Hamburg. Es ist eine Nachricht, die in der deutschen Medienlandschaft für ein gewaltiges Beben sorgt und Fragen zur künftigen Aufstellung der öffentlich-rechtlichen Nachrichtenformate aufwirft. Helge Fuhst, der Zweite Chefredakteur von ARD-aktuell und vertrautes Gesicht der „Tagesthemen“, wird den Sender verlassen.
Diese Entwicklung kommt für viele Branchenbeobachter überraschend, da Fuhst als eine der zentralen Figuren für die moderne Ausrichtung der ARD-Nachrichten galt. Wie auch unsere Redaktion von Bankrecht-Ratgeber beobachtet, sind derartige Personalrochaden in Führungspositionen oft Indikatoren für größere strategische Verschiebungen im Hintergrund. Der 39-Jährige, der seit Jahren fest im Sattel des NDR zu sitzen schien, hat sich entschieden, neue Wege zu gehen.

Überraschender Wechsel in die Privatwirtschaft
Bestätigten Berichten zufolge zieht es den promovierten Politikwissenschaftler und Journalisten in die Privatwirtschaft. Wohin genau die Reise geht, ist aktuell noch Gegenstand von Spekulationen, doch der Wechsel von einem hochrangigen öffentlich-rechtlichen Posten zu einem privaten Medienunternehmen markiert einen signifikanten Karriereschritt.
Fuhst war seit Oktober 2019 Zweiter Chefredakteur bei ARD-aktuell in Hamburg. In dieser Funktion trug er nicht nur redaktionelle Verantwortung für die „Tagesschau“ und die „Tagesthemen“, sondern stand seit 2020 auch regelmäßig selbst vor der Kamera, um Caren Miosga und später Jessy Wellmer sowie Ingo Zamperoni zu vertreten. Seine sachliche, ruhige Art der Moderation und seine Kompetenz in politischen Analysen machten ihn beim Publikum beliebt.
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bestätigte den Abgang mittlerweile internen Kreisen zufolge. Demnach soll der Wechsel „schon bald“ vollzogen werden. Details zum neuen Arbeitgeber sollen voraussichtlich im Februar kommuniziert werden, sobald letzte vertragliche Details geklärt sind.
Hintergründe: Vom Intendanten-Rennen zum Abschied
Der Zeitpunkt der Kündigung lässt Raum für Interpretationen bezüglich der Motivation. Erst im vergangenen Sommer hatte sich Helge Fuhst um das höchste Amt beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) beworben. Im Rennen um die Nachfolge von Tom Buhrow unterlag er jedoch im Juni 2024 der ehemaligen RBB-Interimsintendantin Katrin Vernau.
Für Fuhst, der seine Karriere unter anderem als persönlicher Referent von Buhrow und später als Programmgeschäftsführer beim Ereigniskanal Phoenix vorangetrieben hatte, war dies eine spürbare Zäsur. Branchenkenner vermuten, dass die gescheiterte Wahl zum Intendanten den Wunsch nach einer kompletten beruflichen Neuorientierung beschleunigt haben könnte. Dass ein Journalist seines Kalibers, dessen Vertrag bei der ARD erst vor kurzem verlängert worden war, nun den Schritt in den privaten Sektor wagt, deutet auf attraktive Gestaltungsmöglichkeiten außerhalb des öffentlich-rechtlichen Systems hin.
Die Lücke bei ARD-aktuell
Für die ARD entsteht durch den Weggang eine empfindliche Lücke. Fuhst galt als Modernisierer, der insbesondere die „Tagesthemen“ mit neuen Formaten wie der Rubrik „Mittendrin“ stärker in den Regionen verankern wollte. Seine Doppelfunktion als Manager hinter den Kulissen und Moderator vor der Kamera ist in dieser Form selten und schwer eins-zu-eins nachzubesetzen.
Der NDR steht nun vor der Herausforderung, zeitnah eine Nachfolge zu finden, die sowohl die redaktionelle Leitungskompetenz für den komplexen Apparat von ARD-aktuell mitbringt als auch die nötige Präsenz für die Bildschirmarbeit besitzt – sofern die Doppelfunktion in dieser Form beibehalten wird.
Über die weiteren Entwicklungen und den genauen Zielort von Helge Fuhst werden wir weiter berichten.