freisetzen werden. Bis dahin bleibt der neue Standard wohl eher etwas für Technik-Enthusiasten mit einem Sichtkontakt zum Router, während der bewährte Wi-Fi-6E-Standard für die breite Masse aktuell das stabilere Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

