Jahrelang war es der Turbo für junge Familien auf dem Weg ins eigene Zuhause: 12.000 Euro Zuschuss pro Kind vom Staat, ohne Rückzahlungsverpflichtung. Doch diese Zeiten sind vorbei. Wer heute baut oder kauft, findet eine völlig veränderte Förderlandschaft vor, die weniger auf Geschenke und mehr auf Zinsvergünstigungen setzt – allerdings nur unter strengen ökologischen Bedingungen.
Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist in Deutschland ungebrochen hoch, doch die finanziellen Hürden sind massiv gewachsen. Gestiegene Bauzinsen und hohe Materialkosten lassen viele Kalkulationen wackeln. In diesem komplexen Umfeld ist solide Information genauso wichtig wie rechtliche Absicherung, wie sie unser Ratgeber für Bankrecht bietet. Doch während man rechtliche Fallstricke oft umgehen kann, ist das Ende des klassischen Baukindergeldes eine Tatsache, mit der sich Bauherren arrangieren müssen. Die Ära der direkten Zuschüsse ist beendet, die letzte Frist für Altfälle ist längst verstrichen.
Der Nachfolger: Kredite statt Bargeld
Die Bundesregierung hat das Baukindergeld nicht ersatzlos gestrichen, aber den Mechanismus grundlegend geändert. Das neue Zauberwort heißt „Wohneigentum für Familien“ (WEF). Anstatt Geld auf das Konto überwiesen zu bekommen, erhalten qualifizierte Familien Zugang zu stark vergünstigten Krediten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Das klingt zunächst weniger attraktiv als ein direkter Zuschuss, kann aber in der aktuellen Zinslandschaft durchaus einen enormen Wert haben. Wer statt 4 Prozent Marktzins nur rund 1 Prozent an die KfW zahlen muss, spart über die Laufzeit eines Kredits schnell eine fünfstellige Summe. Der Haken liegt jedoch im Detail: Die Förderung richtet sich gezielt an Familien mit kleinen und mittleren Einkommen. Die Einkommensgrenze liegt für eine Familie mit einem Kind bei 90.000 Euro zu versteuerndem Haushaltseinkommen pro Jahr. Für jedes weitere Kind steigt diese Grenze um 10.000 Euro.
Die Öko-Hürde: Warum Bauen teurer wird
Das alte Baukindergeld war relativ unbürokratisch: Man kaufte oder baute, zog ein und stellte den Antrag. Das neue Programm WEF (KfW 300) stellt jedoch hohe technische Anforderungen an das Objekt. Gefördert wird ausschließlich der Neubau von klimafreundlichen Wohngebäuden. Der Kauf von Bestandsimmobilien – oft die günstigere Variante für junge Familien – ist in diesem Programm explizit ausgeschlossen.
Damit nicht genug: Das Haus muss mindestens den Standard „Effizienzhaus 40“ erreichen. Das bedeutet, es darf nur 40 Prozent der Primärenergie eines Referenzgebäudes verbrauchen. Wer den höchsten Kreditbetrag abrufen will, muss zudem das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) nachweisen. Kritiker bemängeln, dass diese hohen energetischen Standards die Baukosten so sehr in die Höhe treiben, dass der Zinsvorteil dadurch teilweise wieder aufgefressen wird. Es ist ein Rechenexempel, das spitze Bleistifte erfordert.
Regionale Alternativen und „Jung kauft Alt“
Da die Bundesförderung für den Kauf alter Häuser wegfällt, lohnt sich der Blick auf die Ebene der Bundesländer. Viele Länder haben eigene Förderprogramme aufgelegt, die oft weniger bekannt sind, aber Lücken der Bundesförderung schließen können. Ob Bayern, NRW oder Baden-Württemberg – oft gibt es zinsgünstige Darlehen speziell für den Erwerb von Bestandsimmobilien, manchmal sogar in Kombination mit Tilgungszuschüssen.
Zudem ist politisch ein neues Programm unter dem Titel „Jung kauft Alt“ in der Diskussion, das gezielt den Erwerb und die Sanierung von Bestandsbauten fördern soll. Angesichts des Leerstands in ländlichen Regionen und dem enormen Sanierungsbedarf im Altbau bestand hier eine Förderlücke, die der Gesetzgeber nun erkannt hat. Familien sollten daher nicht nur auf die KfW schauen, sondern auch lokale Förderdatenbanken durchforsten, bevor sie die Finanzierung festzurren.