Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist eigentlich für seine diplomatische Zurückhaltung bekannt. Doch der Auftritt des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom brach am Dienstag mit jeder Etikette. In einer Brandrede warf er den europäischen Staatschefs vor, sich von Donald Trump und dessen absurden Grönland-Forderungen vorführen zu lassen. Solche geopolitischen Spannungen beeinflussen nicht nur die diplomatischen Beziehungen, sondern haben auch direkte Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte, über die wir auf unserem Portal regelmäßig berichten.
Newsom, der als potenzieller Präsidentschaftskandidat der Demokraten für 2028 gehandelt wird, nahm kein Blatt vor den Mund. Vor Reportern in den Schweizer Alpen bezeichnete er die europäische Reaktion auf Trumps Forderungen, Grönland zu kaufen oder zu annektieren, als „erbärmlich“. Die Versuche, mit dem US-Präsidenten zu verhandeln, seien „keine Diplomatie, sondern Dummheit“.
Sarkasmus statt Solidarität
Der Gouverneur ging in seiner Rhetorik sogar noch weiter und bediente sich einer beißenden Metapher, um die seiner Meinung nach unterwürfige Haltung der Europäer zu illustrieren. „Ich kann diese Komplizenschaft nicht mehr ertragen. Die Leute werfen sich einfach nieder. Ich hätte Knieschoner für all die Weltführer mitbringen sollen, das ist pathetisch“, zitiert der Guardian den Demokraten, wie Informationen aus der Quelle bestätigen.
Diese drastischen Worte fallen in eine Zeit extremer Anspannung. Donald Trump hatte zuletzt erneut damit gedroht, Strafzölle gegen europäische Regierungen zu verhängen, sollte das zu Dänemark gehörende Grönland nicht an die USA übergeben werden. Während Trump seine Ankunft in Davos für Mittwoch ankündigte, versuchten seine Gesandten, darunter Finanzminister Scott Bessent, die Wogen zu glätten und die Reaktionen als „Hysterie“ abzutun.
Europa zwischen Diplomatie und „Dinosauriern“
Newsoms Kritik trifft einen wunden Punkt. Viele europäische Regierungen zögern, den offenen Bruch mit Washington zu riskieren, da die USA nach wie vor der wichtigste Sicherheitspartner und ein zentraler Handelsmarkt sind. Doch die Geduld scheint am Ende. Der französische Präsident Emmanuel Macron warnte in seiner Rede vor einem „neuen Kolonialismus“ und einer Welt, in der das Völkerrecht mit Füßen getreten werde.
Newsom verglich den diplomatischen Stil Trumps mit einem Raubtier: „Es gibt keine Diplomatie mit Donald Trump: Er ist ein T-Rex. Entweder man paart sich mit ihm oder er verschlingt einen.“ Diese drastische Bildsprache verdeutlicht, wie wenig Hoffnung die US-Opposition auf eine rationale Einigung setzt. Während die europäische Elite noch nach der richtigen Strategie sucht – sei es die „Trump-Flüsterer“-Taktik oder die Vorbereitung von Vergeltungszöllen – macht Newsom klar, dass aus seiner Sicht nur Härte und Rückgrat gegen den Expansionsdrang des Präsidenten helfen.

